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Von heldenhaften Plaschis und badenden Politikern

Sie gehörten zu den Heldinnen des Abends: die Resi-Dancer des Königsteiner Narrenclubs.

Foto: Schemuth

Königstein (el) – Helden der Kindheit – ein Motto, das bei so manchem Erwachsenen Erinnerungen wachruft und genau deshalb hat man sich beim Königsteiner Narrenclub auch dafür entschieden zur großen Sitzung im Haus der Begegnung, Superman, James Bond, Heidi & Co. ein furioses Comeback feiern zu lassen. Natürlich hatten die Plasterschisser auch mit einer entsprechenden, gut besetzten Kulisse vor der Bühne gerechnet. Diese Hoffnung wurde zwar nicht dahingehend enttäuscht, dass es an Stimmung im Saal mangelte. Dennoch hätten sich die Aktiven bestimmt mehr als 200 Gäste im Saal gewünscht, was diesen dann doch mitunter, wenn so mancher Mitwirkende selbst auftreten musste, hier und da ein wenig spärlich besetzt wirken ließ. Doch diese Randnotiz, die für scharfe Beobachter der Fassenacht nicht so ganz überraschend kommt, sollte das Geleistete nicht etwa schmälern, sondern vielmehr den einen oder anderen motivieren, im kommenden Jahr mit dabei zu sein. Denn, es kann zu Recht behauptet werden, dass die Plaschis ihren Helden der Kindheit in nichts nachstanden und selbst, um bei dieser mutigen, unerschrockenen Gattung zu bleiben, ein heldenhaftes Programm ablieferten. Dessen Stärke bestand im Grunde genommen aus zwei Zutaten: Man hatte einheimische Gewächse der Königsteiner Fassenacht mit Fremdbeiträgen gemischt und dabei mehr als Unterhaltsames zu Tage gefördert, was dazu noch durch eine perfekt durchdachte Abfolge besonderen Reiz für das Publikum hatte.

So hatte man am Ende fast den Eindruck, dass man nicht oft genug den Arm zum Fassenachter-Gruß hatte zirkeln lassen, so sehr jagte ein Bühnenauftritt den anderen. Und dann waren da noch die kleinen Randnotizen, die von so manchem leise kommentiert wurden. Sitzungspräsident Rainer Kowald scheute die Konfrontation in der Narrhalla mit dem Rathauschef nicht und hatte, so konnte man es für sich zumindest herleiten, stellenweise den Hut des Kurgesellschafts-Vorstandsmitglied auf, das es so gar nicht lustig fand, dass der diesbezügliche Vereinszuschuss so mir nichts dir nichts gestrichen wurde. Der Rathauschef nahm es sportlich und wurde in der Pause mal nicht mit seinem iPad schon an einer Replik dichtend gesichtet. Stattdessen setzte er sein Mobilgerät sinnvoll als Tablett zum Abstellen seines Getränkes ein.

Mittendrin als altbewährte Wächter über das Geschehen: der Elferrat, ganz in Weiß und mit der markanten Narrenkappe. Allerdings wurden die Mannen auf der hinteren Bank eingangs dank der „Trockentücher“, einer Truppe von Parodisten, mit einem Accessoire ausgestattet, das so manchen von ihnen – so machte es den Anschein – völlig aus der Reserve zu locken schien. Mit einer trapezförmigen Sonnenbrille auf der Nase schienen die Herren plötzlich in der Lage, sämtliche tanzbare Verrenkungen durchexerzieren zu können, ohne dabei einzuknicken. Auch die Knie von Bürgermeister Leonhard Helm schienen wunderbar elastisch zu sein, als würde er jeden Abend üben. Na, so sportlich wie die Herren sich gaben, konnten sie es leicht-locker mit einem weiteren Helden der Fassenacht, seines Zeichens Prinz Rüdiger I. aus Oberursel, aufnehmen, der mit einer ganzen Heerschar an Gefolge die Bühne eingenommen hatte, um zu beweisen, dass es die Orscheler ebenso draufhaben wie die Kurstädter und dabei noch die Arme einsetzen können, um ausladende Bewegungen zu machen.

Das Publikum amüsierte sich dabei köstlich und die ganz in weiß gekleideten Herren auf der hinteren Bank nutzten die willkommene Verschnaufpause. Die währte aber nicht lange, denn der Nachwuchs der Königsteiner Fassenacht scharrte hinter der Bühne schon mit den Hufen. Herausmarschiert kamen die Minis, die punktgenau in Bewegung und Takt ablieferten und jeden noch so Unbedarften im Saal erahnen ließen, wie viel Zeit und Arbeit sie in die Vorbereitung dieses Auftrittes gesteckt haben mussten. Und dabei sah man ihnen diese, für ihre jungen Jahre doch große Anstrengung, noch nicht einmal an. An ihren Gesichtern war die reine Freude darüber zeigen zu können, was sie einstudiert haben, zu lesen. Ganze Arbeit hat Katja Laska als Trainerin der „Königstänzer“, der Garde des Narrenclubs, geleistet. Sie selbst war ebenfalls mittendrin, statt nur dabei und motivierte ihre Truppe so zur Höchstleistung mit einer aufwendigen Choreografie nach der anderen, die nicht nur nach sportlichem Einsatz und Ausdauer verlangten, sondern auch höchste Konzentration im Scheinwerferlicht erforderten.

Das Kommando am Bühnenrand lag in den Händen der bewährten Kapelle aus Karsten & Gaby, die auch stets den richtigen Tusch parat hatten, sollte dieser wieder einmal vonnöten sein. Und vor ihm mussten förmlich jene im Saal zittern, die sich das ganze Jahr über in Königstein politisch engagieren, um zur „fünften Jahreszeit“ mal inkognito im Publikum sitzen zu dürfen. So ganz zurücklehnen konnte sich jedoch keiner der Kommunalpolitiker, als man Rudolf Krönke kommen sah, der diesmal von einem längeren Protokoll absah und stattdessen eine satirische Version davon lieferte. Dass es die jedoch ganz schön in sich haben sollte und zu den Höhepunkten des Abends zählen würde, das konnte man schon erahnen. Ganz belanglos ging es los mit den Schilderungen von Sperrmüll-Sesseln, die dem Geruch nach bestimmt aus dem Rathaus gestammt hätten. Eine glasklare Botschaft gab es in Zusammenhang mit der drohenden Abschiebung einer afghanischen Familie, deren Schicksal in den vergangenen Tagen viele Königsteiner bewegt hatte: „Wer sich bei uns integriert hat, den schiebt man nicht ab!“

Auch über bauliche Veränderungen in ihrer Stadt, von denen noch so gar keiner wusste, wurden die Königsteiner von Krönke in Kenntnis gesetzt. Im „Erdogan Stadion“ am Parkplatz würde der Sportclub Demme gegen die Hasensportler vom Burgweg 02 antreten – eine Anspielung auf den viel diskutierten Bau einer Flüchtlingsunterkunft. Und einer neuen, tollen Freizeitbeschäftigung gehen die Kurstädter neuerdings nach. Das lustige Ratespielchen heißt „Kommt der Bus oder kommt er nicht?“ Besonders heiter wird es, wenn der Fahrer selbst nicht wisse, wo er hinfahren solle und ihm ein Fahrgast den Weg erklären müsse. Und dann wäre da noch ein auffälliger gelber Wagen, der aufgrund seiner schrillen gelben Lackierung in einem Königsteiner Autohaus schon als Ladenhüter deklariert worden sei, bis man ihm dem Herrn Bürgermeister persönlich aufs Auge gedrückt habe.

Aber richtig heiter bis wolkig – je nach eigener Perspektive – wurde es, als Krönke die örtliche Politik beleuchtete und dabei seine mit Satire gespickten Pfeile ganz geschickt rund ums Kurbad-Thema abwarf. Vom schmalen Becken mit Seegras und Tang – ein kleines, lustiges Ratespiel, aber man kommt schon dahinter, wer gemeint ist – hin zur SPD, die kein Wasser ins Bad gelassen habe und deren eigene Befragung zum Kurbad laut Krönke ins Wasser gefallen sei, ging der Reigen munter weiter zur FDP. Dieser wurde unterstellt, wilde Champagner-Sausen im Becken zu feiern und einer – der Stadtverordnetenvorsteher von Bethmann persönlich – habe es besonders ausufern lassen. Die ALK konnte nicht mitreden, denn sie wurde gar nicht erst ins Bad gelassen. Die CDU sei dagegen textilfrei baden gegangen und eine Gestalt habe sogar einen schwarzen Burkini getragen, die aus der Nähe als CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Hees identifiziert werden konnte, um rechtzeitig zum Bürgermeisterwahlkampf Helm gegen Hees wieder aufzutauchen. „Satire ist eben Kunst“ würde der Meister da sagen und der Wahlkampf noch ein Weilchen hin…dennoch, eine interessante Vorstellung, die einem weiteren Szenario weichen sollte, das für jede Frau, die etwas auf ihr Äußeres hält, ein Desaster ist: Ein „Bad Hairday“. Doch Chapeau, wer sich trotzdem an einem solchen Tag auf die Bühne traut. Was es im Zeitalter von digitaler Vernetzung nicht so alles gibt? So erfuhr man, dass das „Duo Gnadenlos“ (Nicole Hülsmann und Ela van der Heijden), das sich diesmal auf „Wiedergeburt und andere Pannen“ verlegt hatte, mit Besen ausgestattet und Navigationsgerät in den Händen. Doch die eine giftgrün geschminkte Hälfte des Duos scheute sich nicht davor zu beichten, dass sie ihr eingebautes Navi falsch programmiert habe und dass sie dann in der Hölle gelandet sei. „Wo sich die denn befinde?“, wollte ihre Leidensgenossin, fast mitleidsvoll, wissen. „Na in Falkenstein“ entfuhr es der anderen Hexe mit dem knospenförmigen Kopfkranz, der an eine verunstaltete Freiheitsstatue erinnerte. Als wäre das nicht genug, hatte es die giftgrüne Hälfte des Duos auch noch mit einem Hexenschuss zu tun, was ja an sich nichts Schlimmes ist. Allerdings erhält dieses Leiden eine andere Bedeutung, wenn man es wie die Hexen in Zusammenhang mit einem Gendefekt bringt, der von der ALK herrühren soll. Als wäre das nicht genug, verfluchten sich die beiden Hexen noch gegenseitig, sodass man am Ende nicht wusste, wer das Mitleid eher verdient hatte: Die sächselnde Hexe oder die mit dem Gatten, der mit dem Paketboten durchgebrannt war. Das HdB ein Haus der hohen Künste und sogar der Opernkünste, dem sogar die „Drei Tenöre“ einen Besuch abstatteten. Herrlich, wie Coco Fischer, Krista Kroneberg und Connie Dembicki-Walzog sich verbogen und über den Bühnenbrettern fast in die Senkrechte gingen wie die Skischanzen-Adler kurz vor dem Abflug. Das Geheimnis ihrer Standfestigkeit trotz dieser widrigen Bedingungen wurde trotz zerstreuter Bühnenhelfer dennoch nicht gelüftet und das ist auch gut so, man muss ja nicht alles wissen. Vereinsvorsitzender Udo Weihe hatte schon ein glückliches Händchen bewiesen als er einen Fassenachts-Hochkaräter wie den „Begge Peter“ für die Veranstaltung gewinnen konnte, der als Routinier in Hausmeisterkittel und Hut alles mit seiner ihm eigenen Schlappmaul-Eloquenz niederwalzte, was ihm da so während seiner Hausmeistertätigkeit über den Weg gelaufen war.

Da musste auch schon mal das Klischee von der dicken Tänzerin herhalten, das so mundart-genial verpackt wurde, dass man nicht umhin kam, einfach drauflos zu lachen. Ansonsten blieb das Fassenachts-Genie für so manchen Kenner an diesem Abend ein wenig hinter seiner alten Topform zurück. Kein Wunder, bei all der Konkurrenz und die kam ausgerechnet auch aus dem nahe gelegenen Hofheim. Hier, so erfuhr man, ist eine Glitzer- und Glamour-Truppe zu Hause, die zu vorgerückter Stunde noch einmal mächtig für Stimmung und bei den Herren der Schöpfung für Stielaugen sorgte: Die „Zigeuner“ hatten so ziemlich jeden tanzbaren aktuellen Hit und ewigen Chartstürmer mitgebracht und erwiesen sich als Multitalente im Singen, Tanzen und vor allem in Sachen Show und Entertainment. In letzterer Kategorie stand ihnen die Blaskapelle der renommierten Jocus-Garde in nichts nach, die zum Abschluss noch mal mit einer trommelnden und musizierenden Schar die Bühne einnahm. Zu diesem Zeitpunkt war die Polonaise schon dreimal durch den Saal unterwegs, was wiederum für die allgemein gute Stimmung im Saal sprach.

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