Ruppertshain (iba) – Wenn man an einer handelsüblichen Wursttheke im hiesigen Supermarkt 200 Gramm Aufschnitt bestellt, fragt die Fleischwaren-Fachkraft hinter der Theke oftmals: „Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ Das fragten sich die Heimfans in Ruppertshain am letzten Sonntag auch, denn gegen den Tabellenvorletzten (137 Gegentore vor dem Spieltag) muss man eigentlich nicht nach etwas über einer halben Stunde das Toreschießen einstellen.
SVR-Trainer Mike Hempel schickte eine eingespielte Truppe auf‘s Feld, ohne Leo Bianco und ohne den dritten Henninger-Bruder, dazu Tim Lutz nur auf der Bank, dafür mit dem wiedergenesenen Routinier Stoll in der Defensive und den verlässlichen Bälleschlepper Raimundo „Ray“ Mendes im Zentrum.
Über weite Strecken sah man allerdings schon, warum der 1. FC Sulzbach rechnerisch bereits abgestiegen ist und warum Ruppertshain in der Endabrechnung nicht weiter oben landen wird: „Gegen den Vorletzten, zu Hause – und mit einem Mann mehr! Da schaffen wir dann in der gesamten zweiten Halbzeit kein Tor mehr.“ Der Spielausschussvorsitzende Horst Hofmann war nicht gerade aus dem Häuschen, auch wenn die Lilanen durch diesen Heimdreier den Klassenerhalt so gut wie gesichert haben. Floros mit Saisontreffer 14 zum frühen 1:0 (4.), Dulitz mit dem 2:0 (16.), Kloehn per Foulelfmeter zum 3:0 (34.), Bardtke kurz darauf mit dem 4:0 (36.); wäre es in der Frequenz weitergegangen, hätte es durchaus zweistellig werden können. Weil die Hausherren aber früh mit dem Verwalten des Spielstandes zufrieden waren, wurde es eine ereignisarme zweite Hälfte. Ein leider verletzungsbedingtes Legenden-Comeback durften die Zuschauer dann aber doch noch erleben: Sulzbachs Torhüter Köhler war beim Abfangen eines hohen Balles unglücklich aufgekommen und blieb zur Halbzeit in der Kabine, Spielertrainer Daniel Quintela musste sich selbst einwechseln. Der Mann, der schon Seniorenfußball spielte, als Gerhard Schröder Kanzler war, musste sich also die Handschuhe überstreifen und fing tatsächlich kein Gegentor mehr. Auch dass die Gäste ab der 68. Minute nach einer gelb-roten Karte einen Spieler weniger hatten, nutzte den Ruppertshainern nicht mehr – auch wegen dem Kreisliga-Haudegen – zwischen den Sulzbacher Pfosten erzielten sie keinen Treffer mehr, stattdessen besorgte Jahn den Ehrentreffer zum 4:1 (90.).
Sulzbach nun auch mathematisch endgültig durch, man kann und muss für die B-Liga planen. Die Ruppscher bleiben dagegen ein weiteres Jahr A-klassig und feierten den Erfolg bei einem kühlen und frisch gezapften Bier –da durfte es dann gerne etwas mehr sein.






