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Runde für Runde für ein Leben mit Perspektive kenianischer Kinder

Mit Feuereifer wurden rote Gummibändchen für gelaufene Runden gesammelt

Foto: S. Puck

Falkenstein (pu) – Mit einem sportlichen Abschluss in Form eines Sponsorenlaufs gingen die diesjährigen unter der Überschrift „Afrika“ stehenden Projektage der Grundschule bei strahlendem Sonnenschein zu Ende.

Tolle Dynamik

Schulleiterin Julia Lehmann zeigte sich begeistert ob des großen Engagements und Interesse, das sowohl Kinder als auch Eltern, Großeltern und Bürger für die gute Sache an den Tag gelegt hatten. „Die Kinder sind in den letzten ein bis zwei Wochen auf ihrer Suche nach Sponsoren für den Lauf teilweise von Haustür zu Haustür im Ort gelaufen und einige Male hat man ihnen direkt Geld für den guten Zweck in die Hand gedrückt – das Ganze hat eine tolle Dynamik entwickelt!“

Neben der Lehrerschaft legte dafür der Vorsitzende und Gründer des seit 2002 bestehenden Vereins „Kenia Kinder Hilfe“ (KKH), Lutz Krücke die Basis, der gemeinsam mit seiner Frau in einfühlsamer und anschaulicher Weise den Blick der Grundschüler und deren Angehörige für die Probleme derer schärfte, die weitaus weniger vom Schicksal verwöhnt werden. Die Wahl der Schule fiel nach Auskunft Julia Lehmanns deshalb auf den in Weißkirchen ansässigen Verein, weil „90 Prozent des Geldes tatsächlich bei den Kindern in Kenia ankommt, von den Verantwortlichen im Detail die Verwendung der finanziellen Mittel aufgeschlüsselt wird“. Seit November 2005 betreibt die KKH in Langobaya ein Waisenhaus. 35 Waisenkinder werden dort liebevoll versorgt mit Kleidung, Essen und Ausbildung.

Eigentlich nur Urlaub im Warmen

Eine Entwicklung, die alles andere als absehbar war, als beim Ehepaar Krücke im November 1993 auf der Suche nach einem warmen Urlaubsziel Kenia ins Visier rückte. „Ich entsinne mich noch bestens daran, dass ich nach drei Tagen sagte, hier komme ich nie wieder her. Nach einer Woche hatte ich meine Meinung allerdings geändert“, berichtete Krücke im Gespräch schmunzelnd. Durch einen Bekannten, der dort lebte, lernten die beiden Schritt für Schritt Land und Leute näher kennen und so nahm der Gedanke Gestalt an, vor allem den dort lebenden notleidenden Kindern helfen und ihnen eine Perspektive eröffnen zu wollen. „So ist aus einem Urlaub etwas ganz anderes geworden“, berichtet Krücke, der mit Hilfe aller, die den Verein unterstützen, den Bau von Kindergärten, Schulen und Kirchen als Multifiktionsgebäude in Malinda und drumherum (120 Kilometer nördlich von Mombasa) vorantrieb, damit die in diesem Gebiet lebenden Kinder nicht weiterhin im Freien auf Steinen und Balken sitzend lernen müssen. Angesichts des Leids der vielen in Kenia lebenden Waisenkinder reifte schließlich der Entschluss für ein Waisenhausprojekt, das 2005, als KKH ein direkt an den Ort Langobaya grenzendes Grundstück „mitten in der Pampa fernab jedes Tourismus, aber perfekt für diese Zwecke“ von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, realisiert werden konnte.

Fruchtbarer Boden

Die Veranschaulichung dieses Werdegangs im ostafrikanischen Land per Fotos, Erzählungen und im Unterricht unterschiedlich aufbereitet, etwa durch Basteln afrikanischer Masken, und die dortigen Lebensumstände der Kinder hinterließen bei den Falkensteiner Grundschülern sichtlich ihre Spuren. Mit großem Interesse und voller Neugier schlüpften sie am Abschlusstag an aufgebauten Stationen in die Rolle ihrer kenianischen Pendants, mahlten unter anderem Maismehl, balancierten Körbe auf dem Kopf, besuchten den sogenannten „Anfasstisch“ mit Gegenständen des täglichen kenianischen Lebens wie Feuertopf, Besen oder aus Plastik geflochtenen Hüten und Taschen (seit diesem Jahr ist Plastik laut Lutz Krücke übrigens in Kenia verboten) oder probierten sich am Torwandschießen mit aus Papier und Kordel gebundenen Fußbällen. Der Unterricht fand an diesem Tag open air im hölzernen Klassenzimmer statt.

Der große Höhepunkt war allerdings zweifellos der Sponsorenlauf. Begrenzt auf jeweils eine halbe Stunde liefen die einzelnen Klassen im Laufe des Vormittags auf dem Sportplatz ihre Runden. Je zurückgelegte 200-Meter-Runde gab es an der Ausgabestation ein rotes Gummiband, eine einfache, aber äußerst praktikable Methode, die zum Schluss die Ermittlung des Endergebnisses erleichterte. Eltern, weitere Familienangehörige und Bürger hatten vorher wählen können, welche Summe sie pro gelaufene Runde zahlen beziehungsweise die Summe konnte insgesamt auch gedeckelt werden. „In meiner Klasse war das beste Ergebnis 21 Runden“, gab Schulleiterin Julia Lehmann stolz einen ersten Zwischenbericht.

Aus der Elternschaft kamen außerdem Obst, Getränke, Kaffee und Kuchen zur Kräftigung aller Teilnehmer des Abschlusstages, denn auch Eltern halfen tatkräftig bei Betreuung und am Gelingen mit. Angesagt hatte sich an diesem Tag auch Radiomoderator Daniel Fischer.

Ganz klar, ein tolles Finale für die 100 Grundschüler und ein Erlebnis, das sicher allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein detallierter Überblick, wie viel Geld letztendlich für die gute Sache zusammenkam, lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor.

Im Freien und auf Holzbalken sitzend erhielten die Kinder einen Eindruck davon, wie Unterricht in Kenia stattfindet. Eine ausgesprochen nette Überraschung, als die komplette Klasse der weghetzenden Redakteurin ein vielstimmiges „Auf Wiedersehen, Frau Puck“ hinterher rief.

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