Wenn Zeit zum Kostbarsten wird – Spendenaktion für Estafanie Schmidt

Trotz Chemo, trotz der vielen Sorgen immer ein Lächeln im Gesicht: Estafanie Schmidt

Kelkheim (ju) – Es gibt Momente, in denen ein einziger Befund das gesamte Leben verschiebt. Nicht langsam, nicht in Etappen – sondern abrupt, endgültig in seiner Wirkung. Plötzlich ist da eine Diagnose, die alles verändert: Pläne, Alltag, Sicherheit, Zukunft. Und sie betrifft nie nur den Menschen selbst, sondern immer auch die Familie, die mitträgt, mitzittert und mithofft.

Bei Estafanie Schmidt begann dieser Weg mit der Diagnose eines Gallengangskarzinoms. Eine schwere, seltene Krebserkrankung, die einen langen und belastenden Behandlungsverlauf nach sich zog: Chemotherapie, eine große Operation, Reha, erneute Therapien. Und doch hat sie sich mit bemerkenswerter Kraft Schritt für Schritt zurück ins Leben gekämpft. Es gab diesen einen Moment, in dem es fast so aussah, als hätte sie es geschafft.

Doch am Gründonnerstag kam die Nachricht, die alles erneut erschütterte: Metastasen in beiden Lungenflügeln. Damit war klar, dass die Krankheit zurückgekehrt war – diesmal in einer Form, die nicht mehr heilbar zu sein scheint. Seitdem wird Estafanie palliativ behandelt. Eine erneute Chemotherapie soll das Wachstum der Metastasen bremsen und ihr vor allem eines schenken: Zeit. Wie viel Zeit, kann niemand sagen. Auch die behandelnden Ärzte nicht.

Trotz dieser Realität lebt sie weiter, so gut es geht. Sie arbeitet weiterhin, unterstützt durch Homeoffice, weil ein kompletter Gehaltsausfall die ohnehin belastende Situation zusätzlich verschärfen würde. Gleichzeitig bedeuten jeder Tag Therapie, jeder Chemobeutel, jede Untersuchung eine enorme körperliche und emotionale Kraftanstrengung. Und doch versucht sie, ihren Alltag zu halten – für sich selbst, vor allem aber für ihre Familie. Denn Estafanie ist Mutter von drei Kindern im Alter von 22, 16 und 12 Jahren. Ihre Familie ist ihr größter Halt, ihr Anker, das Zentrum ihres Lebens. Und genau diese Familie steht nun an ihrer Seite in einer Zeit, die von Unsicherheit geprägt ist.

Ihre Schwester Marcela beschreibt mit Worten, die sehr nah heranführen an das, was diese Situation wirklich bedeutet: „Meine Schwester ist ein Mensch voller Liebe, Stärke und Lebensmut. Sie ist immer für andere dagewesen – für ihre Kinder, unsere Mutter, unsere Familie. Jetzt steht sie selbst vor der größten Herausforderung ihres Lebens.“

Kampagne sammelt Spenden

Aus genau dieser Situation heraus ist eine Spendenkampagne bei GoFundMe entstanden. Initiiert wurde sie von Marcela gemeinsam mit ihrer Freundin Antonella Tuttolomondo. Es ist keine abstrakte Aktion, sondern ein sehr persönlicher Versuch, Entlastung zu schaffen – und vor allem eines zu ermöglichen: Zeit. Die Kampagne sammelt Spenden, um Estafanie konkret zu unterstützen und ihr Dinge zu ermöglichen, die in dieser Phase einen Unterschied machen. Dazu gehört vor allem ein gemeinsamer Sommerurlaub an der Nordsee mit der gesamten Familie – etwas, das es so noch nie gegeben hat. Ein paar Tage oder Wochen, in denen nicht die Krankheit den Rhythmus bestimmt, sondern das Zusammensein.

Marcela fasst es so in Worte: „Mit dieser Aktion möchten wir meiner Schwester Wünsche erfüllen, die ihr Kraft schenken und ihr in dieser schweren Phase schöne Momente ermöglichen – einen gemeinsamen Sommerurlaub mit der ganzen Familie, Unterstützung im Haushalt und alles, was ihr jetzt guttut.“ Für Estafanie sei es ein schwerer Gedanke, überhaupt eine Bucketlist zu erstellen, weil sie dabei zwangsläufig mit einer Realität konfrontiert würde, mit der sich eigentlich niemand freiwillig auseinandersetzen möchte: dem möglichen Ende. Genau diese Vorstellung sei für sie kaum auszuhalten – etwas, das sie nicht bewusst in den Mittelpunkt ihres Denkens rücken wolle und das sich gleichzeitig so endgültig anfühlt. Deswegen setzen Marcela und Antonella nicht auf die Erfüllung einzelner Wünsche, „die auch gar nicht so definiert werden können. Es geht darum, Raum und Zeit zu schaffen, Energie und Liebe zu tanken und Erinnerungen zu schaffen“, so Antonella.

Gleichzeitig geht es auch ganz konkret um Entlastung im Alltag. Estafanie arbeitet weiter, weil ein Gehaltsausfall die finanzielle Situation noch schwieriger machen würde. Genau deshalb ist jede Unterstützung auch eine Form von Stabilität – ein kleines Stück Druck, das weggenommen wird, damit mehr Raum bleibt für das, was wirklich zählt.

Was diese Aktion besonders macht, ist die große Welle an Anteilnahme. Spenden kamen schnell zusammen, die Kampagne wurde weit geteilt und sie hat Menschen erreicht, die Estafanie vorher gar nicht kannten. Ein Kommilitone ihres Sohnes spendete selbstverständlich, weil es für ihn „die Tante seines Kommilitonen“ war. „Die Lehrerin meiner 8-jährigen Tochter, der sie von der Situation erzählte, hat gespendet“, erzählt Marcela. Es sind genau solche Momente, die zeigen, wie weit Mitgefühl tragen kann.

Das Tuttolomondo unterstützt

Neben der GoFundMe-Kampagne gibt es außerdem eine weitere Möglichkeit zu helfen: Im „Tuttolomondo“ steht ein Sparschwein, in das ebenfalls Spenden eingeworfen werden können. Dieses soll Estafanie am 11. Juni, ihrem 48. Geburtstag, als Überraschung überreicht werden – ohne dass sie vorher davon weiß. Auch dort kann jeder beitragen, der nicht über die Online-Kampagne spenden möchte.

Im Kern bleibt alles bei einem sehr einfachen, aber schweren Gedanken: Es geht nicht darum, etwas aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist. Es geht darum, die Zeit, die bleibt, menschlich zu füllen – mit Nähe, mit Entlastung, mit Momenten, die tragen.

Am Ende ist genau das der Wunsch, der sich durch alles zieht: dass Estafanie nicht nur kämpfen muss, sondern leben darf – umgeben von ihrer Familie und getragen von der Gewissheit, dass sie auf diesem Weg nicht allein ist.

Wer spenden möchte, findet hier die GoFundMe-Kampagne https://gofund.me/febce55c3 oder den QR-Code scannen. Wer diese Möglichkeit nicht nutzen möchte, kann im Verlagshaus in Königstein, Theresenstraße 2 einen Umschlag versehen mit dem Namen von Estafanie zu den Bürozeiten abgeben oder füttert beim nächsten Besuch im Tuttolomondo einfach das Schweinchen.

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