Wolken, Kunst und Kult-Porzellan: Max Zimmermann begeistert in Hornau

Der Künstler Max Zimmermann vor einem Teil seines Triptychons „Mosel“. Er freut sich, endlich seine erste Ausstellung veranstaltet zu haben. Auf seinem Selbstportrait spielt der Künstler mit geometrischen Formen und Farben.Fotos: Natalie Diehl

Hornau (nd) – In der Alten Kirche Hornau kann noch bis zum heutigen Freitag (31. Juli) eine außergewöhnliche Ausstellung besucht werden. Unter dem Titel „Another Kingdom – Bilder aus dem Himmelsreich“ stellt der Künstler Max Zimmermann dort seine Werke aus. Die Vernissage dazu fand am vergangenen Freitagabend statt.

Malerei und Animationsdesign

Zimmermann wurde 1974 in Wiesbaden geboren. „Nach dem Abitur habe ich erstmal nur Absagen auf meine Bewerbungen bekommen“, erklärte der Künstler. Schließlich entschied er sich für eine Ausbildung bei der Designagentur Meiré und Meiré. Ende der 90er-Jahre gründete Max Zimmermann sein eigenes Unternehmen: FIFTYEIGHT 3D Animation. Er verwirklichte Projekte für namhafte Marken und gewann zahlreiche Design- und Animationspreise. Inzwischen widmet sich der kreative Kopf wieder mehr der Malerei. Gemeinsam mit seinem Vater gehört er der Künstlergruppe NA35 an. Als seinen Mentor nennt er Yuriy Ivashkevich. Dieser war es auch, der ihm zur Ausstellung riet. „Du brauchst eine eigene Ausstellung, sagte er zu mir“, erzählte Zimmermann lächelnd. Die Suche nach passenden Räumlichkeiten gestaltete sich schwierig, aber mit der Alten Kirche in Hornau war schließlich der richtige Ort gefunden.

Neben unzähligen Kunstinteressierten, waren auch viele Verwandte und Bekannte des Künstlers gekommen. „Es ist eine schöne Ausstellung und es ist spannend zu sehen, was er so gemacht hat“, so Besucher Andreas Herz, ein ehemaliger Schulkamerad Zimmermanns.

Zweigeteilte Ausstellung

Bei einem Gläschen Sekt, hatten die Gäste der Vernissage zunächst Zeit, die Werke Zimmermanns auf sich wirken zu lassen. Im Eingangsbereich der Alten Kirche werden unter dem Titel „Before the Kingdom“ Gemälde aus den Jahren 2018 bis 2026 präsentiert. Darauf zu finden sind die unterschiedlichsten Motive. Vom Selbstbildnis, über das Auge Friedrichs II. bis hin zu einem betrunkenen Roboter – Zimmermann setzt seiner Kreativität keine Grenzen. Dabei schreckt er auch vor ungewöhnlichen Materialien nicht zurück. Auch ein Notenblatt kann ihm als Leinwand dienen.

Im Altarraum der Kirche findet man schließlich die Werke zu „Another Kingdom“ aus den Jahren 2024 bis 2026. Zimmermann nutzte bei diesen Arbeiten einen Ausschnitt in Form eines Dreiecks. Im Inneren der Dreiecke und teilweise auch über die Grenzen der geometrischen Form hinaus, kann der Betrachter tiefgründige Wolkenformationen entdecken.

Älteste Geste der Menschheit

Die Einführung in die Ausstellung übernahm die Kunsthistorikerin Jaqueline Jakobi Millán. „Der Blick zum Himmel gehört zu den ältesten Gesten der Menschheit“, so Millán. Kaum ein Motiv der Kunstgeschichte entziehe sich einer endgültigen Form, wie es Wolken tun. Bereits seit Jahrhunderten seien Wolken ein wichtiges Motiv in der Malerei. Diese Tradition greife Zimmermann auf. „Er entzieht seiner Landschaft nahezu all das, was sie gewöhnlich bestimmt. Architektur, Vegetation oder menschliche Figuren fehlen in seinen Bildern“, erklärte Millán. Übrig bliebe allein der Himmel. Die Wolken lösten die strenge Form der Dreiecke oder überschreiten sie sogar. Das „andere Königreich“ bezeichne weder einen geografischen noch einen metaphysischen Ort. Vielmehr entstehe es im Akt des Sehens. „Sein Kingdom ist kein Jenseits, sondern ein anderer Blick auf das Diesseits. Gerade die Konzentration auf das Motiv der Wolke macht diesen Bildraum erfahrbar“, so die Kunsthistorikerin.

Max Zimmermann freute sich, dass so viele Besucher gekommen waren. „Durch die Ablehnung in der vergangenen Zeit, denkt man, dass es vielleicht auch nicht reicht“, so der Künstler. Er sei glücklich, endlich eine Ausstellung veranstaltet zu haben.

Sprechendes Porzellan

Wer beim Namen Max Zimmermann zunächst ins Grübeln gerät, dürfte spätestens bei seinen berühmtesten Schöpfungen ein Lächeln auf den Lippen haben: Gemeinsam mit seinen Mitstreitern gründete er FIFTYEIGHT, das Unternehmen hinter den längst kultigen „sprechenden“ Porzellanfiguren. Ob grinsende Kaffeetassen, schmollende Schüsseln, überraschte Milchkännchen oder plärrende Eierbecher – die kleinen Charaktere mit ihren unverwechselbaren Gesichtsausdrücken haben längst Küchen und Frühstückstische in aller Welt erobert. Entstanden sind sie ursprünglich als animierte Figuren in kurzen Filmen und wurden später als Porzellanprodukte zum Überraschungserfolg. Heute umfasst das Sortiment mehr als 100 Produkte und wird in über 60 Ländern verkauft.

Wer mehr über die Entstehung der Kultfiguren und den kreativen Weg von Max Zimmermann erfahren möchte, hat dazu am heutigen Freitag, 31. Juli, Gelegenheit: Um 16 Uhr hält der Künstler in der Alten Kirche Hornau einen Vortrag über seine Arbeit. Vielleicht verrät er dabei auch, warum eine grimmig dreinblickende Tasse am Frühstückstisch manchmal genau das ausdrückt, was man selbst vor dem ersten Kaffee empfindet.

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