Eine Stadt unter Schock: Tödliche Gewalttat erschüttert Kelkheim

Der Tatort ist weiträumig abgesperrt, Polizei und Spurensicherung gehen ihrer Arbeit nach. Abgeschirmt vor den Blicken der Menschen, die sich hinter den Absperrungen einfinden, werden die Zeugen befragt.Fotos: Judith Ulbricht

Kelkheim (ju) – Blaulichter tauchten die Frankfurter Straße und den Bereich rund um den Marktplatz am Dienstagabend in ein flackerndes Blau. Polizeifahrzeuge, Feuerwehr und Rettungskräfte prägten das Bild in der ansonsten belebten Innenstadt. Hinter Absperrbändern standen Menschen schweigend zusammen, viele sichtbar erschüttert. Notfallseelsorger in ihren lilafarbenen Westen kümmerten sich um Zeugen und Betroffene, die das Geschehen miterlebt hatten. Die Spurensicherung arbeitete unter Sichtschutz, während Ermittler den Tatort weiträumig absperrten. Für viele Anwohner war spürbar: Die vermeintlich heile Welt ihrer Stadt hatte an diesem Abend einen tiefen Riss bekommen.

Kurz nach 21 Uhr kam es in der Frankfurter Straße zu einer tödlichen Gewalttat. Nach bisherigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft verletzte ein Mann dort seine Ehefrau mit einer Machete. Die Frau flüchtete anschließend in Richtung Stadtmitte, brach kurz vor dem Marktplatz zusammen und erlag dort ihren schweren Verletzungen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt weitere Details bekannt gegeben. Demnach wird gegen einen 60-jährigen kroatischen Staatsangehörigen wegen des Verdachts des Mordes ermittelt. Bei dem Opfer handelt es sich um seine 58-jährige Ehefrau, die ebenfalls die kroatische Staatsangehörigkeit besaß. Nach Angaben der Ermittler soll der Mann seiner Frau mindestens 30 abgrenzbare Stich- und Schnittverletzungen im Bereich von Kopf, Hals, Nacken und Oberkörper zugefügt haben. Die Tat ereignete sich vor den Augen zahlreicher Zeugen.

Unter den ersten Vertretern der Stadt vor Ort war auch der Erste Stadtrat Dirk Hofmann, der den urlaubsbedingt abwesenden Bürgermeister vertritt. Er zeigte sich tief erschüttert über das Geschehen. Während die Einsatzkräfte arbeiteten, informierte Polizeihauptkommissar David Ausbüttel die anwesenden Medienvertreter über den Stand der Ermittlungen. Parallel dazu veröffentlichte die Polizei eine erste Meldung über ihren WhatsApp-Kanal.

Frau erlag Verletzungen auf der Flucht

Nach Informationen aus dem Umfeld der Ermittlungen soll die Frau nach der Attacke vor ihrem Ehemann geflüchtet sein. Auf ihrer Flucht verlor sie ihre Schuhe – zurückgebliebene, stumme Zeugen eines Dramas, das sich mitten im öffentlichen Raum abspielte. Der Mann soll ihr gefolgt sein, die Tatwaffe jedoch auf dem Weg weggeworfen haben. Nach Zeugenaussagen hatte er zum Zeitpunkt seiner Festsetzung keine Waffe mehr bei sich. Die genauen Abläufe sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Besonders bemerkenswert war das Eingreifen mehrerer Passanten. Sie reagierten unmittelbar, überwältigten den mutmaßlichen Täter und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Die Beamten nahmen den leicht verletzten Mann anschließend in Gewahrsam.

Auch am Mittwochvormittag waren Kriminalbeamte und Spurensicherer noch am Tatort im Einsatz. Sie sicherten weitere Beweise und rekonstruierten den Ablauf der Ereignisse.

Mögliche Tatmotive

Zu den mutmaßlichen Hintergründen der Tat haben die Ermittler inzwischen nähere Angaben gemacht. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte aus übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht gehandelt haben. Er habe geglaubt, seine Ehefrau gehe ihm fremd. Das Ehepaar war nach Angaben der Ermittler seit dem Jahr 1991 verheiratet, lebte jedoch bereits seit rund drei Jahren getrennt. Die Frau habe ihren Ehemann zwischenzeitlich wieder in der gemeinsamen Wohnung aufgenommen.

Den Wunsch seiner Ehefrau, sich scheiden zu lassen, soll der Beschuldigte nicht akzeptiert haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe er wiederholt damit gedroht, seine Frau im Falle einer Scheidung umzubringen. Die Ermittler teilten zudem mit, dass der Frau von Seiten der Polizei Hilfsangebote unterbreitet worden seien. Diese habe sie jedoch in der Vorstellung abgelehnt, ihr Ehemann werde ihr nichts antun, weil er sie noch liebe.

Vieles deutet auf eine Beziehungstat hin. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Der Tatverdächtige wurde inzwischen einer Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Frankfurt vorgeführt. Diese erließ Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes. Die weiteren Ermittlungen dauern an. Ob und in welchem Zusammenhang dies auch mit dem inzwischen häufig verwendeten Begriff des Femizids steht, ist Gegenstand der weiteren juristischen Bewertung.

Stadt zeigt sich tief betroffen

Die Nachricht von der tödlichen Gewalttat hat die Stadt tief getroffen. Bürgermeister Albrecht Kündiger, der sich derzeit im Urlaub befindet und in engem Austausch mit der Stadtspitze steht, erklärte: „Die Nachricht von der tödlichen Gewalttat in unserer Stadt macht mich tief betroffen. Meine Gedanken sind bei der getöteten Frau und ihren Angehörigen. Eine solche Tat erschüttert uns als Stadtgemeinschaft.“

Gleichzeitig dankte er den Menschen, die in dieser außergewöhnlichen Situation eingegriffen haben, den Einsatzkräften vor Ort sowie der Notfallseelsorge. Sein Mitgefühl gelte auch den zahlreichen Menschen, die das Geschehen unmittelbar miterleben mussten.

Um die städtischen Gremien zeitnah und umfassend zu informieren, hatte Erster Stadtrat Dirk Hofmann für Donnerstag eine Sondersitzung des Magistrats einberufen. Die Mitglieder sollten die Informationen aus erster Hand erhalten und nicht ausschließlich über die Berichterstattung der Medien. Hofmann steht dabei in engem Austausch mit dem Bürgermeister.

Auch die Stadtverwaltung äußerte sich zu dem Verbrechen und sprach den Angehörigen der Verstorbenen ihr tief empfundenes Mitgefühl und aufrichtiges Beileid aus. Hofmann dankte ausdrücklich den couragierten Passanten, die den Tatverdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei festhielten. Sein Dank galt ebenso den zahlreichen Einsatzkräften sowie den Helfern der Notfallseelsorge, die Zeugen und Betroffenen in den Stunden nach der Tat beistanden.

Zurück bleibt eine Stadt, die um Antworten ringt. Viele Menschen in Kelkheim fragen sich nach einer solchen Tat, wie so etwas mitten im Alltag geschehen konnte. Während die Ermittlungen nun weitere Klarheit schaffen sollen, stehen zunächst Trauer, Mitgefühl und die Anteilnahme mit den Angehörigen der getöteten Frau im Vordergrund.

Blaulicht

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