Hornau-West
Die Debatte um Hornau-West leidet an einem grundlegenden Denkfehler: Das Projekt wird als unteilbarer Block behandelt, obwohl hier völlig unterschiedliche Themen vermischt werden. Wer für Wohnraum ist, wird gezwungen, ein Infrastrukturpaket aus einem technisch komplexen Bahntunnel (Gagernspange) und einem zentralen Groß-Feuerwehrstützpunkt mitzukaufen.
Besonders kritisch: Das Vorhaben ist über die Jahre massiv gewachsen. Wir sprechen mittlerweile von über 360 Wohneinheiten und bis zu 1.000 neuen Bewohnern für Hornau-West. Parallel ließ die CDU verlautbaren, dass mit nunmehr mindestens 10.000 Fahrzeugen pro Tag für die Umgehungsstraße gerechnet wird. Dies entspricht in der Hauptverkehrszeit einem Auto alle 3,5 bis 4 Sekunden. Im letzten Gutachten von 2018 war übrigens nur von 3.000 Fahrzeugen die Rede.
Die geschätzten Gesamtkosten von bis zu 70 Millionen Euro erreichen fast die Dimension eines gesamten Kelkheimer Jahreshaushalts von rund 77 Millionen Euro. Wir riskieren ein finanzielles Wagnis, das bei einer bestehenden Verschuldung von bereits ca. 55 Millionen Euro unsere Stadt für Jahrzehnte lähmt.
Mein Appell für einen „Minimal-Konflikt-Weg“: Die Themen sollten seitens der Politik entkoppelt werden. Es sollte geprüft werden, ob eine maßvolle Bebauung ohne den teuren Tunnel und unter Erhalt bewährter Feuerwehrstrukturen möglich ist. Solange diese Fragen zur Finanzierung und Verkehrsbelastung nicht transparent beantwortet sind, ist das Bürgerbegehren ein legitimes Instrument für eine notwendige Denkpause. Es ist das gute Recht der Bürger, Transparenz einzufordern, bevor Fakten geschaffen werden, die Kelkheim finanziell überfordern.
Henning Henke
Kelkheim