Zwischen grauen Wolken und blauem Wasser – Das Kelkheimer Freibad startet in die neue Saison

Die Ruhe vor dem Trubel für Jakob Weishaupt und Thorsten Suthues – sobald die Temperaturen steigen ist keine Zeit mehr für Füße hochlegen.

Kelkheim (ju) – Am vergangenen Donnerstag hat im Kelkheimer Freibad die neue Saison begonnen – noch nicht mit großem Sommertrubel, sondern eher mit einem vorsichtigen Auftakt, wie ihn das kühle, wolkenverhangene Wetter fast ein wenig vorgegeben hat. Der Himmel blieb grau, das Licht gedämpft, und doch lag bereits dieses typische Gefühl in der Luft – dass hier wieder ein Ort aus dem Winterschlaf erwacht, sehnsüchtig erwartet von den Stammgästen und bald wieder innig geliebt von den Kindern, Jugendlichen, Familien.

Zwischen den weitläufigen Becken, eingerahmt von hohen, alten Bäumen, die dem Gelände fast etwas Parkartiges und Beruhigendes verleihen, kehrte langsam wieder Leben ein. Sechs Schwimmerinnen und Schwimmer zogen ihre Bahnen im glitzernden Wasser – konzentriert, unbeirrt, als wollten sie das Becken für sich allein testen. Und doch blieb es nicht still: ein stetiges Kommen und Gehen am Beckenrand, erste Gespräche, erste Schritte auf dem noch ungewohnt kühlen Boden, die erste kalte Dusche, das leise Einfinden in eine neue Saison.

Und während über dem Becken noch graue Wolken hingen, eröffnete sich am Horizont ein überraschender Anblick: Die Frankfurter Skyline erhob sich majestätisch aus dem Dunst, als stille Kulisse dieses Saisonauftakts – ein Kontrast zwischen städtischer Weite und naturnaher Idylle, der dem Freibad seinen besonderen Charakter verleiht und nicht nur die Kelkheimer in ihr Freibad lockt.

Stammgäste, Wohlfühlwasser und ein Arbeitsplatz mit Aussicht

Heike Jennert und Uwe Niehuus schütteln sich, nachdem der kalte Schwall der Dusche sie etwas unvorbereitet getroffen hat. Dafür entschädigt die Wassertemperatur im großen Becken. Während die 12 Grad draußen eher Schauer über den Rücken jagen, sind die 23 Grad Wassertemperatur fast Wohlfühltemperatur. Das Pärchen hat aber schon sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet, als Stammschwimmer juckt es in Händen und Füßen, endlich wieder im Freien die Runden zu drehen. „Wir kommen aus Eppstein hierher, ins schönste Freibad im Kreis“, sind sich die beiden einig.

Das geht Thorsten Suthues und Jakob Weishaupt, die beiden Fachangestellten für Bäderbetrieb (in Fachkreisen auch Bademeister genannt), ganz genau so. Sie arbeiten nach eigener Aussage am schönsten Arbeitsplatz den der Main-Taunus-Kreis zu bieten hat. „Und das nun schon seit 33 Jahren“ hängt Suthues an und ist selbst überrascht über die Schnapszahl. Die beiden haben ganz schön was geschafft. Die Becken sind bis zum Rand gefüllt, der Boden ist blitzeblank geputzt, die Liegen, deren Anzahl sich verdoppelt hat, warten startbereit auf der Liegewiese, die Solarabsorberanlage wurde noch ein wenig feinjustiert und holt aus jedem Sonnenstrahl das Beste raus, um das Wasser zu erwärmen. Zufrieden stehen die beiden am Beckenrand und lassen ihren fachmännischen Blick über die Anlage schweifen. „Hol mal das Dings“, sagt Suthues zu Weishaupt und der weiß sofort, was gemeint ist, eilt zur Bademeisterkabine und kommt mit dem Thermometer wieder – letzter Temperaturcheck: 23 Grad und ein paar Zerquetschte – passt.

Viele Ehrenamtliche sorgen für Sicherheit

Unterstützung über die Saison bekommen die beiden von der DLRG. Andreas Vogl, Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Kelkheim, steht in kurzen Hosen am Beckenrand und bedauert doch etwas, dass er heute morgen nicht nach der langen Beinbekleidung gegriffen hat. „Macht nichts, dann bleib ich in Bewegung“, witzelt er und erzählt, dass jede Saison rund 50 Ehrenamtliche Rettungsschwimmer hier im Freibad Dienst schieben und für die Sicherheit der großen und kleinen Badegäste sorgen. „Wir kommen auf über 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit“, erklärt er nicht ganz ohne Stolz. Darauf kann man aber auch stolz sein, denn es ist nicht selbstverständlich, dass so viele Menschen ihre Freizeit hergeben, um für andere da zu sein.

Das findet auch der Erste Stadtrat Dirk Hofmann, der auch in diesem Jahr wieder seine Badehose „vergessen“ hatte und so den Sprung ins kühle Nass umging. „Wir sind hier wirklich gut aufgestellt und viele Nachbarkommunen beneiden uns um zwei großartige Fachkräfte und wieder einen Auszubildenden“, weiß der zweite Mann im Rathaus. Was es denn Neues gebe, möchte er von Suthues und Weißhaupt wissen und diese zeigen stolz auf das Becken. „Wir haben neue Schwimmleinen, frisch aus Italien“, berichten die beiden und plaudern von ihrem Besuch der Bädermesse in Köln, auf der sie auf die Leinen aufmerksam wurden. „Sicherheit wird hier groß geschrieben und die Leinen aus Deutschland bestehen aus Plastik, zerbrechen leicht und können für Verletzungen sorgen. Die Italienischen sind aus Vollgummi, die geben nicht so schnell nach“, verbreiten die beiden ihr Fachwissen.

Im September soll das Freibad zum Treffpunkt der Vereine werden

Dass das Freibad in Kelkheim weit mehr ist als nur ein Ort zum Schwimmen, soll auch nach dem Sommer deutlich werden. Für den 5. September ist unter dem Titel „Freibad verein(t)“ ein großes Fest auf dem Gelände geplant. Zahlreiche Kelkheimer Vereine wollen sich dort präsentieren und den Besucherinnen und Besuchern ein breites Angebot an Mitmachaktionen und Aktivitäten bieten.

Auch die Tauchsportgruppe wird an diesem Tag vor Ort sein und Einblicke in die Faszination Tauchen geben. Darüber hinaus sollen im Rahmen der Veranstaltung die Kelkheimer Stadtmeisterschaften im Schwimmen ausgetragen werden. Das Freibad dürfte damit nicht nur sportlicher Mittelpunkt, sondern einmal mehr auch Treffpunkt für das Vereinsleben der Stadt werden. Und wer weiß, in den kommenden Jahren wird vielleicht auch mal wieder die ein oder andere Band am schönsten Ort Kelkheims aufspielen.

Weitere Artikelbilder



X