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Auf regional-geschichtlicher Winterzeitreise mit Hermann Groß

Immer für eine Überraschung gut: Hermann Groß mit Knubbelnase und Schnauzer beim „Winterabend am Kamin“

Foto: Schnurawa

Falkenstein (js) – Nicht wirklich winterlich ist es dieser Tage draußen – umso mehr ein Grund für die Kulturgesellschaft Königstein das Wintermärchen in die „gudd Stubb“ zu holen. Bereits zum dritten Mal konnte man im Falkenstein Grand Kempinski Hotel die von Hermann Groß vorgetragenen „Wintergeschichten am Kamin“ erleben, die jedes Mal für einen randvollen Saal und eine unvergleichliche Stimmung sorgen. „Wir mussten dieses Jahr schon auf das größere Nebenzimmer ausweichen, wo aber leider kein Kamin vorhanden ist“, so Almut Boller entschuldigend. Doch das war eine Tatsache, die kaum ins Gewicht fiel in Anbetracht dessen, dass hier Unterhaltung vom Feinsten geboten wurde. Auch an diesem Abend wartete das geschichtsbeschlagene Falkensteiner Original mit so manch heiterer, aber zuweilen auch zynisch-sarkastischer Anekdote auf. „Ich spiele ja, wie man beim Fußball sagen würde, nur in der Amateurliga“, stellte Groß sein Licht unter den Scheffel.

Es ist noch nicht allzu lange her, da wir Weihnachten hinter uns gelassen haben und so wurde der Anfang gemacht mit der traurigen und nachdenklichen Geschichte vom „Schiggsaal vom Chrisbaam“, die zugleich die Vergänglichkeit von allem ins Bewusstsein rief. Auch das noch junge Jahr wurde von Groß alsdann ausgeschlachtet – hier boten sich Rückblicke, Ausblicke und natürlich die immer wieder gerne erwähnten, aber oftmals schnell wieder verworfenen guten Vorsätze an. Mit viel Witz, Augenzwinkern, aber auch einer Portion Ernsthaftigkeit wurde man von Groß in längst vergangene Zeiten entführt, die bei dem einen oder anderen sicherlich so manche Erinnerung wachriefen. Wie sagt man so schön? „Man muss es ebbe alles nehme, wie es kimmt“ und das gilt natürlich auch für das Wetter, das immer wieder gerne thematisiert wird und gegen das die Menschen heute und gestern immer noch machtlos sind. Noch im 16. Jahrhundert sei das Wetter einzig und allein dem lieben Gott zugeschrieben worden, während der Kalender Aufgabe des Kalendermacher gewesen sei, berichtete Herman Groß, der die Gepflogenheiten, Sitten und Gebräuche im Vorfeld bestens studiert hatte. Gerade auf den hiesigen Burgen sei das Leben im Winter alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen. Schnee und Eis brachten damals noch deutlich mehr Probleme mit sich als heutzutage. Wolfsplagen gab es vielerorts und stellten die Menschen vor große Herausforderungen. Durchaus an der Tagesordnung gewesen, waren auch schwerwiegende Probleme hinsichtlich der Heizung, Beleuchtung und Wasserversorgung, die bei eisigen Temperaturen komplett den Dienst versagt hätten, erläuterte Hermann Groß die Lebensumstände, womit auch er selbst noch bestens vertraut gewesen sei. Aber dem Winter konnte man auch gerade als Kind viel Positives abgewinnen. „Ich wusste schon wenn Schnee lag, noch bevor der Rolladen überhaupt hochgezogen wurde“, ließ der Erzähler sein Publikum wissen, dass über diesen Einwurf ein wenig verblüfft war. Das habe er am Glockenschlag der Kirchturmuhr ausmachen können, die sobald sie ein wenig mit Schnee bedeckt war, sofort anders klang. Besonders erfreut habe der Frost auch die Eisbauern – ein Beruf, den heute wohl kaum einer mehr kennt – denn diese sammelten eifrig Eis für Kühlanlagen, die zu dieser Zeit noch nicht mit künstlich hergestelltem Eis verwendbar gewesen seien, informierte der über fundierte Kenntnisse verfügende Lokalhistoriker.

Neben vielen eigenen Kindheitserinnerungen, die bei keinem Vortrag des Falkensteiners fehlen dürfen, gab es aber auch noch so allerlei Amüsantes vom großen Multitalent Heinz Ehrhardt, aber auch so manch Tiefsinniges von Heinrich Heine, Joseph Roth oder Friedrich Stoltze. Angesichts der Winterthematik durfte da natürlich auch nicht das Gedicht „Vom Büblein auf dem Eis“ fehlen, das aufgrund seines Leichtsinns seine Faszination fürs Eis fast mit dem Leben bezahlt hätte. Hier – wie in allen anderen Anekdoten und Erzählungen – wurde nicht nur die Unberechenbarkeit des Winters, sondern auch seine starke Ambivalenz versinnbildlicht. Doch trotz so mancher zum Nachdenken anregender Verse, wurden auch die Lachmuskeln trainiert. Mit viel Emotion und seiner herrlich erfrischenden Art samt hessischem Gebabbel schafft es Hermann Groß immer wieder sein Publikum mitzureißen. Das animierte dann schon mal zu konstruktiven Vorschlägen: So beispielsweise wurde aus dem Publikum der Vorschlag laut, den bisher nicht vorhandenen Kamin einfach bis zum nächsten Jahr errichten zu lassen.

Auch ein echtes Überraschungsmoment hatte Groß in petto: Aus heiterem Himmel zog der mit Jacket so seriös wirkende Herr dieses aus und nahm in Windeseile vor den Augen des sichtlich erstaunten Publikums eine sich in atemberaubender Geschwindigkeit vollziehende Verwandlung vor. Ein wenig auf Fasching eingestimmt fühlte man sich schon, als er samt schwarzem Schnäuzer, Hut und dicker Knubbelnase vor sein Pult trat, wobei allein schon sein verändertes Äußeres zu schallendem Gelächter ermutigte.

Und wer Hermann Groß Lesungen kennt, weiß, dass es immer noch ein ganz besonderes Schmankerl als Zugabe gibt. Nach dem Ausklang mit dem skandinavischen Volkslied „Vom Schneemann“, der dem Frühling weichen muss, gab es obendrein noch eine Eigenkreation der besonderen Art. Kaum zu glauben, was der Hesse so alles mit dem Wort „mache“ auszudrücken vermag. Nicht sehr kreativ aber in jedem Fall mehr als erstaunlich ist der vielseitige Gebrauch des Wortes „mäche“. Beinahe wie eine Schlusspointe folgte der Abschiedsgruß: „Machen Se s‘gut, ich mach‘ mich mal weiter...“

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