Rund 1.000 Jugendliche bei der JUBiZU – Hier wird Zukunft gebaut

Mit 25.000 Dollar lässt sich so manches bewerkstelligen. Schulleiter und Schulleiterinnen der Kelkheimer Schulen nehmen auf der JUBiZU den Scheck der Howmet Aerospace Foundation entgegen. Axel Vandeputte (4.v.li.), Chef der Kelkheimer Howmet-Aerospace-Niederlassung, unterstützt die MINT-Förderung der Schulen seit Jahren.Foto: Judith Ulbricht

Kelkheim (ju) – Eine kleine Robotermaus fährt los, blinkt, dreht sich und soll am Ende genau dort landen, wo ein Stück Käse auf sie wartet. Klingt nach Spielzeug? Ist es auch. Aber eben nicht nur. Denn hinter dem kleinen Wettrennen stecken Konzentration, logisches Denken, Ausdauer – und die ersten Schritte ins Programmieren. Genau solche Momente gab es bei der JUBiZU am vergangenen Donnerstag in Kelkheim zuhauf: Rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aus Kelkheim und der Umgebung waren gekommen, um herauszufinden, was nach der Schule kommen könnte. Und mittendrin wurde sichtbar, was passiert, wenn Geld nicht einfach irgendwohin fließt, sondern dort ankommt, wo Jugendliche ausprobieren, tüfteln und eigene Ideen entwickeln können.

Zum inzwischen guten alten JUBiZU-Ritual gehört dabei ein Scheck, der in diesem Jahr wieder 25.000 Dollar schwer war. Axel Vandeputte, Chef der Kelkheimer Howmet-Aerospace-Niederlassung, überreichte die Summe erneut an die Gesamtschule Fischbach, die Eichendorffschule, die Anne-Frank-Schule und die Jugendarbeit der Stadt. Die Howmet Aerospace Foundation unterstützt die Kelkheimer Bildungs- und Jugendarbeit seit vielen Jahren; die Mittel werden unter anderem für MINT-Projekte, Mädchenförderung, Berufsorientierung und weitere Angebote eingesetzt. Und die JUBiZU war diesmal die denkbar beste Gelegenheit, Vandeputte gleich zu zeigen, was aus dem Geld geworden ist.

Von der Mäusejagd bis zur Flugzeugturbine

An der Anne-Frank-Schule etwa dreht sich alles um Lego-Technik und eben diese kleinen Roboter-Mäuse. Die Aufgabe klingt zunächst simpel: Die Maus muss zu ihrem Käsewürfel finden, darf dabei aber weder irgendwo herunterfallen noch gegen ein Hindernis fahren. Damit das klappt, müssen die Schülerinnen und Schüler überlegen, planen, ausprobieren – und nach einem Fehlversuch eben noch einmal von vorne anfangen.

„Das schult die Konzentration und die Ausdauer und bietet gleichzeitig eine haptische Erfahrung“, sagt Schulleiterin Esther Bernard. Und weil die Mäuse offenbar ziemlich überzeugend sind, soll das Projekt noch wachsen. Mehr Roboter sollen her. Mehr Mäuse also – im übertragenen Sinne.

An der Gesamtschule Fischbach wird derweil deutlich, dass MINT-Förderung durchaus in luftige Höhen führen kann. Ein Schüler hatte für eine Präsentation eine Flugzeugturbine mit dem 3-D-Drucker nachgebaut. Ein ziemlich beeindruckendes Stück Technik, das auch Vandeputte genauer unter die Lupe nahm. Und der konnte fachlich durchaus etwas damit anfangen: Weltweit gibt es nach seinen Angaben nur drei Unternehmen, die sogenannte Turbinenschaufeln fertigen – eines davon ist eine Schwesterfirma von Howmet.

Der Nachwuchs bekam damit nicht nur ein Stück Hightech zum Anschauen, sondern gleich noch eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wohin technische Neugier führen kann. Auch an der GSF sind kleine Miniroboter unterwegs, geben Lichtsignale, drehen sich auf der Stelle und reagieren auf ihre Umgebung. Was nach Spielerei aussieht, ist letztlich Berufsorientierung mit einem hohen Spaßfaktor.

Dass die Howmet-Stiftung dabei nicht zum ersten Mal Technik möglich macht, zeigte sich bereits in den vergangenen Jahren: Die GSF konnte mit der Förderung unter anderem einen neuen 3-D-Drucker und Sphero-Bolts anschaffen; Schülerinnen und Schüler entwerfen, programmieren und drucken damit eigene Werkstücke.

Für Vandeputte ist das eine Investition in die Zukunft – und für die Jugendlichen die Möglichkeit, diese Zukunft einmal selbst in die Hand zu nehmen.

Mädchen bauen Brücken – und Jungs schauen nach Mode

Dass Zukunft aber nicht automatisch MINT heißen muss, zeigte die Eichendorffschule. Dort wurde das Projekt „Brücken bauen“ eigens noch einmal für Mädchen angeboten. Schülerinnen aus der Oberstufe übernahmen die Rolle der Mentorinnen und zeigten Fünft- und Sechstklässlerinnen, wie aus einer Idee und ein bisschen Technik erstaunlich stabile Konstruktionen entstehen können. An zwei Wochenenden entstanden Bauwerke, die vermutlich nicht nur den kleinen Bauingenieurinnen selbst imponierten.

Und dann war da noch der Gartensaal des Rathauses. Dort ging es nicht um Roboter oder Turbinenschaufeln, sondern um Mode, Medien und Gestaltung. Tanja Fernandez-Predel von der Anni-Albers-Schule für Mode, Medien und Gestaltung stellte vor, was sich mit Haupt- und Realschulabschluss oder allgemeiner Hochschulreife alles anfangen lässt – von Maßschneiderei und Druck- und Medientechnik bis zu Werbe- und Mediendesign.

Bemerkenswert: Im Raum saßen keineswegs nur Mädchen. Auch Jungen hörten aufmerksam zu, machten sich Notizen und stellten fest, dass berufliche Zukunft nicht zwingend aus Schrauben, Kabeln und Maschinen bestehen muss.

Überall in der Stadthalle und im Rathaus dasselbe Bild: Jugendliche mit Laufzetteln in der Hand, die von Stand zu Stand zogen, Fragen stellten, sich Berufe erklären ließen und dabei auf Möglichkeiten stießen, von denen sie vorher noch gar nichts gehört hatten.

Einer von ihnen war Karim. Besonders interessierte ihn der Garten- und Landschaftsbau. „Ich finde es gut, dass man sich hier einen Eindruck verschaffen kann“, sagte er. Er wisse noch nicht genau, wohin es einmal gehen solle, habe aber bereits einiges gesehen, von dem er vorher gar nicht gewusst habe, dass man es überhaupt als Ausbildung machen könne.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Idee hinter der JUBiZU: nicht möglichst schnell eine Entscheidung zu erzwingen, sondern erst einmal den Horizont zu vergrößern.

Wenn der Schulabschluss zur Sackgasse wird

Und dann gibt es noch die andere Seite dieser Zukunftsmesse. Die zeigt sich dort, wo Interesse und Talent vorhanden sind, der Zugang zu einem Beruf aber an formalen Voraussetzungen scheitern kann.

Nicole John, Leiterin der Kita Regenbogen, berichtete von großem Interesse an den pädagogischen Berufen – und zugleich von einem Problem, das aus ihrer Sicht dringend auf den Prüfstand gehört. In Hessen setzt die Ausbildung zur Sozialassistenz an der entsprechenden höheren Berufsfachschule derzeit einen mittleren Abschluss voraus. Wer „nur“ einen Hauptschulabschluss hat, kann diesen Weg in Hessen also nicht unmittelbar einschlagen.

Gerade bei einem Berufsfeld, in dem Fachkräfte dringend gesucht werden, erscheint diese Zugangshürde zumindest diskussionswürdig. Denn es gibt Jugendliche mit Hauptschulabschluss, die vielleicht ein hervorragendes Händchen für Kinder haben, geduldig sind, Verantwortung übernehmen können und genau in diesem Beruf aufblühen würden. Der Schulabschluss allein sagt darüber zunächst wenig.

Andere Bundesländer gehen hier inzwischen andere Wege. Baden-Württemberg ermöglicht den Einstieg in die sozialpädagogische Assistenz unter bestimmten Voraussetzungen bereits mit Hauptschulabschluss. Und Rheinland-Pfalz hat gerade zum August 2026 einen neuen, praxisintegrierten Ausbildungsgang geschaffen, der ebenfalls mit Berufsreife zugänglich ist.

Die JUBiZU zeigte damit an diesem Tag beides: wie viele Türen jungen Menschen offenstehen – und dass manche Türen noch unnötig schwer zu öffnen sind.

Vor allem aber herrschte in der Stadthalle und im Rathaus eine Stimmung, die man bei einer Ausbildungsmesse nicht unbedingt erwarten muss: Aufbruch. Es wurde ausprobiert, gebaut, programmiert, gefragt und gestaunt. Rund 1.000 junge Menschen machten sich auf die Suche nach ihrer Zukunft. Und vielleicht war für manche an diesem Tag schon eine kleine Robotermaus dabei, ihnen den Weg zu zeigen.



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