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Ein Jahr ist ein guter Zeitraum

Hat die Stadt Königstein ein Jahr lang als Burgfräulein bestens vertreten: Carolin Pfaff.

Königstein/Rottenburg (hhf) – Am kommenden Wochenende geht, wie an jedem Burgfest, auch die Amtszeit des vorhergehenden Burgfräuleins mit ihrem Hofstaat zu Ende. Dazu gehören allerdings noch einmal eine Rede und allerlei andere Vorbereitung, ein Stadium, das wir im Vorfeld der Weiterexistenz als „Hohe Burgfrau“ hier einmal als „Hohes Burgfräulein“ taufen wollen. Natürlich ist auch ein Rückblick für die KöWo Pflicht, das folgende Interview gab uns Carolin I. am Telefon, zwischen ihren Prüfungsvorbereitungen zum Semesterende in Rottenburg bei Tübingen, wo sie Forstwirtschaft studiert.

KöWo: Das „Doppelleben“ als Burgfräulein kostet viel Zeit, am besten wäre wohl ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ – wäre es als Abiturientin leichter gefallen?

Carolin: Für mich wäre das eigentlich egal, aber es ist gut, wenn ein Burgfräulein schon ein bisschen älter ist, selbst Auto fahren kann und vor allem vorher schon mal als Mitglied im Hofstaat ihre künftige Rolle kennen gelernt hat. Außerdem liegt das Burgfest diesmal perfekt, direkt nach der letzten Prüfung.

KöWo: Das ist ja fast wie Abitur ... aber die Entfernung ist doch eine andere?

Carolin: Ja, das Pendeln ist schon ein kräftiger Aufwand, wenn Termine und Uni zu eng beieinander lagen, kamen in einer Woche schon einmal 500 Kilometer und 11 Stunden zusammen. Dann kommt zum Beispiel noch die Zeit dazu, um sich vor dem Termin im Salon Erhardt frisieren zu lassen, aber das hat Ursula Althaus-Byrne immer prima vorbereitet. Aber mit den Terminen hatte ich auch oft Glück, ich fahre ja auch gerne privat nach Hause. Diesmal bringe ich dann auch einige Kommilitonen zum Burgfest mit.

KöWo: Dein Doppelleben konntest Du also nicht geheim halten – bringt es was im Forstberuf, wenn „Burgfräulein“ im Lebenslauf steht?

Carolin: Also, den Spitznamen „Forstprinzessin“ muss ich mir schon mal anhören, aber es ist nicht böse gemeint. Wirkliche Pluspunkte im Beruf sehe ich so nicht, aber zum einen bietet es immer guten Gesprächsstoff und zum anderen kann man Fähigkeiten, wie vor großen Menschenmengen zu reden oder als Repräsentantin alle möglichen Situationen zu meistern, immer gut brauchen.

KöWo: Das Selbstbewusstsein springt geradezu durchs Telefon, auch im Umgang mit der Presse. Gute Gelegenheit, um die Kritik-Frage zu stellen: Was sollte sich am Burgfest ändern?

Carolin: Nichts. Ja, eigentlich hat immer alles gut funktioniert, vor allem Ursula Althaus-Byrne ist immer sehr verständnisvoll, wenn es Schwierigkeiten gibt und wenn ein Termin gar nicht geht, so wie die Faschingssitzungen in der Prüfungssaison, haben die Vereine auch Verständnis dafür. Allerdings hatte ich mit meinem Hofstaat auch eine echt gute Gruppe, die mir immer geholfen hat, wo es nur geht und auch immer für gute Laune gesorgt hat.

KöWo: Das heißt, ihr trefft euch weiterhin auch ohne Burgfest?

Carolin: Ja klar, wir haben uns ja auch vorher schon gekannt. Meinen Junker Robin zum Beispiel schon aus dem Sandkasten in der Grundschule. Und auf dem Burgfest natürlich sowieso, das ist ja für alle Königsteiner nicht nur der Höhepunkt im Jahr, sondern auch ein großes Klassentreffen für alle, die weggezogen sind. Da kann ich nur an die Stadt appellieren, das Fest auch weiterhin zu unterstützen und zu erhalten, es ist wichtig für die ganze Region.

KöWo: Apropos Höhepunkte...

Carolin: Da habe ich ja das Jubiläumsjahr zu den 700 Jahren Stadtrechte als Burgfräulein miterlebt, das war etwas Besonderes, wie ich es sowieso genossen habe, in einer langen Tradition zu stehen. Vor allem habe ich dabei auch erkannt, dass in Königstein unheimlich viel Kultur geboten wird, das könnten die Königsteiner ruhig auch mehr nutzen. Großartige Stimmung war zum Beispiel auf dem Benefizkonzert gleich nach dem Burgfest oder auch auf dem Ritterturnier. Am eindrucksvollsten ist und bleibt aber die Inthronisation, wenn sich das Rad vom Burgfest zu drehen beginnt.

KöWo: Wenn sich das Rad einmal dreht, kommt man aber auch nicht mehr heraus – hast Du ein paar „Überlebenstipps“ für Deine Nachfolgerin Nora?

Carolin: Natürlich muss man den Spagat zwischen Feiern und Repräsentieren irgendwie hinbekommen, dazu gehört auch, Prioritäten zu setzen, aber dabei hilft der Burgverein ganz wunderbar. Vor allem wünsche ich ihr, dass es ihr so gelingt wie mir, mit meinem Hofstaat als Gruppe zusammenzuwachsen und das Jahr in dieser Gruppe zu genießen. Und wenn man offen auf die Leute zugeht, lernt man viele nette, spannende und interessante Menschen kennen und gewinnt auch neue Freunde.

KöWo: Und was rätst Du den jüngeren Mädchen, die vielleicht den Traum haben, einmal Burgfräulein zu werden, die brauchen wir zur Traditionserhaltung ja auch.

Carolin: Also ich hatte als Kind eigentlich mehr den Traum, Hohe Burgfrau zu werden, und nicht so sehr, im Rampenlicht zu stehen ...

KöWo: ..aber der Weg dorthin führt nur über das Burgfräulein-Jahr ...

Carolin: ... uns da bin ich ganz langsam reingewachsen, meine Mutter war schließlich 1985 auch schon Burgfräulein. Allerdings hat mich auch niemand gedrängt, sondern wir haben es uns als Familie in Ruhe überlegt. Das ist ganz wichtig im Familienkreis: Alle müssen es wollen, denn man braucht deren Unterstützung und Verständnis.

KöWo: Ich erinnere mich noch gut, wie Ihr mit Deinem Vater den Wagen im Hof gebaut habt. Schade, dass das nun alles vorbei ist, oder würdest Du noch eine Amtsperiode dranhängen?

Carolin: Nein, ein Jahr ist eine gute Länge. So behalte ich diese schöne Zeit in positiver Erinnerung, als etwas Einmaliges. Ein zweites Jahr würde wahrscheinlich doch zu viel Routine bedeuten, denn vieles wiederholt sich ja. Außerdem kann ich mich ja nun als Hohe Burgfrau weiterhin beteiligen. Das ist eine ganz hervorragende Idee gewesen, wie ich im Gespräch mit vielen anderen Hoheiten auf Königinnentreffen erfahren habe: Ich bin nach meiner Amtszeit nicht irgendeine „Exe“, sondern als Hohe Burgfrau weiter mit dabei.

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