Kelkheim (ju) – Zwei Wochen gehen manchmal schneller vorbei, als man denkt. Eben noch wurde vor dem Rathaus gehämmert, geschraubt und aufgebaut – nun hat der WDC-Pavillon am vergangenen Sonntag nach einem stimmungsvollen Closing im Anschluss an das Stadtfest bereits wieder seine Türen geschlossen. Und doch bleibt das Gefühl, dass in diesen Tagen etwas Besonderes mitten in Kelkheim entstanden ist: ein Ort für Begegnungen, Ideen und gemeinsames Nachdenken darüber, wie eine Stadt lebenswerter werden kann.
Die markante „Wolke“ des WDC-Pavillons war in den vergangenen zwei Wochen weit mehr als nur ein architektonischer Blickfang. Sie wurde zum Treffpunkt für Kreative, Familien, Kinder, Jugendliche, Künstler und Neugierige – mitten im Alltag.
Immer wieder wurde diskutiert, gebastelt, ausprobiert und gelacht. Vor allem aber wurde die Frage gestellt: Wie wollen wir eigentlich gemeinsam leben?
Wenn junge Menschen ihre Stadt neu denken
Besonders prägend waren die zahlreichen Workshops rund um den öffentlichen Raum. Unter der Leitung der beiden Künstlerinnen Sophie Netzer und Kerstin Reyer entstanden Ideen, Fragen und kleine Interventionen, die Kelkheim plötzlich mit anderen Augen sehen ließen.
In Schulworkshops mit dem Titel „Wem gehört die Straße?“ beschäftigten sich junge Menschen damit, wie öffentliche Plätze genutzt werden – und wie sie vielleicht schöner, gerechter und einladender gestaltet werden könnten. Wo fehlen Sitzmöglichkeiten? Welche Orte wirken ungemütlich? Wo hält man sich gerne auf – und warum?
„Die Kreativität der jungen Menschen hat uns wirklich beeindruckt“, sagte Sophie Netzer zum Abschluss. „Da kamen Gedanken und Perspektiven, die unglaublich ehrlich und direkt waren.“
Im Schilder-Workshop entstanden Botschaften, Wünsche und Fragen für den Stadtraum. Auf Schildern war später etwa zu lesen: „Warum gibt es hier keinen Treffpunkt?“ oder „Mehr Platz für Begegnungen“. Beim sogenannten Kleisterspaziergang wurden Lieblingsorte, aber auch vergessene Ecken der Stadt neu entdeckt und spielerisch kommentiert.
Kerstin Reyer zeigte sich begeistert davon, wie offen die Kelkheimer mit dem Projekt umgingen: „Man hat gemerkt, dass die Menschen Lust hatten, mitzugestalten. Viele kamen einfach vorbei, haben mitdiskutiert oder spontan mitgemacht.“ So wurde der Pavillon nicht nur Treffpunkt für Kreativität, sondern auch Pinnwand für Ideen, Kritik, neues Denken.
Tischtennis mal ganz anders
Großer Beliebtheit erfreute sich auch der „Ping Pong Park“. Die außergewöhnlichen Tischtennisplatten waren über die gesamten zwei Wochen frei zugänglich und wurden schnell zum Magneten – besonders für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, die neugierig den Schläger in die Hand nahmen.
Denn hier ging es nicht um klassische rechteckige Platten. Die Formen waren verspielt, ungewöhnlich und luden dazu ein, Tischtennis völlig neu zu erleben. Mal sprang der Ball unerwartet ab, mal wurde mehr gelacht als gezählt. Genau das war gewollt: Begegnung durch Spiel.
Zwischen den Platten entstanden Gespräche, spontane Turniere und kleine Gemeinschaften auf Zeit. Oft dauerte es nur wenige Minuten, bis Fremde miteinander spielten.
Kreativität zum Mitmachen
Auch viele weitere Aktionen machten den Pavillon zu einem lebendigen Ort der Beteiligung. Es wurde gehäkelt und gestrickt, um die Stadt bunter zu machen, Weinflaschen wurden beim Glasworkshop kreativ upgecycelt, Kinder und Erwachsene gestalteten Mosaike oder arbeiteten gemeinsam an der visuellen Identität des Pavillons.
Beim Jugendtreff unter freiem Himmel wurde der Pavillon zeitweise einfach zum offenen Wohnzimmer für junge Menschen. Und immer wieder ging es darum, wie öffentlicher Raum nicht nur funktional, sondern auch menschlich, freundlich und gemeinschaftlich gedacht werden kann.
„Es ging nie nur ums Design“, sagte eine Teilnehmerin beim Abschlussabend. „Es ging darum, wie wir miteinander leben wollen.“
Ein Abschied mit Wehmut – und Vorfreude
Am Sonntagabend klang der Aufenthalt des WDC-Pavillons schließlich bei Musik, Gesprächen und kühlen Getränken aus. Besucher kamen nach dem Stadtfest noch einmal vorbei, blickten auf die vergangenen Tage zurück oder verabschiedeten sich von der inzwischen vertraut gewordenen „Wolke“ vor dem Rathaus.
Für Sophie Netzer und Kerstin Reyer war die Zeit in Kelkheim ebenfalls etwas Besonderes. Beide hätten die Stadt und ihre Menschen in kurzer Zeit schätzen gelernt – gerade wegen der Offenheit und der Bereitschaft, sich auf neue Ideen einzulassen.
Und so zieht die Wolke nun weiter in die nächste Stadt. Mit im Gepäck: neue Erfahrungen, viele Gespräche, kreative Gedanken – und vielleicht auch ein kleines Stück Kelkheim. Denn manches bleibt, selbst wenn ein Pavillon längst weitergereist ist.




