Tolles Comeback nach einem Jahr Pause:Offensiv-Cup 2026 begeisterte Kicker undZuschauer gleichermaßen

Kriftel (iba) – Schon am frühen Morgen des 17. Januar gestaltete sich die Parkplatzsuche vor der Kreissporthalle schwierig, hier wurde gekurvt, dort wurde gewendet. „Fahren Sie mal dort in die Seitenstraße, da gibt es vielleicht noch Parkplätze.“ Spieler und Trainer, Familienmitglieder und Fans, alle wollten am Samstagmorgen in die Halle – und fluteten die Kriftler Stadtgrenze mit Autos, Kinderwagen und Sporttaschen.

Von 12 auf 16 und mit Bande; Live oder im Stream

Nach einem Jahr Pause dürsteten die Fußballbegeisterten im Main-Taunus-Kreis nach der Wiederaufnahme des traditionsreichen Turniers, es ist schon ein Unterscheid, ob man an einem bewölkten Sonntag vor abgezählten 27 Zuschauern spielt oder in der Kreissporthalle vor rund 1.000! Einige Neuerungen gab es in der 2026er-Version des Turniers: Das Teilnehmerfeld wurde von 12 auf 16 Mannschaften aufgestockt, die bei den „kleinen“ Mannschaften eher unbeliebte Qualifikationsrunde fiel weg. Statt Seiten- und Toraus wurde mit Bande gespielt, dadurch kam es zu viel weniger Unterbrechungen; die Spielzeit wurde entsprechend von 15 auf 13 Minuten verkürzt.

In den Entscheidungsspielen nach der Gruppenphase gab es bei Gleichstand kein Neunmeterschießen mehr, sondern einen sogenannten Shootout: Wie beim Eishockey schnappt sich der Angreifer in Penalty-Manier den Ball und dribbelt los, hat fünf Sekunden für den Torabschluss; und der Torwart muss nicht mehr auf der Linie verharren, sondern darf aus seinem Tor herauskommen. Auch während des Spiels durften und sollten die Torhüter aktiver werden: Früher durften sie ihren eigenen Strafraum nicht verlassen, die Regel wurde auch überarbeitet und sorgte dafür, dass sich beispielsweise der Diedenbergener Torwart Steve Wagner in die Torschützenliste eintragen konnte!

Hornau-Trainer Andreas Klöckner nutzte diese Regeländerung besonders extrem: Wenn die gegnerische Mannschaft aufgrund einer Zeitstrafe einen Mann weniger auf dem Feld hatte oder wenn die TuS kurz vor Schluss im Rückstand war, tauschte er seinen Torhüter gegen einen fünften Feldspieler.

Und wer gerade nicht in der Halle war, sondern für Speisen und Getränke anstand, musste trotzdem keine Minute verpassen: Im Erdgeschoss und im Treppenaufgang des Foyers standen mehrere Fernseher, auf denen das Spielgeschehen unter Zuhilfenahme der sogenannten „Veo Cam“ live übertragen wurde.

Schiri, wir wissen,wo die Spendenbox steht!

Die Schiedsrichtervereinigung des Main-Taunus-Kreises hatte es sich auf die Fahne geschrieben, das Turnier wiederzubeleben. Andreas Schweinsberg-Nieberle und David Kunz gingen Klinkenputzen, machten den Firmen in der Umgebung das Sponsoring schmackhaft. Kevin Hammerschlag kümmerte sich um die Banden und deren Gestaltung; zum einen, was das Layout und die Werbewirksamkeit betrifft, zum anderen, was die Stabilität betrifft, die früher oder später unvermeidlich getestet werden würde.

Kassenwart Alessandro De Maio hatte die Finanzen im Blick und damit die vielleicht verantwortungsvollste Position des Orga-Teams.

Alles in Allem eine Herkulesaufgabe, die mit nur vier Leuten schlicht nicht zu schaffen ist.

„Es wird insgesamt immer schwieriger, Leute für‘s Ehrenamt zu finden“, so David Kunz im Vorfeld. „Trotzdem werden wir es als Schiedsrichtervereinigung Main-Taunus zu 90 Prozent mit den eigenen Leute schaffen. Zudem haben wir Ehrenamtliche mit im Boot, die sich aus anderen Vereinen angeboten haben, dazu noch eine Handvoll Leute vom Kreisfußballausschuss.“

Sonderlob für Türk Kelsterbach

Mitorganisator Andreas Schweinsberg-Nieberle bedankte sich dann am Samstag über das Hallenmikrofon bei allen Sponsoren, allen Helfern vor und hinter den Kulissen – und ganz speziell bei einer Mannschaft: Viele Kicker des FC Türk Kelsterbach waren schon am Freitag in der Halle und halfen beim Aufbau, schleppten Kartons und packten überall da mit an, wo es gerade notwendig war. Wer schon einmal in Kelsterbach im Sportpark war, weiß, dass beim FC Türk der Zusammenhalt und die Gemeinschaft besonders groß geschrieben werden.

Die Stimme kennt man doch...?

Die Torschützen hießen nicht Marmoush, nicht Götze und nicht Knauff – aber trotzdem stutzten die Zuschauer und Zuhörer bei jedem Tor, weil es so vertraut klang, was da aus den Lautsprechern kam. Ist das nicht...? Ja, richtig, Daniel Wolf ist seit Sommer 2021 der Stadionsprecher von Eintracht Frankfurt, eine solche Stimme hört der gemeine Fußballfan unter tausenden heraus. Am vergangenen Samstag saß er nicht im Waldstadion (neudeutsch: „Deutsche Bank Park“), sondern auf der Tribüne in der Kreissporthalle, brachte die Menge zum Johlen, sagte die Torschützen und die Spielpaarungen an, begrüßte die hiesige Prominenz im VIP-Bereich und bewarb mit Nachdruck die Spendenbüchse: „Der Fanblock der DJK Zeilsheim hat gerade 100 Euro gespendet. Dabei habe ich jetzt schon so viele Bürgermeister hier in der Halle begrüßt – aber von denen war noch keiner hier!“ Die Ansage stand nicht lange, bald hatten sich die ersten Anzugträger in Bewegung gesetzt und das Portemonnaie gezückt, Wolf sorgte sowohl akustisch als auch fiskalisch dafür, dass ausreichend Geld zusammen kam: Er spendete seine Gage kurzerhand auch für den guten Zweck.

Für die „Lebenshilfe MTS“, das „Reittherapiezentrum Spatzenscheune“ und die Inklusionskicker des „Eintracht Hattersheim e.V.“ kamen insgesamt eine fünfstellige Summe zusammen, zumal nicht nur am Samstag, sondern auch bei der D-Jugend-Version des Cups am Sonntag gesammelt wurde.

Wie Liverpool 2005

Am Tag nach dem Champions-League-Finales 2005 gab es Versorgungsengpässe in Liverpool. In einem denkwürdigen Finale hatten die „Reds“ den großen AC Mailand besiegt, fuhren nun mit dem Doppeldeckerbus durch die Stadt – und den Pubs ging das Bier aus!

Ganz so dramatisch war es in Kriftel zwar nicht, aber auch hier mussten die Macher kurzerhand improvisieren, damit die Fans in der Halle nicht zu lange auf dem Trockenen sitzen würden. Gegen 14.40 Uhr schockte Hallensprecher Wolf die Fans kurz: „Im Moment gibt es kein Bier mehr! Aber keine Sorge, Nachschub ist schon organisiert.“ Der ließ keine zehn Minuten auf sich warten, da waren die Kühlschränke auch schon wieder befüllt.

TuRa Niederhöchstadt wird zum Favoritenschreck

Bei vielen Turnieren gibt es diese eine Mannschaft, die im Vorfeld niemand auf dem Zettel hat und die sich dann nach und nach in einen Rausch spielt. Kamerun bei der WM 1990, Schalke 04 im UEFA-Cup 1997. Auch beim Offensiv-Cup gab es 2026 eine solche Truppe. Dass Eddersheim zu den Favoriten gehören würde? Ausgemachte Sache, die kamen (abgesehen von Kapitän Jörg Finger) nahezu in Bestbesetzung. Dass die Eddersheimer im Finale auf die TuS Hornau treffen und somit eine Wiederauflage des Kreispokalfinales besorgen würden? Gut möglich, immerhin ist die TuS Tabellenführer in der Verbandsliga. Der SV Zeilsheim? Hat sich seit Jahren in selbiger etabliert. Der VfB Unterliederbach? Stabiler Gruppenligist. Und die TuRa Nieder-höchstadt? Na ja, durchaus auch ordentlich in der Gruppenliga unterwegs, bitteschön. Allerdings starteten die Niederhöchstädter gleich mit einer Niederlage ins Turnier, 2:4 verloren die Roten gegen den VfB Unterliederbach, gewannen wenig überzeugend gegen Weilbach, einzig der Sieg gegen die SG 01 Hoechst war eine klare Angelegenheit.

Zudem ist Torhüter Wimmer gerade einmal 18 Jahre alt (und nicht Stammtorwart in der Ersten), Abwehrchef Jeffery Schaefer ist dagegen schon über 30 und hat bestimmt fünf Kilogramm zu viel auf den Rippen; Deniz Krebs und Philipp Nocht müssten vorne schon arg viele Tor schießen, wenn die Mannschaft weit kommen sollte.

Und dann? Schaltete die TuRa im Viertelfinale – zum Leidwesen aller Kelkheimer – den Mitfavoriten TuS Hornau aus, gewann im Halbfinale überraschend deutlich 3:1 gegen den SV Zeilsheim und stand plötzlich im Finale! Zu einem richtigen Aschenputtel-Märchen reichte es dann leider doch nicht, der FC Eddersheim sicherte sich den Titel, weil die Kicker von der Staustufe einfach Nerven aus Stahl haben. Im Sommer 2025 gewannen sie den Hessenpokal gegen die TuS im Elfmeterschießen; jetzt gewannen sie im Januar 2026 den Offensiv-Cup per Shootout mit 10:9.

Gelungenes Comeback

Egal, wen man in der Halle fragte, Spieler, Fans oder Leute vom Organisationsteam: Alle waren mit der Neuauflage des Offensiv-Cups zufrieden. Die Schiedsrichter Alex Hauser, Nick Fuchs, Simon Henninger und Dimitris Sakavras hatten das Spielgeschehen weitestgehend im Griff, verteilten Zeitstrafen, wenn es nötig war und deeskalierten, wenn es möglich war. Kein Gerangel und Geschubse, kaum einmal ein „Ey, Schiri!“-Ausruf, keine Rudelbildung; und nach jedem Abpfiff wurden fleißig Hände geschüttelt und sich fleißig abgeklatscht.

Als sie endlich nach einem langen Turnier Feierabend hatten, schmeckte auch den Unparteiischen das getreidehaltige Energiegetränk; die Eddersheimer füllten den gewonnenen Pokal alsbald mit einem colahaltigen Mischgetränk; die Helfer und Helfershelfer schnappten sich Besen, Schäufelchen und Müllbeutel und machten sich ans Aufräumen der Tribünen (die ja am nächsten Tag für das D-Jugend-Turnier wieder sauber sein mussten); und nach einem kurzen Fazit gefragt, meinten alle in der Halle unisono: „Abgekämpft, aber zufrieden!“

Der Hauptsponsor Taunus-Sparkasse sowie Hallensprecher Wolf haben für 2027 schon zugesagt, die Schiedsrichtervereinigung des Main-Taunus-Kreises wird sicher wieder ein ordentliches Programm auf die Beine stellen – und an Fans auf den Tribünen wird es ganz sicher nicht mangeln. Es ist fast ein bisschen schade, dass man sich noch ein ganzes Jahr gedulden muss, aber zum Glück beginnt ja bald die Rückrunde.

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