Nesteldecken und Weihnachtskärtchenfür die Bewohner des Hauses Mainblick

Steffen Gehlert, Regina Kuschka, Jessica Blum, Michael Kuschka, Jennifer Bappert und Andrea Molina (v.li.) mit der Handswerkskunst für die Mainblick-Senioren. Fotos: Baumgartl

Kelkheim (iba) – Eine Kiste mit zwölf Nesteldecken, Weihnachtskarten für rund 60 Bewohner, eine Art verkappte Bescherung fand dieses Jahr im AWO Sozialzentrum „Haus Mainblick“ in Kelkheim-Hornau schon deutlich vor Heiligabend statt.

Regina Kuschka (Vertreterin der Frauen und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) und Michael Kuschka (stellvertretender Vorstandsvorsitzender) vom VdK Ortsverband Kelkheim hatten am vorvergangenen Montag große Kisten mitgebracht, speziell die Weihnachtskarten sollten ja unter Umständen mit etwas Vorlauf abgeliefert werden, damit diese noch rechtzeitig beschrieben und verschickt werden könnten.

„Uns ist immer wieder aufgefallen, dass alte Menschen, sehr oft gerade die Demenzkranken, an einem Stofftaschentuch herumfummeln, oder was auch immer sie gerade in der Hand haben“, so Michael Kuschka. „Die vermissen das Haptische, haben ihr Leben lang mit ihren Händen gearbeitet, gebastelt und in ihrem Garten gewühlt. Das fehlt denen. Manche hier wissen vielleicht nicht mehr, was sie letzte Woche zum Abendessen hatten. Aber sie wissen noch, wie sie vor 40 Jahren ihr Blumenbeet angelegt haben.“

Als Muskelgedächtnis oder (neudeutsch) „Muscle Memory Effect“ wird das Phänomen gemeinhin bezeichnet, Bewegungsabläufe, die immer und immer wieder durchgeführt wurden, gehen den Menschen sprichwörtlich in Fleisch und Blut über.

Für ebendieses Phänomen haben die Mitglieder des Ortsverbandes die Nesteldecken konstruiert, komplett an die originäre Tätigkeit reichen die zwölf Nesteldecken zwar nicht heran, vermitteln aber das selbe Gefühl. An einer Nesteldecke ist ein Playmobil-Schäufelchen befestigt („Für die, die gerne im Garten gearbeitet haben“, so Regina Kuschka), auf einer anderen sind Fische und ein Seepferdchen angebracht („Für diejenigen, die früher ein Aquarium hatten“).

Die einzelnen Teile waren von fleißigen Handarbeiterinnen bei den VdK-Treffen angefertigt worden, diese fügte Regina Kuschka dann zu Decken zusammen.

Abgesehen von den Decken hatten die VdK-Vertreter noch weitere Fühlobjekte dabei, ein gehäkeltes Huhn, einen Oktopus, diverse kleine Beutelchen.

Andrea Molina ist Psychologin, Gerontologin und Leiterin der Sozial-Betreuung im Haus Mainblick, sie freute sich sehr über die verschiedenen Geschenke, Fühl-Beutelchen gab es auch, diese sind mit Körnern, Sand und Kirschkernen gefüllt, die die Sinne der Heimbewohner anregen sollen.

Die 60 selbst gebastelten Weihnachtskarten wurden von den fleißigen Helferinnen und Helfern am „Pinselpost-Aktionstag“ gefertigt. Im Namen aller Bewohnerinnen und Bewohner bedankte sich auch Einrichtungsleiter Steffen Gehlert und versicherte, dass alle Mitbringsel zeitnah weitergegeben würden.

So wurde aus ein paar Kisten voller Handarbeit und Papier weit mehr als nur eine vorgezogene Weihnachtsgabe. Gerade für Menschen, deren Erinnerungen oft brüchig geworden sind, deren Hände aber noch genau wissen, was sie ein Leben lang getan haben, war es eine gelungene Überraschung. Die Nesteldecken, Fühlobjekte und Weihnachtskarten schenken keine großen Worte, sondern kleine, greifbare Momente der Vertrautheit. Genau das, was es zur Weihnachtszeit braucht.

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