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Pater Lukose will Guwahati zur kinderfreundlichen Stadt machen

Königstein (aks) – Der „Königsteiner Salon“ der Stiftung Childaid Network ist diesmal ein besonderer, er widmet sich der Arbeit von Pater Lukose und findet auf Englisch statt, denn Lukose berichtet persönlich von seiner Arbeit im Nordosten von Indien. Er lächelt, wenn er Fotos „seiner“ Kinder zeigt und er kennt den Namen jedes einzelnen von ihnen und erzählt deren anrührende Geschichte und wie es aus bitterer Armut zu seinem selbst bestimmten Leben geschafft hat.

Während wir im Überfluss leben und unsere Mülltonnen voll mit essbaren Lebensmitteln sind, herrscht in Indien bittere Not – vor allem Kinder riskieren dort Tag für Tag ihr Leben. In der Millionenstadt Guwahati – „2 million people, lots of dirt“ im Bundesstaat Assam leben Zehntausende Kinder auf der Straße, vernachlässigt, hungrig, schutzlos. Pater Lukose, Salesianer der Don Bosco Ordensgemeinschaft, die seit dem 19. Jahrhundert zu den Pionieren der pädagogischen Jugendarbeit zählt, hat das Elend der Kinder lange verfolgt. Auf der Beerdigung von Mutter Theresa 1997 in Kalkutta, die er persönlich kannte, hatte er eine Eingebung und ihm wurde schlagartig klar, dass er sofort handeln muss, um diese Kinder von der Straße zu holen. Der charismatische kleine Mann beeindruckt die Zuhörer im Haus der Begegnung mit Charme und Bescheidenheit. Bei jedem seiner Worte wird spürbar: da steht jemand, dessen Herz für Kinder schlägt, und der versucht im christlichen Sinne der Nächstenliebe so viele „Schäfchen“ wie möglich von der Grausamkeit ihres Alltags auf den Bahngleisen zu retten. So steht es auch in der Bibel: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. 2001 wohnte er mit acht Jungen in einer kleinen Hütte. Dabei hatte er keine Ahnung, wie er den Bedürfnissen der Straßenkinder gerecht werden könnte, erzählt er und schmunzelt: „It was learning on the job“. Er wusste nur, dass Hilfe sofort und schnell geschehen müsste, um nicht noch mehr Kinder auf der Straße zu verlieren. Eins war ihm klar, die Kinder und Jugendlichen, die von ihren Eltern – und der Gemeinschaft – im Stich gelassen wurden, brauchten vor allem Liebe und Vertrauen. Aus der kleinen Hütte mit den acht Jungs entstanden, auch mit der Hilfe der Königsteiner Stiftung Childaid Network, fünf Kinderheime und Heime für Jugendliche in Guwahati. An diesen sicheren Orten bekommen alle Kinder Zugang zum Schulbesuch – 90 Prozent der Straßenkinder sind Analphabeten - und zu einer Berufsausbildung, nur so erhalten sie die Startchancen für ein selbst bestimmtes Leben. Pater Lukose betont mehrmals, dass das Ziel der Einrichtungen der Don Bosco Salesianer ist, die Jugendlichen unabhängig zu machen, damit sie aus eigener Kraft für sich selbst und ihre Familien zu sorgen können.

Dr Martin Kasper hat 2006 die Stiftung Childaid Network in Königstein ins Leben gerufen. Auf einer seiner Reisen durch Indien lernte er 2006 Pater Lukose kennen, der fast im Alleingang fünf Waisenhäuser schuf. Seitdem engagiert sich Kasper für dieses Projekt. Der Name Childaid Network steht für die Vernetzung bestehender Angebote. So brachte der ehemalige Unternehmensberater die Salesianer mit den Rotariern und den Lions Clubs zuletzt auch mit der indischen Tata-Foundation zusammen. 150 ehrenamtliche Helfer sind an seiner Seite, mehr als 100 waren schon vor Ort aktiv.

Anfangs wurde Lukose für verrückt erklärt. Wie sollte es gelingen, so vielen Menschen zu helfen? Er nutzte die Hilfsbereitschaft von vielen nach dem Prinzip „we mobilize mobility“. Jeder ist angesprochen – jeder kann helfen – jeder kann spenden, mit Knowhow, Fürsorge oder Geld. Ein Euro pro Tag – mehr braucht es nicht, um in Indien ein Kinderleben zu retten und mit Bildung auf einen unabhängigen Lebensweg zu schicken. Heute blickt er auf ein Lebenswerk zurück, das tausend Kindern Glück gebracht hat. 600 Kinder hat man wieder zurück in die Familien gebracht. Er will keine Dankbarkeit, er ist zufrieden, wenn jedes der Kinder seinen eigenen Weg findet und ihn gehen kann, aus eigener Kraft: „The goal is to make them stand on their own feet“.

Lukose und Kasper machen deutlich, dass Bildung Kapital ist, das nie verloren geht, sie verbessert und verlängert Leben, die Einkommen aller erhöhen sich und nur so kann man dem Teufelskreis der Armut entfliehen. Das muss die indische Regierung erkennen und helfen. Sie wollen keine Waisen in die Welt schicken, nicht in „Gewächshäusern sollen sie gedeihen, sondern auf dem Feld“! Nach der Vermittlung von Schulbildung und einer Berufsausbildung ist deshalb das wichtigste Ziel die Re-Integration in die Gesellschaft. Das nennt er „after care“, deshalb kosten gerade die Jugendlichen noch einmal Geld, um sie mit einer Berufstätigkeit auf den rechten Weg zu bringen. Die Herausforderung ist ein geregeltes Leben mit einem Minimum an Disziplin. Wer zu lange auf der Straße lebt, sieht in der Disziplin keinen Sinn mehr, sondern lebt, wie es ihm gefällt, und nennt es Freiheit. So hat es auch Lukose erfahren, als vier seiner acht Jungs nicht in die Schule gehen wollten.

Lukose und seine Ordensgemeinschaft definieren die Rechte der Kinder als Recht auf Überleben, als Recht teilzuhaben, als Recht sich zu entwickeln und das Recht, beschützt zu werden. Was uns hier selbstverständlich erscheint, gilt für die Kinder in den Straßen nicht. Sie schnüffeln Klebstoff, um ihr Leben erträglicher zu machen oder fristen als Sklavenarbeiter ein trostloses Dasein ohne Zukunft. Dabei sehnen sie sich wie alle Kinder auf der Welt nach der Liebe der Eltern, nach Schutz und Nahrung, aber auch nach unbeschwerter Freude. „Healing little hearts with love“, lautet das Motto Lukoses. Spiel und Spaß spielen in den Heimen der Salesianer eine große Rolle, da wird Akrobatik, Tanz und Gesang geübt, da werden Ausflüge in Freizeitparks für alle Kinder organisiert, und riesigen Anklang fand zuletzt der Basketball-Court, damit die Kinder lachen und für ein paar Stunden ihr schweres Schicksal vergessen können. Christliche Gebete gehören in den Don Bosco Heimen zur Tagesordnung, ansonsten wird niemand zu einem bestimmten Glauben angeleitet: „Gottes Liebe gilt für alle.“ Die Heime sind nach Alter und Geschlecht getrennt, vor allem Mädchen brauchen besonderen Schutz, der von den Salesianischen Schwester gewährleistet wird.

Viele Schulabgänger arbeiten heute in Hotels, in Büros, Kosmetiksalons, als Mechaniker, in Krankenhäusern oder als Fahrer. Sogar einen Master kann man an der Don Bosco University machen, im Centre of juvenile justice.

Pater Lukoses Botschaft zum Abschluss ist eine Aufforderung an alle: „Join hands to make a world of love!“ Reicht Euch die Hände für eine Welt voller Liebe. Er hat es bewiesen „a child friendly world – it can be done!“

Mehr Informationen unter www.childaid.net - helfen kann jeder – spenden kann jeder:

Commerzbank Frankfurt IBAN DE9650040000037550550 BIC COBADEFFXXX!

Pater Lukose Cheruvalel referierte auf Einladung von Childaid Network über die Jugendarbeit in den Elendsvierteln der indischen Millionenstadt Guwahati.

Foto: Sura

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