Menschliches „NO“ auf dem Marktplatz – Grundschüler setzen Zeichen gegen Rassismus

Nur ein paar Schlagworte, die bei „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ganz oben stehen.

Kelkheim (ju) – Die Sonne schien über dem Kelkheimer Marktplatz, als eine bunte Schar von Grundschülerinnen und Grundschülern aus der Sindlinger Wiesen Schule auf dem Pflaster eintrudelte. Kurz zuvor hatten sie noch das Kino besucht, in der sogenannten Grünen Woche immer wieder ein gern gewählter Ausflug, nun bildeten sie mit ihren Körpern das Wort „NO“ mitten auf dem Marktplatz – ein klares, menschliches Statement gegen Rassismus. Die Aktion fand kurz vor den Osterferien statt und war Teil von Aktionen im MTK, die rund um den „Internationalen Tag gegen Rassismus“ stattfanden. Die Idee zu dem Projekt kam von einer engagierten Mutter, unterstützt vom Ausländerbeirat Kelkheim, der durch die Kommunal- und Ausländerbeiratswahl in diesem Jahr weniger Aktionen anbot. „Es fehlte einfach die Zeit, aber unser permanentes Aufmerksammachen und unser Wille, gegen Rassismus vorzugehen, ist zum Glück nicht an einen speziellen Tag gebunden“, erklärt Salome Korschinowski, Vorsitzende des Ausländerbeirats.

Die Botschaft des menschlichen „NO“ in Kelkheims Stadtmitte war eindeutig: Rassismus hat keinen Platz in der Schule, in der Stadt oder der Gesellschaft. Die Kinder zeigten damit nicht nur ein symbolisches Bild, sondern auch ein greifbares Statement für Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt.

Die Wahl des Zeitraums ist kein Zufall. Die Aktion knüpft an den „Internationalen Tag gegen Rassismus“ am vergangenen Samstag (21. März) an, der 1966 von den Vereinten Nationen eingeführt wurde. Hintergrund ist ein tragisches Ereignis in Sharpeville, Südafrika, als bei einer friedlichen Demonstration gegen die Apartheid-Gesetze am 21. März 1960 69 Menschen getötet wurden. Der Gedenktag soll weltweit an die Opfer rassistischer Gewalt erinnern und das Bewusstsein für Gleichberechtigung, Toleranz und Menschenrechte stärken.

Für Salome Korschinowski und ihre Mitstreiter vom Ausländerbeirat war die Fotoaktion mehr als nur ein Symbol. „Sie soll die Kinder sensibilisieren, ihnen zeigen, dass Rassismus überall vorkommen kann und dass jede und jeder aktiv etwas dagegen tun kann. Zugleich solle der Impuls gegeben werden, sich als Schule für das Label „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu bewerben. Schulen mit diesem Titel verpflichten sich, aktiv gegen Diskriminierung zu handeln und ein respektvolles Miteinander im Schulalltag zu fördern“, fasst es Virginia Caneo Barrera kurz und knapp zusammen.

In Kelkheim tragen bereits das Richter Gymnasium und die Rossert-Schule das Label. Die Fotoaktion der Grundschule Sindlinger Wiesen könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein – ein Auftakt, um das Thema Rassismus sichtbar zu machen und in den Schulalltag zu integrieren. „Gerade die jüngeren Schüler wissen häufig noch gar nicht so richtig, was Rassismus ist, wo er anfängt, wo es gefährlich wird. Hier sind dann Schule, Eltern und Stadtgesellschaft gefordert, dass Kinder Vorurteile erkennen, sich mit dem Thema auseinandersetzen und lernen, für Respekt und Toleranz einzutreten“, wünscht sich die Ausländerbeiratsvorsitzende.

Das der stete Kampf, Aufklärung und Prävention auch in Kelkheim wichtig sind, beweist immer wieder der Vandalismus an den Schilder „Stadt gegen Rassismus“, die an den Orts-eingängen klar machen, wofür Kelkheim steht. „Den Menschen aus der rechten Blase, die diese Schilder als Abarbeitungsobjekte sehen, sei gesagt, ihr könnt noch soviel drauf rumschmieren, abschrauben, mit rechten Parolen bekleben, zerstören – sie werden immer wieder hergerichtet. Bis es auch der letzte kapiert hat“, so Korschinowski.

Die Botschaft des menschlichen „NO“ ist klar: Rassismus hat keinen Platz in Kelkheim, und jede Generation ist gefordert, Haltung zu zeigen.

Weitere Artikelbilder



X