Kelkheim (ju) – Letzten Samstag füllt sich das Gelände der Eichendorffschule schon am späten Vormittag mit einem besonderen Summen. Ein stetiges Kommen und Gehen, ein warmes Durcheinander aus Stimmen, Musik und neugierigem Lachen legt sich wie ein lebendiges Band über den Schulhof. Eltern stehen in kleinen Gruppen beisammen, Kinder wuseln zwischen ihnen hindurch, und überall zeigt sich dieses typische „Eichendorff-Gefühl“ – offen, herzlich, einladend.
Vielfältiges Angebot
Aus einzelnen Klassenräumen dringen Töne und Farben: Im Musikbereich wird getrommelt und gesungen, die Naturwissenschaften lassen kleine Experimente aufflackern, und in den Fluren führen engagierte Schülerinnen und Schüler die Gäste stolz durch ihre Schule. Auch die Zehntklässler sind unterwegs, schauen sich genau um, sammeln Eindrücke und überlegen, ob sie hier in den kommenden Jahren ihr Abitur machen möchten. Die Aula wird zum Informationszentrum, in dem Schulleitung und Lehrkräfte erklären, was den musischen Schwerpunkt ausmacht, wie Lernen an der EDS funktioniert, welche Leistungskurse in der Oberstufe möglich sind und warum sich hier so viele Kinder sofort wohlfühlen. Auf dem Schulhof duftet es nach frisch gebackenem Kuchen, während Viertklässler mit großen Augen entdecken, was sie hier ab dem Sommer erwarten könnte.
Die Atmosphäre ist gemeinschaftlich, aufmerksam – eine Schule, die sich nicht herausputzt, sondern zeigt, wie sie ist: lebendig, vielfältig und getragen von Menschen, die sie lieben.
Schülerfirma präsentiert sich
Und mittendrin, zwischen neugierigen Blicken und buntem Treiben, zieht ein Stand besonders viele Gäste an: die neue Schülerfirma der Eichendorffschule – „Veludi Games“. Der Name ist Programm und orientiert sich am latainischen veni, lusi, didici, was soviel heißt wie: Ich kam, ich spielte, ich lernte.
Aktuell befinden sich die 11. Klässler in der Entwicklung ihres Spiels „Compolis“ (eine Zusammensetzung aus Company und Polis (Stadt)) – ein Spiel, in dem es darum geht, durch geschickte Verbesserungen seines eigenen Landes möglichst gute Standortfaktoren für Unternehmen zu schaffen.
Erschaffe den perfekten Wirtschaftsstandort
Es erinnert ein wenig an Monopoly, sei aber wesentlich realistischer, betont Pressesprecher Johann Haschtschek selbstbewusst. Die Spieler starten mit Länderkarten, wobei es die Auswahl zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern gibt. „Man sollte sich vorher einigen, damit die Voraussetzungen nicht all zu unterschiedlich sind“, rät CEO Matz Kreutel. Und dann heißt es: Erschaffe deinen Wirtschaftsstandort mit den besten Bedingungen. Denn nur wer die meisten Unternehmen hat, kann das Spiel gewinnen. Wie im echten Leben gibt es Kategorien, die mit abgedeckt werden müssen – Bürokratie, Bildung, Kosten, Politik und die Infrastruktur. In jeder Runde kann man sich eine Karte kaufen und so versuchen, sein Land im positiven Sinne „nach vorn zu bringen“. Dazu gehört zum Beispiel im Bereich die Errichtung von Krankenhäusern und Brücken – denn ohne die entwickelte Infrastruktur siedeln sich keine Unternehmen an. „Wir bewegen uns nah an dem, wie sich unsere Wirtschaft entwickelt oder eben mit Problemen kämpft, wie derzeit“, so Kreutel. Die Jungunternehmen sehen in ihrem Spiel auch große Vorteile für den Schulunterricht. „Compolis lässt sich super in den Wirtschaft- oder Politikunterricht integrieren. Spielerisch zu lernen unternehmerisch zu denken, wer hat da nicht Lust drauf“, wirbt Vize-CEO Julian Rehm.
Punkten wollen die Schüler mit ihrem Spielkonzept auch beim Institut der deutschen Wirtschaft, das mit seinem IW Junior-Projekt das Konzept der Schülerfirmen auf die Beine gestellt hat und mit KnowHow und Materialen unterstützt. „Was liegt näher, als ein Spiel, das sich mit Wirtschaftskreisläufen und allem, was damit einhergeht beschäftigt“, erwidert der CEO mit einem Augenzwinkern.
Spielkonzept steht, jetzt geht es an den Feinschliff
Der Prototyp auf dem Tisch zeigt, wie das Spiel in Zukunft aussehen könnte. Eine Landkarte, ausgedachte Ländernamen, Unternehmenskarten mit unterschiedlicher Bewertung – von ein bis drei Sternen, Kategoriekarten. Eine Bank wird es auch geben. „Das Spielkonzept steht, wir sind allerdings noch etwas in der Findungsphase, was zum Beispiel Ereigniskarten angeht, die dann ähnlich wie bei Monopoly mal eine Strafe für vielleicht einen Umweltskandal aber auch positive Ereignisse beinhalten“, verrät Johann Haschtschek. Für die Herstellung ihres Spiel können die Firmengründer aus dem vollen schöpfen. Im MakerSpace stehen ihnen 3D-Drucker für die Spielfiguren zur Verfügung, auch die Spielbretter könnten hier gefertigt werden.
Jonathan Krug hat derweil ein Auge auf die Finanzen. Wie auch die Schülerfirmen vor ihnen, verkauft Veludi Aktien an Interessierte. Schulleiter Stefan Haid kommt da gerade richtig und zeichnet Aktie 60 von 100 – sehr zur Freude des jungen Teams. „Ein paar Aktien haben wir für Landtags- und Bundestagsabgeordnete aus unserem Kreis bei Seite gelegt, in der Hoffnung, dass sie uns zahlreich unterstützen“, so Kreutel.
Vor den jungen Leuten liegt noch eine Menge Arbeit, aber mit dem Enthusiasmus und dem Elan, den sie an den Tag legen, besteht gar kein Zweifel, dass auch diese Schülerfirma mit ihrem Produkt ganz weit kommt.
