Mini-Supermarkt für Ruppertshain: Zwischen Dorfplatz und Nahversorgung

In dem derzeit abgesperrten Areal soll der zukünftige Dorfplatz für Ruppertshain entstehen. Der Platz für einen Mini-Markt ist knapp, der neu zu gründende Arbeitskreis wird sich aber mit der Thematik auseinandersetzen.Foto: Ch. Michel

Ruppertshain (ju) – Was braucht Ruppertshain wirklich? Einen schön gestalteten Dorfplatz mit Bäumen, Bänken und viel Grün – oder vor allem eine Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel direkt im Ort? Genau an dieser Frage entzündet sich derzeit eine Diskussion, die über die reine Gestaltung eines Platzes hinausgeht. In ihrem Leserbrief fordert Leserin Dr. Eva Kaiser, die Bürgerinnen und Bürger stärker einzubeziehen und die Möglichkeit einer Nahversorgung auf dem geplanten Dorfplatz nicht vorschnell auszuschließen. Aus ihrer Sicht sollte zunächst ergebnisoffen geprüft werden, welche Lösung für Ruppertshain tatsächlich den größten Nutzen bringt.

Der Hintergrund: Die Nahversorgung der Kelkheimer Bergdörfer beschäftigt Politik und Bevölkerung seit Jahren. Während der Regiomat an der Othmar-Nicolaus-Halle in Eppenhain bislang zumindest eine kleine Einkaufsmöglichkeit bietet, fehlt ein Lebensmittelgeschäft, in dem sich die Menschen mit einem größeren Sortiment für den täglichen Bedarf versorgen können. Besonders für ältere Menschen, Familien und diejenigen, die nicht jederzeit auf ein Auto zurückgreifen können, ist das ein Thema.

Gleichzeitig steht die Neugestaltung des Areals rund um die Kindertagesstätte in Ruppertshain an. Nach dem Umbau der katholischen Kirche zur Kindertagesstätte und der Neugestaltung des Vorplatzes ist für das rund 800 Quadratmeter große städtische Grundstück die Entwicklung eines Dorfplatzes vorgesehen. Die Idee eines Mini-Supermarktes auf dieser Fläche ist dabei allerdings bereits vom Tisch. Nach den bisherigen Beratungen wurde das Grundstück als zu klein für die derzeit bekannten Konzepte eines unbemannten Minimarktes bewertet.

Genau hier setzt die Kritik im Leserbrief an: Warum soll eine solche Möglichkeit ausgeschlossen werden, bevor die Bürgerinnen und Bürger nach ihren Vorstellungen gefragt wurden und der neu vorgesehene Arbeitskreis seine Arbeit aufgenommen hat? Die Frage ist auch deshalb interessant, weil der Arbeitskreis gerade prüfen soll, welches Konzept für die Nahversorgung geeignet sein könnte.

Mehrere Standorte geprüft

Der entsprechende politische Vorstoß kommt von CDU und SPD. Der Magistrat soll einen Arbeitskreis zur Standortfindung für einen Mini-Supermarkt einrichten. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, bereits einen bestimmten Standort festzulegen. Vielmehr sollen verschiedene Konzepte bewertet, mögliche Standorte vor Ort angesehen und Gespräche mit interessierten Betreibern und Investoren geführt werden. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen einbezogen werden. Der Arbeitskreis kann dabei auf eine bereits erfolgte Prüfung zurückgreifen, die nach einem Änderungsantrag der ukw im Ausschuss mit in die Arbeit des Gremiums einfließen soll. Denn die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten hat mehrere mögliche Standorte zutage gefördert – allerdings mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen.

So stehen die ehemalige Ladenfläche und die Backstube der Bäckerei Neuhaus derzeit leer. Der Eigentümer bietet die Räume für einen Minimarkt an. Allerdings gibt es dort keine Stellplätze. Ebenfalls zur Vermietung steht die frühere Metzgerei Harald Neuhaus in der Wiesenstraße 68. Hier könnten möglicherweise auf dem gegenüberliegenden Grundstück Parkplätze geschaffen werden.

Auch die ehemalige Gaststätte „Zur Rose“ in der Robert-Koch-Straße ist grundsätzlich eine Option. Das Gebäude und das Grundstück gehören der StEG und werden derzeit als Unterkunft für Geflüchtete genutzt. Eine spätere Umnutzung wäre denkbar, würde allerdings Umbau- und Sanierungsmaßnahmen erfordern. Ein barrierefreier Zugang könnte realisiert werden.

Eine weitere Möglichkeit bietet das ehemalige Café Zauberberg in der Robert-Koch-Straße 116. Das Objekt wird zur Pacht angeboten und verfügt über ausreichend Parkplätze. Allerdings liegt es nicht zentral im Ort. Andererseits könnte die Lage an der Robert-Koch-Straße auch Kundschaft aus dem Durchgangsverkehr erreichen.

Warum der Dorfplatz umstritten ist

Nicht weiterverfolgt werden soll dagegen derzeit die Idee, auf dem geplanten Dorfplatz vor der Kindertagesstätte einen Container für einen Mini-Markt aufzustellen. In den bisherigen Beratungen mit Vertreterinnen und Vertretern des Ruppertshainer Vereins- und Kirchenlebens wurde die Fläche als zu klein für die bislang bekannten Konzepte eines personalfreien Minimarktes bewertet.

Damit ist genau jene Variante angesprochen, die im Leserbrief von Dr. Eva Kaiser kritisch hinterfragt wird. Sie plädiert dafür, auch einen kleinen 24-Stunden-Markt beziehungsweise eine Containerlösung zumindest zu untersuchen. Eine solche Entscheidung müsse aus ihrer Sicht auf Grundlage einer Befragung der Ruppertshainer getroffen werden.

Dem steht die bisherige Einschätzung gegenüber, dass die Fläche für die konkreten Konzepte, die derzeit bekannt sind, nicht ausreicht. Ob damit tatsächlich jede Form einer kleinen Nahversorgung auf dem Dorfplatz ausgeschlossen ist oder lediglich die bislang geprüften Modelle dort nicht funktionieren, dürfte eine der Fragen sein, mit denen sich die weitere Diskussion beschäftigen wird.

Vom Regiomaten zum Mini-Markt

Dass der Wunsch nach einer größeren Einkaufsmöglichkeit nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt auch der Blick in die Nachbarschaft. In Hofheim-Lorsbach ist in diesem Jahr ein unbemannter Mini-Markt eröffnet worden. Auf rund 120 Quadratmetern werden dort mehr als 2.500 Artikel angeboten – darunter Obst und Gemüse, Molkerei- und Tiefkühlprodukte, alkoholfreie Getränke sowie Drogeriewaren. Eingekauft wird rund um die Uhr, bezahlt wird bargeldlos an einer Selbstbedienungskasse.

Ein solches Konzept könnte grundsätzlich auch für einen kleineren Ortsteil interessant sein. Allerdings hängt seine Umsetzbarkeit von vielen Faktoren ab: der Größe und Beschaffenheit des Standorts, der Erreichbarkeit, den Parkmöglichkeiten, der technischen Ausstattung, den Kosten und nicht zuletzt davon, ob sich ein Betreiber findet.

Andere ehemalige Geschäfte in Ruppertshain stehen unterdessen nicht mehr zur Verfügung. In der früheren Bäckerei Ungeheuer und der ehemaligen Filiale der Frankfurter Volksbank ist inzwischen Wohnraum entstanden. Die ehemalige Gastwirtschaft „Zum grünen Baum“ wird als Büro eines Gartenbaubetriebs genutzt. Die frühere Fläche des Kaufhauses Laub dient als Reifenlager und wäre wegen notwendiger Sanierungsarbeiten, fehlender Stellplätze und weiterer baulicher Probleme nur mit erheblichem Aufwand nutzbar.

Was wollen die Ruppertshainer?

Damit dürfte die Debatte über die Nahversorgung gerade erst richtig beginnen. Die Stadt hat bereits mehrere mögliche Standorte identifiziert, CDU und SPD wollen nun mit einem Arbeitskreis die Suche systematisieren. Gleichzeitig stellt der Leserbrief eine grundsätzliche Frage: Sollte nicht zuerst ermittelt werden, was die Menschen vor Ort tatsächlich brauchen und wo sie sich eine Einkaufsmöglichkeit wünschen?

Eine Bürgerbefragung könnte dabei helfen, die verschiedenen Interessen sichtbar zu machen. Denn ein zentral gelegener Dorfplatz und eine funktionierende Nahversorgung müssen sich nicht zwangsläufig ausschließen. Andererseits muss auch ein Mini-Markt wirtschaftlich, baulich und verkehrlich funktionieren.

Fest steht deshalb zunächst nur eines: Ruppertshain braucht eine Lösung, wenn die Nahversorgung langfristig gesichert werden soll. Ob diese Lösung am Dorfplatz, in einem bestehenden Gebäude oder an einem ganz anderen Standort entsteht, soll nun geprüft werden. Entscheidend wird dabei sein, ob die Diskussion tatsächlich ergebnisoffen geführt wird – und welche Lösung am Ende den Bedürfnissen des Ortes am besten entspricht.



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