Ein Spiegel der digitalen Jugend: packende Eigenproduktion der GSF-Theater-AG

Wenn das Handy zur Waffe wird, dann wird deutlich, wie sehr die Sozialen Medien den Alltag von Jugendlichen beeinflussen. Eindrucksvoll die Szene auf der Bühne: Im völligen Dunkeln starren die Mädchen auf ihre Handys, erschüttert über das, was dort zu lesen ist.Foto: Sven Kluge

Kelkheim (sk) – Ein Hauch von Hollywood-Highschool-Drama wehte durch die Aula der Gesamtschule Fischbach (GSF), als sich der Vorhang für ein ganz besonderes Theaterprojekt öffnete. Vorab konnten die zahlreich erschienenen Zuschauer bei einem Glas Sekt oder Wasser die prickelnde Atmosphäre genießen, bevor das Ensemble sie in eine Welt entführte, die ebenso fesselnd wie erschreckend real wirkte. Unter der Regie von Katharina Rossi brachten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 das Stück „Westside Highschool – Dein Geheimnis ist nicht sicher“ auf die Bühne – ein packendes Jugenddrama über Freundschaft, Vertrauen, Mobbing und die Macht sozialer Medien.

Alles aus eigener Feder: die Jugendlichen als kreative Köpfe

Von der ersten Idee bis zum finalen Vorhang lag fast alles in den Händen der Jugendlichen selbst. Das gesamte Projekt war eine absolute Eigenleistung der elf Mädchen und drei Jungs auf der Bühne. Ob die packenden Dialoge des Textbuches, die schauspielerischen Ideen, die passende Musikauswahl oder die dynamischen Choreografien – die Jugendlichen haben alles komplett selbst erarbeitet und ihre eigenen Ideen, Erfahrungen und ihre Kreativität in das Stück einfließen lassen. Katharina Rossi stand den Schülern dabei nicht als klassische, starre Regisseurin gegenüber, sondern begleitete die Gruppe als Theaterpädagogin unterstützend auf ihrem kreativen Weg und half ihnen dabei, ihre eigenen Visionen auf die Bühne zu bringen.

Ein echtes Gemeinschaftsprojekt mit Hindernissen

Dass dieser Abend ein voller Erfolg wurde, ist dem intensiven Einsatz zweier Arbeitsgemeinschaften zu verdanken: der Theater-AG und der Technik-AG. Die Schulleitung leitete den Abend mit lobenden Worten für die beachtliche Leistung der Jugendlichen ein und sprach dem Team im Hintergrund ein großes Dankeschön aus. Ein ganz besonderes Dankeschön ging dabei an Yoni Bersch und Regisseurin Katharina Rossi.

Wie viel Herzblut und Nervenstärke in dem Projekt stecken, verriet ein Blick hinter die Kulissen. Wie die Schülerin Sophie nach der Show erzählte, lief die AG erst nach den Herbstferien an, und die heiße Phase auf der Bühne begann extrem spät. Erst zwei Wochen vor der Premiere fanden die allerersten Durchlaufproben statt.

Dazu kam das ganz normale Technik-Drama, das jede professionelle Produktion fürchtet. Genau eine Stunde vor Vorhang trat der Super-GAU ein – der zentrale Laptop für Licht und Ton stürzte komplett ab und war defekt. Während die Ton- und Musikkanäle dank des schnellen Eingreifens rasch wiederhergestellt werden konnten, musste am Licht bis zur letzten Sekunde improvisiert und gearbeitet werden. Dass alles glattging, lag an der dreiköpfigen Theatertechnik-Crew, die tatkräftige Unterstützung von zwei ehemaligen GSF-Schülern erhielt.

Überraschungseffekt aus dem Zuschauerraum

Umso beeindruckender war das Ergebnis, das die elf Mädchen und drei Jungs auf die Beine stellten. Das Stück startete direkt mit einem Coup. Der erste Part der Cheerleader-Gruppe begann völlig überraschend mitten im Publikum und verlagerte sich erst dann mit einer energiegeladenen Choreo zum Song „Pump It“ auf die Bühne.

Doch der schöne Schein an der Westside Highschool trog. Die beiden Erzähler Ava (Paulina) und Will (Johannes) machten schnell klar, dass hinter den Kulissen eine gnadenlose Hackordnung regiert. Da ist der arrogante Basketball-Kapitän Jackson (Leon), der Schwächere um ihr Pausengeld erpresst, und die elitäre Clique um die Cheerleader Bella (Emilia) und Livia (Leyni), die Außenseiterinnen wie die exzentrische Aurelia (Sophie) samt ihrem „Huhn“ Bartolomäus demütigen und ausgrenzen.

Wenn das Smartphone zur Waffe wird

Die Situation eskalierte völlig, als mitten in der Mensa die Smartphones aller Schüler gleichzeitig aufleuchteten. Eine anonyme Person namens „A“ verkündete den kollektiven digitalen Angriff. Fortan wurden die tiefsten Geheimnisse der Jugendlichen per Drohnachricht offengelegt. Jackson wurde über die Schullautsprecher als Drogendealer „exposed“, Livia mit der Gefängnisstrafe ihres Vaters erpresst und der Wahlbetrug der Schulsprecherin Bella offengelegt. Das Misstrauen wuchs, die Paranoia griff um sich – jeder verdächtigte jeden.

Vom Thriller zur großen Versöhnung

Als das technisch versierte „iPad-Genie“ Noah (Benjamin), der „A“ unfreiwillig bei den Hacks geholfen hatte, bemerkte, dass das Mastermind die Mitschülerin Lucy (Leo) entführt und im Schulkeller gefesselt hatte, wendete sich das Blatt. Er stieg aus dem Komplott aus und alarmierte die Schulgemeinschaft per digitalem Kettenbrief.

Im großen Finale im Keller kam es dann zur Demaskierung. Hinter dem Pseudonym „A“ steckte Alex (Ray) – ein Mädchen, das von der Schulclique jahrelang schikaniert und ignoriert worden war. In einer emotionalen Konfrontation brach Alex mental zusammen und gestand, dass sie sich nur einmal nach der Macht sehnte, die die anderen im Alltag über sie ausübten.

Statt in neuer Gewalt endete das komplett von den Schülern selbst geschriebene Stück jedoch mit einer tiefen Katharsis. Die populäre Clique erkannte ihre eigene Arroganz, entschuldigte sich für ihr Verhalten und reichte den Außenseitern die Hand für ein neues, respektvolles Miteinander. Ein humorvoller Schlusspunkt um Aurelias vermeintliche Brieftaube, die sich als Henne entpuppte, rundete das Drama ab, bevor sich der Vorhang unter tosendem Applaus des Kelkheimer Publikums schloss.

„Westside Highschool“ war weit mehr als nur klassisches Schultheater. Es war ein flammendes, hochaktuelles Plädoyer gegen das Wegsehen bei Mobbing, das durch die starke Leistung vor und hinter den Kulissen noch lange nachwirken wird.



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