Münster (ju) – Es ist Donnerstagmittag im Gewerbegebiet Münster in Kelkheim. Zwischen Lagerhallen und Werkstatttoren herrscht geschäftiges Treiben: Lieferwagen rangieren, Stapler surren über die Höfe, Mitarbeitende kommen und gehen. Mitten in dieser Betriebsamkeit stehen Bürgermeister Albrecht Kündiger und Mitarbeitende des Bauhofs am Straßenrand, diskutieren, zeigen, messen. Neben ihnen ragt bereits eines der neuen Verkehrsschilder auf – frisch montiert, unübersehbar. Es ist der sichtbare Auftakt für eine Maßnahme, die im Gewerbegebiet für mehr Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit sorgen soll.
Die Stadt hat eine Parkscheibenregelung eingeführt: Künftig gilt in weiten Teilen des Gebiets eine Parkzeitbegrenzung von zehn Stunden – montags bis freitags und nur mit ausgelegter Parkscheibe. Ziel ist es, den Parkraum wieder für das freizumachen, wofür er gedacht ist: für die tägliche Arbeit der Betriebe, für Kundinnen und Kunden sowie für den Lieferverkehr.
Wenn Parkflächen zum Dauerstellplatz werden
Denn die Situation hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend zugespitzt. Immer häufiger blockierten Fahrzeuge über Wochen hinweg die ohnehin knappen Stellflächen – darunter Wohnmobile, Wohnwagen und vor allem Lkw-Anhänger, häufig nicht mal nur aus dem Main-Taunus-Kreis, sondern sogar darüber hinaus, wie die Nummernschilder beweisen. Teilweise wurden die Straßen sogar als günstige Dauer-Abstellflächen genutzt. Für die ansässigen Unternehmen wurde das zum echten Problem: Lieferketten gerieten ins Stocken, Kunden fanden keinen Parkplatz mehr, die Erreichbarkeit der Betriebe litt spürbar, die Vermüllung der Flächen nahm zu, weil zum Beispiel Lkw-Fahrer hier in ihren Fahrzeugen übernachten und ihre Hinterlassenschaften auf den Grünflächen verteilen. Immer lauter wurden die Stimmen der Gewerbetreibenden und der Politik: Das Gewerbegebiet verkommt!
Die Stadt macht nun klar: Die Interessen der Gewerbetreibenden stehen im Vordergrund. „Wir müssen sicherstellen, dass hier gearbeitet werden kann. Dass Betriebe erreichbar sind. Dass Mitarbeiter einen Parkplatz finden“, fasst es der Rathauschef zusammen. Die neue Regelung soll genau das gewährleisten – ausreichend Parkmöglichkeiten für Beschäftigte während eines normalen Arbeitstages, gleichzeitig aber ein wirksamer Riegel gegen Dauerparken über Tage oder gar Wochen hinweg. „Wir hatten mehrere Infoveranstaltungen mit den hier ansässigen Firmen, in denen wir das Für und Wider abgewogen haben und versuchten, alle Interessen unter einen Hut zu bringen“, so Kündiger. Doch man kann es nicht jedem Recht machen. Einige Firmen bemängelten, dass damit auch ausgeschlossen wird, dass sie ihre Firmenfahrzeuge, die nicht ständig in Bewegung sind, nicht mehr draußen abstellen können. „Wir werden sehr genau prüfen, ob es eventuell einige Sondergenehmigungen geben wird. Aber auch hier werden wir mit Augenmaß und strengen Regeln vorgehen“, erklärt Kündiger.
Einführung mit Augenmaß und Kontrolle
Bereits am vergangenen Wochenende wurde ein erstes Zeichen gesetzt: Im gesamten betroffenen Gebiet galt ein temporäres Parkverbot, um eine gründliche Reinigung der Straßen zu ermöglichen. Viele der Fahrzeuge, die zuvor lange unbewegt standen, waren da bereits verschwunden. „Wir haben die Halter im Vorfeld angeschrieben und aufgefordert, die Fahrzeuge zu entfernen“, berichtet Jeanette Alterino, Leiterin des Ordnungsamtes. Dass gerade die Besitzer von Wohnmobilen und Wohnwagen darüber nicht glücklich sind, erfuhr Bürgermeister Albrecht Kündiger umgehend. „Es gab viele Anrufe, in denen ich gefragt wurde, wo die Leute denn jetzt ihre Fahrzeuge abstellen sollen. Ich kann dazu nur sagen, dass die Stadt nicht für privaten Parkraum zuständig ist. Da müssen sich die Besitzer schon selbst drum kümmern, dass sie einen Platz für ihr Wohnmobile oder Wohnwagen finden.“ Deswegen wird die Stadt auch genau die Lage am Gagernring beobachten, denn auch dort stehen vermehrt Fahrzeuge über Wochen und Monate und nehmen wertvollen Parkraum in Beschlag.
Mit der nun beginnenden Umsetzung der Parkscheibenregelung geht die Stadt schrittweise vor. In den kommenden Wochen wird verstärkt kontrolliert, ob die Parkscheiben korrekt genutzt werden. Zunächst setzen die Kontrolleure noch auf Aufklärung: Wer gegen die neue Regel verstößt, muss erst einmal mit einer Verwarnung ohne Geldbuße rechnen. „Die Menschen sollen sich an die neue Situation gewöhnen können“, so die Linie der Stadt.
Doch diese Schonfrist ist zeitlich begrenzt. Sobald sich die Regelung etabliert hat, wird konsequent durchgegriffen – dann drohen bei Verstößen auch Strafzettel mit einem Bußgeld zwischen 20 bis 40 Euro.
Zurück am Straßenrand wird ein weiteres Schild ausgerichtet, Schrauben werden festgezogen. Der Blick des Bürgermeisters geht über die Straße, auf der sich schon wieder Fahrzeuge aneinanderreihen. Noch ist vieles im Umbruch. Doch die Botschaft ist klar: Mehr Ordnung im Parkraum soll dafür sorgen, dass im Gewerbegebiet vor allem eines wieder reibungslos funktioniert – die Arbeit der Betriebe.

