Ein Schultag, an dem Teamgeist ganz großgeschrieben wurde

Die Skimboard-Bahn erfreute sich regen Zulaufs und zum Glück war das Wetter stabil. Denn es war gar nicht so einfach, auf dem schmalen Board das Gleichgewicht zu halten und über das Wasser zu gleiten. Der ein oder andere Stunt folgten.Foto: Judith Ulbricht

Fischbach (ju) – So viele glückliche Gesichter hat man selten auf einem Schulhof gesehen. Wo sonst am Freitag vielleicht schon der Blick sehnsüchtig Richtung Wochenende wandert, herrschte an der Gesamtschule Fischbach geschäftiges Treiben. Auf dem Schulhof wurde geklettert, hinter der Schule über eine Skimboard-Bahn gerutscht, in der Turnhalle wuchsen Kistentürme in Richtung Hallendecke, und überall waren Schülerinnen und Schüler unterwegs, die etwas ausprobierten, was im normalen Sportunterricht eher nicht auf dem Stundenplan steht.

Am vergangenen Freitag war „Team Day“ an der Gesamtschule Fischbach angesagt – ein außergewöhnlicher Sport- und Erlebnistag, den die Sportjugend Hessen gemeinsam mit der Sparkassen-Finanzgruppe auf die Beine stellte. Dass die GSF dabei sein durfte, war keineswegs selbstverständlich: Mehr als 200 Schulen hatten sich beworben, zwölf wurden ausgewählt. Fischbach war eine davon.

Die Idee dazu hatte Sportlehrer Saladin Hadzimuhovic, der auf die Ausschreibung der Sportjugend Hessen aufmerksam geworden war. Nach Rücksprache mit Schulleiter Thorsten Singer ging die Bewerbung auf den Weg. Als schließlich die Zusage kam, konnte die Vorbereitung beginnen. Und dabei zeigte sich schnell, dass der Teamgedanke nicht erst am Veranstaltungstag eine Rolle spielte: Das Kollegium zog kräftig mit, übernahm Stationen und half überall dort, wo helfende Hände gebraucht wurden.

Vom Laserlabyrinth bis zum Kistenstapel

„Die Kinder sollen sich auch außerhalb des klassischen Schulsports bewegen und Sportarten kennenlernen, mit denen sie vielleicht sonst nicht so schnell in Berührung kommen“, erklärt Annika, die als Teamleiterin den Tag begleitet. Deshalb war auf dem gesamten Schulgelände, in den Räumen und in der Sporthalle einiges geboten. Insgesamt 11 Teamstationen und 16 Einzelstationen warteten auf die Klassen – und die Auswahl konnte sich sehen lassen: Im Käfig durfte Baseball ausprobiert werden, beim Hobby Horsing ging es hoch zu Ross, ein Exit-Room musste bewältigt werden, und durch ein Laserlabyrinth galt es, sich möglichst geschickt hindurchzubewegen.

Besonders groß war der Andrang an den drei Erlebnissportstationen: Auf dem Schulhof wartete eine Kletterwand, in der Turnhalle wurden Kisten gestapelt und hinter der Schule war eine Skimboard-Bahn aufgebaut, auf der es bisweilen spektakulär zuging. Dort waren Stunts zu beobachten, bei denen man sich durchaus fragen konnte, ob die Schülerinnen und Schüler eigentlich noch auf einer Schulveranstaltung oder bereits bei den Dreharbeiten für den nächsten Actionfilm waren.

Auch Mina und Hannah, beide 13, waren von der Auswahl begeistert. „Es gibt so viel, dass man gar nicht weiß, was man zuerst machen soll“, fanden die beiden. Ein kleines Heftchen, das die Schülerinnen und Schüler mit sich herumtrugen, half immerhin bei der Orientierung: An den absolvierten Stationen konnten sie sich einen Stempel abholen. Besonders angetan waren die beiden vom Cross-Boccia. „Das ist mal etwas anderes“, lautete ihr Urteil.

Für Helen und Joana, beide 15, waren vor allem die Teamstationen interessant. Nicht nur, weil dort gemeinsam geknobelt und ausprobiert werden musste, sondern auch, weil jede Aufgabe ihre eigene Geschichte hatte. Bei der Station „Pipeline“ beispielsweise mussten die beiden zunächst erleben, dass gemeinsames Vorgehen leichter gesagt als getan ist. „Am Anfang war es etwas chaotisch, aber dann hat es geklappt“, erzählten sie. Und genau darin sahen die Schülerinnen auch einen Sinn der ungewöhnlichen Aufgaben: Solche Spiele könnten das Klassengefüge stärken, weil man eben nur gemeinsam zum Ziel komme.

Auf dem Weg zum Tresor

Besonders viel Teamarbeit war beim Sparkassen Team Cup „Knack den Tresor“ gefragt. Die Geschichte dazu war schnell erzählt: Eine Schulklasse wollte unbedingt einen Urlaub auf Ibiza machen, nur leider fehlte das nötige Kleingeld. Die Klassensprecherin hatte deshalb eine Idee – ein kleiner Überfall auf die örtliche Sparkasse sollte das Problem lösen. Der Weg durch den Lieferanteneingang war allerdings mit einem Lasernetz gesichert.

Damit begann die eigentliche Herausforderung. Die komplette Klasse musste durch das Netz gelangen, ohne die Laserstrahlen zu berühren. Jeder Kontakt löste gedanklich den Alarm aus, und wer „erwischt“ wurde, musste zurück und durfte beim nächsten Versuch nicht noch einmal dasselbe Loch benutzen. 15 Minuten blieben, um die gesamte Crew sicher in den Tresor zu bringen. Wer es schaffte, durfte sich über einen besonderen Gewinn freuen: einen eigenen Tag mit der Sportjugend Hessen.

Während auf dem Schulhof also geklettert und ausprobiert wurde, ging es in der Sporthalle mitunter um Zentimeter und um die richtige Gewichtsverteilung. Ein Kistenstapel wuchs immer weiter nach oben. Gleichgewicht, Geschick und vor allem Vertrauen waren gefragt, während sich die Kisten bedenklich der Hallendecke näherten. Dann wurde das Gewicht ein wenig zu stark verlagert – und mit einem ordentlichen Krachen fiel der Turm in sich zusammen.

Nur wenige Meter weiter prallten Kinderkörper aufeinander, allerdings gut geschützt in überdimensionalen aufgeblasenen Bällen. Wer darin zu Boden ging, hatte zunächst einmal alle Hände voll damit zu tun, überhaupt wieder auf die Beine zu kommen. Genau das sorgte für jede Menge Gelächter.

Sportlehrer Saladin Hadzimuhovic war der Spaß an diesem besonderen Schultag förmlich ins Gesicht geschrieben. „Viele Schüler verbinden mit Schule auch viel Negatives“, sagte er. Dieser Tag aber könne ihnen positiv in Erinnerung bleiben. Weil sie sich ausprobieren könnten, weil sie gemeinsam etwas schaffen müssten und vielleicht sogar eine Sportart oder ein Hobby entdeckten, das sie auch nach der Schule weiterverfolgen wollten.

Schule einmal anders

Und so war der Team Day am Ende vor allem eines: ein Schultag, der sich nicht nach gewöhnlichem Unterricht anfühlte. Die Schülerinnen und Schüler mussten nicht stillsitzen, zuhören und Arbeitsblätter ausfüllen, sondern miteinander reden, sich aufeinander verlassen, ausprobieren, scheitern und es noch einmal versuchen.

Vielleicht war genau das die eigentliche Idee hinter dem Tag. Denn beim Kistenstapeln, beim Laserlabyrinth oder beim gemeinsamen Lösen einer Aufgabe spielt es keine große Rolle, wer sonst im Unterricht besonders gut ist. Hier braucht es den, der eine Idee hat, diejenige, die besonders geschickt ist, jemanden, der den Überblick behält – und manchmal auch einfach jemanden, der sagt: „Wir probieren es noch einmal.“

Auf dem Schulhof, in der Sporthalle und hinter dem Schulgebäude wurde deshalb an diesem Freitag nicht nur Sport getrieben. Es wurde gelacht, angefeuert, getüftelt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Und vielleicht gingen einige Schülerinnen und Schüler am Ende mit etwas mehr nach Hause als nur einem vollgestempelten Heftchen: mit der Erfahrung, dass man zusammen manchmal weiter kommt als allein.

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