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Autorengipfel fördert zu Tage: „Das Buch lebt, es lebe das Buch!“

Thomas Schwenk (li.) hatte wieder einmal Autoren um sich versammelt, darunter auch Nele Neuhaus (Dritte v. re.), um auch den Königsteinern Gelegenheit zu geben, mit ihnen ins lockere Gespräch zu kommen. Foto: Schemuth

Königstein (el) – Sie plaudern, sie scherzen – sie schreiben – und das nicht etwa aus einer Laune heraus, sondern zum Teil sehr erfolgreich und sogar international. Am vergangenen Samstag machten die Autoren aus der näheren und ferneren Umgebung wieder einmal einen Boxenstopp in der Buchhandlung Millennium, wo sie von Inhaber Thomas Schwenk und seinem Team wärmstens empfangen wurden. Ansinnen des Treffens war es jedoch nicht nur, unter sich zu bleiben zum fachlichen Erfahrungsaustausch. Das Ganze sollte etwas von einer Buchmesse im kleinen Rahmen haben, genau rechtzeitig, einen Tag vor dem offiziellen „Welttag des Buches“. Und Letzteres, so war von Autorin Nicole Steyer zu erfahren, sei alles andere als „tot“. Sie habe festgestellt, dass die Menschen wieder verstärkt zum Buch greifen würden. Olaf Jahnke, der ebenfalls die Einladung von Thomas Schwenk angenommen hatte, konnte seiner Kollegin nur beipflichten: „Viele haben der Haptik wegen lieber das Buch in der Hand, als sich auf einen E-Reader zu verlassen.“ Und wenn doch mal das elektronische Lesegerät bevorzugt wird, dann sind es nicht immer junge Leute, die es zur Hand nehmen. Auch diese Erfahrung hat Steyer gemacht, als ihr eine ältere Dame berichtete, dass sie stets ihre Werke verschlinge, allerdings nicht ohne ihren E-Reader auskomme, auf dem sich die Buchstaben herrlich groß einstellen ließen. Lesen ist ein gutes Stichwort, denn auch das muss ein guter Autor hier und wieder praktizieren – gerade wenn er bevorzugt historische Romane schreibt wie Steyer. Ihr neuer Roman trägt den Titel „Der Gaukler und die Tänzerin“ und befasst sich mit der Diskriminierung der Zigeuner im 18. Jahrhundert. Einige Bücher von Nicole Steyer spielen im Mittelalter, wie etwa „Das Pestkind“ und beschäftigen sich mit dem Aberglauben der jeweiligen Epoche. Andere wiederum handeln von Familienschicksalen wie etwa „Das Haus der verlorenen Kinder“. Für die Recherche an diesem Buch reiste Steyer nach Norwegen.

Mitten im Autorenpulk trifft man auf ein fast schon vertrautes Gesicht, das international als Schriftstellerin gefeiert wird: Nele Neuhaus. Ihre Taunuskrimis sind Kult und sie verriet uns, dass sie derzeit am Plot eines neuen Krimis aus der beliebten Reihe tüftelt, während ihr aktuelles Werk „Im Wald“ verfilmt wird. Wobei sie sich persönlich gewünscht hätte, dass sich das Drehbuch für „Im Wald“ näher an ihrem Buch orientiert hätte. Diesbezüglich setzt sie noch einige Hoffnungen in Drehbuch-Gespräche. Wenn jedoch alles so bleibt wie es ist, dann könnte sie nicht mit sich vereinbaren, in der Verfilmung einen Cameo-Auftritt zu haben, so Neuhaus konsequent, die gerade den sechsten Band von „Elena – ein Leben für die Pferde“ fertiggestellt hat. Auch sonst gibt es Neuigkeiten aus dem Neuhaus-Lager: Lesungen hat die Kelkheimerin vorerst gestrichen; sie möchte einfach neue Kraft tanken und nimmt sich eine Auszeit von der Lesetour. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre riesige Fangemeinde auf das Erlebnis einer Lesung verzichten muss. Schauspieler Tim Bergmann, der Kommissar Bodenstein als einer ihrer beiden Hauptfiguren in den Taunuskrimis spielt, wird vorerst für sie bei den Lesungen einspringen. Wie man hört, macht er seine Sache wunderbar.

Überhaupt scheinen die Geschichten in der Geschichte zu liegen, schenkt man den Schilderungen eines weiteren Autors Glauben. Robert Vokken hat sich literarisch auf die Hessen zur Zeit von Karl dem Großen konzentriert. Das Ergebnis des studierten Historikers, der eigentlich sein Brot in der Finanzbranche verdient, nach zweieinhalb Jahren des Schreibens: „Arnulf – die Axt der Hessen“. Für seinen Titel habe er nach so mancher Absage doch noch einen kleinen Hamburger Verlag gewinnen können und sei jetzt mit dem Nachfolgewerk sogar „aufgestiegen“ insofern, als dass die Fortsetzung nun vom Verlagshaus Heine publiziert werde. Neben Christoph Schlott, Ottmar Dorn und Brigitte Mazurek – um weitere, an diesem Tag vertretene Autoren zu nennen – hat sich auch Dr. Mark Scheibe, Jurist und Historiker, zur illustren Autorenrunde gesellt. Seine literarische Spezialität: der Räuberhauptmann Schinderhannes, der einst sein Unwesen im Taunus getrieben hat.

Und so geht ein schöner Nachmittag, der eine gelungene Mischung aus Fachsimpeln unter Kollegen, Gesprächen mit Kunden und auch etwas von „Brainstorming“ und „Networking“ hatte, zu Ende. Die Leselust bleibt. Und nicht nur die, denn Thomas Schwenk macht auf einen weiteren Schatz im Schaufenster aufmerksam, bei dem es sich ausnahmsweise nicht um ein Printexemplar handelt, sondern um ein ziemlich aufwendiges, maßstabgetreues Modell der Königsteiner Burg aus Pappmaschee und Holz. Gefertigt wurde dieses von Dr. Günter Evers in den 60er-Jahren nach Zeichnungen von Magin aus dem Jahr 1790. Rudolf Krönke, der übrigens auch beim Autorenplausch zugegen war, hat das Modell aus seiner Sammlung für das Schaufenster zur Verfügung gestellt. Der Feststellung einer Kundin, dass in Königstein so vieles und das nicht nur literarisch angeboten werde, ist nichts mehr hinzuzufügen.

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