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Kompostierung war gestern, Vergärung ist heute

Kommt gar nicht in die Tüte von Markus Töpfer: Thomas Boller (v.li.), Gertrud Schwager, Katja Metz, Alexander Hees, Markus Töpfer, Annette Hogh, Martin Orlopp, Nicole Rauber- Jung, sind dank des Vortrages nun schlauer. Foto: Stehle

Königstein (dea) – Markus Töpfer, Geschäftsführer der RMD Rhein-Main Deponie GmbH in Flörsheim-Wicker, war gerne der Bitte seiner Parteifreunde der Königsteiner CDU gefolgt, um seinen Beitrag zur Aufklärung der interessierten Endverbraucher in Bezug auf die Abfallentsorgung zu leisten. Im Balkonzimmer der Villa Borgnis fand eine vorher hinreichend angekündigte Informationsveranstaltung der CDU Königstein statt, die leider nur sehr wenige Königsteiner und Königsteinerinnen interessierte. Dabei war der kurze und knackige Beamervortrag von Markus Töpfer alles andere als langweilig. Auch wenn das Thema nicht sehr appetitlich war, so ist die Problematik der speziellen Müllentsorgung nur mit gut informierten Bürgern möglich. So erfuhren die Anwesenden eine ganze Menge rund um diese neue Herausforderung, der sich jeder stellen muss. Ganz wichtig waren dabei die aus Biokunststoffen hergestellten „kompostierbaren“ Bioabfallsammelbeutel, die im Handel erhältlich sind und dem Käufer suggerieren, dass er damit bei der Entsorgung seines Hausmülls alles richtig macht. Dass dem leider nicht so ist, erklärte dann Markus Töpfer anhand von Bildern, die zeigten, dass im verrotteten Abfallhaufen diese Tüten nach wie vor noch als solche klar zu erkennen sind und damit aussortiert werden müssen.

Hintergrund ist hier ein besseres Verfahren, welches die so genannte Rottezeit von zwölf Wochen bei einer Kompostierung auf neun Wochen bei einer Vergärung reduziert. Da der Bioabfall zurzeit in der Biogasanlage in Flörsheim-Wicker und zukünftig in der sich gerade im Bau befindlichen Biogasanlage Deponie Brandholz entsorgt wird, zeigte er anhand von „nicht sehr schönen“ Fotos, wie sehr falsch entsorgter Müll – sprich: Sammeltüten aus Plastik, Fehlwürfe in Form von unsortiertem Restabfall und Fehlwürfe im getrennt gesammelten Bioabfall, den Vergärungsprozess schwieriger machen und damit unnötig verteuern. Um den ständig Abfall verursachenden Bürgern hier einfach zu vermitteln, was in die Biotonne gehört und was nicht, wurde kindgerecht das Maskottchen „Willy Wurm“ ins Leben gerufen, dessen Aufgabe es ist, unmissverständlich zu zeigen, was er mag und was nicht. So kann sich jeder fragen, bevor er die Entscheidung trifft, wie der betreffende Müll entsorgt werden soll, ob dieser einem Wurm „schmecken“ könnte. Denkt man da zum Beispiel an Hundekot, Zigarettenkippen, behandelte oder lackierte Holzreste, Tierkadaver, Keramik, Steine, Bauschutt, Inhalt von Staubsaugerbeuteln, Textilien, Teppiche, Tapeten, Verpackungen, Restabfall, Sondermüll, Chemikalien aller Art, flüssige Abfälle, Batterien, Glas, Gummi, Leder, Dosen, Metalle und Styropor usw., ist die Antwort eigentlich gar nicht mehr so schwer.

Die Weigerung von einigen Personen, hier auf eine Trennung zu achten, schadet diesen und der Allgemeinheit, denn da auch unser Müll sich in einem Kreislauf befindet, kommt zwangsweise alles irgendwann und irgendwie wieder zu uns zurück.

So werden unsere Bioabfälle stofflich überwiegend in der Landwirtschaft, auch im Rahmen von Rekultivierungsmaßnahmen, in der Versorgung von Boden und Nutzpflanzen mit Nährstoffen wie Stickstoff, dem immer seltener werdenden Phosphor und Kali, sowie für den Humusaufbau im Boden durch Zufuhr von organischer Substanz genutzt, was wiederum die Bodenfruchtbarkeit erhält und den Boden vor Erosion schützt. Der natürliche Stoffkreislauf wird geschlossen.

Damit auch alles in seinen Bahnen ordnungsgemäß läuft, hat der Abfallverwerter sich nach rechtlichen Vorgaben für die landwirtschaftliche Verwertung zu richten, die unter anderem regeln, dass die Ausgangsstoffe nach der BioAbfV zulässig sein müssen, dass die Anforderungen an die Behandlung in Bezug auf Seuchen- und Photohygiene erfüllt werden und natürlich auch, dass die Grenzwerte für Schad- und Fremdstoffe nicht überschritten werden.

Daher appellierte der Geschäftsführer der Rhein-Main Deponie GmbH eindringlich an die „Müll richtig zu entsorgen habenden und es nicht tuenden Bürger“ dass es in deren ureigenem Interesse liegt, hier gewissenhafter vorzugehen.

Denn zum einen kommt – wie bereits erwähnt – ja alles wieder zu uns zurück. Wer will schon Hundekot oder Zigarettenasche, wenn auch nur in Kleinstmengen, in seinem Lebensmittel wissen? Zum anderen ist das Ganze auch eine Kostenfrage: So kostet die Entsorgung einer Biotonne 59 Euro, aber die Kosten für die Entsorgung einer Restmülltonne schlagen mit 150 Euro zu Buche. Da weder Abfallentsorger noch Kommune bei den Gebühren Gewinne machen dürfen, können sich alle Bürgerinnen und Bürger bei regelmäßiger, ordnungsgemäßer Müllentsorgung sogar auf eine Rückzahlung der Müllgebühren, respektive der Einführung von niedrigeren Müllgebühren freuen. Hier war der anwesende Königsteiner Bürgermeister Leonard Helm gefragt, der gerne darüber informierte, dass bis jetzt schon eine ansehnliche Ersparnis in diesem Bereich erkennbar sei, die nach einem Zeitraum, in welchem man einigermaßen sicher das geänderte Müllverhalten einschätzen kann, auch wieder an die Haushalte in Form von Rückerstattungen zurückgeführt wird. Allerdings wollte sich Helm nicht festlegen lassen, wann dieser Zeitraum endet. „Hier wird die ausstehende Entscheidung gemeinsam mit dem Magistrat noch zu treffen sein. Um Nachjustierungen aufgrund von einer zu schnellen Entscheidung zu vermeiden, werden voraussichtlich im Herbst die Gebühren angepasst“ , so Helm.

Für die CDU war dies trotz der geringen Bürgerbeteiligung ein wichtiger Vortrag, für den sich die Parteivorsitzende Annette Hogh bei Markus Töpfer mit einem Königsteiner Bembel und einem jahrgangsreinen Gold Parmänen Apfelwein beim „Frankfurter Bub“ Töpfer passend bedankte.

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