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Es reicht die erste Stufe

Zusammen mit Theaterpädagogin Stefanie Kaufeld vom Verein „Perspektiven“ (Mitte vorne) studierten unter anderem Alexander Hausmann, Eberhard Wirtz, Andreas Giese und Petra Lensing-Althaus das Stück „Auf der Suche nach dem Weg…“ ein. Foto: Pfeifer

Königstein (pit) – Der Verein Perspektiven, den es nun seit über 25 Jahren gibt, wurde dazu gegründet, psychisch erkrankten, seelisch behinderten oder körper- und sinnesbehinderten Menschen zu helfen – innerhalb einer Tagesstätte und einer psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle. Es geht um personenzentrierte Hilfeplanung und Hilfe zur Selbsthilfe im gewohnten Lebensumfeld.

Eine der vielen sich hierzu bietenden Möglichkeiten ist die Theaterpädagogik – eine Variante, die schon vor zwei Jahren von Erfolg geprägt war, als eine Gruppe der Teilnehmer an diesem Programm das Stück „Romeo und Julia“ einstudierte. Damals fand die Aufführung lediglich in einem internen Kreis statt.

Die Gruppe, die dieses Mal unter der Leitung von Theaterpädagogin Stefanie Kaufeld eine Produktion eingearbeitet hat, widmete sich einem autobiografischen Stück und hat es in der Friedrich-Stoltze-Schule öffentlich dargeboten. Unter dem Titel „Auf der Suche nach dem Weg…“ hat nahezu jeder Teilnehmer etwas aus seiner Alltagssituation beigesteuert, von seinen Sorgen und Wahrnehmungen. „Es war ein Produkt des Projekts“, berichtet Stefanie Kaufeld. Zunächst sei es überhaupt erst einmal um eine Gruppenfindung gegangen und dann um die Überlegung: „Was machen wir jetzt?“ Gemeinsam habe man aus vielen Möglichkeiten das Thema Zukunft gewählt. Hierzu hat die Theaterpädagogin mit jedem Einzelnen Interviews geführt, woraus wiederum Texte entstanden und das Stück sich entwickelte.

Es ging um die Wünsche an das Leben und die Zukunft, um Ängste und Befürchtungen, um Krankheiten, die Arbeit und die Suche nach Entscheidungen. Schließlich ist allen fünf Schauspielern gemein, dass sie aufgrund seelischer und körperlicher Erkrankungen entweder eine Erwerbsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente erhalten.

„Ein für mich wesentlicher Kernpunkt war die Aussage: Du musst nicht die ganze Treppe auf einmal nehmen, es reicht die erste Stufe“, sagt „Mitspieler“ Eberhard Wirtz. Denn im ersten Akt stand das Thema „Zukunft“ im Vordergrund.

Doch um zu so einem Ergebnis zu kommen, braucht es allerhand an Offenheit und Selbstreflektion. So wie bei Alexander Hausmann: „Aufgrund äußerer Umstände und meiner Krankheit musste ich feststellen, dass alles nicht mehr so ging, wie zuvor.“ Auch dies wurde ein Bestandteil des frei inszenierten Theaterstücks, das mit kurzen autobiografischen Filmen und Musik angereichert wurde. Eine mögliche Lösung sei es wohl, das Gesicht nach vorne zu wenden.

Im zweiten Akt ging es dann um Hoffnung und Angst, um den Spannungsbogen zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Anhand eines Ballspiels stellte das Ensemble dar, was es bedeutet glücklich zu sein. Zum Beispiel Tee mit Honig oder sich einfach mal treiben zu lassen, ohne zu grübeln. Das war auch der Moment, als in dem Theatersaal das Licht anging und „Hoffnungs-Lose“ ans Publikum verteilt wurden. Mit Freude nahm jeder Einzelne diese Gabe an und entdeckte darin „Muntermacher“ wie zum Beispiel: „Die Sonne ist schön und bringt Freude in dein Leben“ oder „Sei ständig darauf bedacht, dein Leben neu zu überdenken“.

Der dritte und letzte Akt schließlich handelte von Träumen und der Entscheidungsfrage: Was ist der Weg für meine Zukunft? Ein Part, der besonders beim Resümee der Schauspieler zum Tragen kommt: „Während der Proben schon habe ich gemerkt, dass ich belastbarer bin, als ich vorher dachte“, meint Petra Lensing-Althaus. Schön sei es, wenn man gefordert werde. Etwas Ähnliches sagt auch Alexander Hausmann hinsichtlich seiner Krankheit: „Ich konnte mit Freude feststellen: Ui, so belastbar bin ich jetzt schon!“ Solche Feststellungen würden dem Leben wieder einen Sinn geben.

Besonders gute Nachrichten hat Andreas Giese seinen „Kollegen“ zu präsentieren: „Die Hilfe, die ich hier bei ‚Perspektiven’ bekommen habe, hat schon gefruchtet.“ Ihm sei ein neuer Job angeboten worden. Übereinstimmend sagen alle über das Projekt, dass es ein schönes Gruppengefühl geschenkt habe, obwohl es auch eine Belastungsprobe gewesen sei. Jeder habe jeden motiviert, alle seien ein Stück über sich hinausgewachsen und der Zusammenhalt sei immer stärker geworden.

Eine ganz besondere Erfahrung hat auch Alexander Hausmann mitgenommen, der diese auch während des Stücks äußerte: „Das Strahlen kommt wieder von innen heraus.“ Lange habe es dafür gebraucht.

Berührt zeigte sich auch das Publikum von diesem autobiografischen Einblick in das Leben Betroffener. Manche hatten Tränen in den Augen, andere konnten wiederum die ergreifende Darstellung von Ängsten und Befürchtungen durch die entsprechenden Körperhaltungen der Agierenden kaum ertragen. Doch der große Applaus und die durchweg positive Resonanz gaben dem kleinen Ensemble eine der wohl schönsten Gagen, die man auf Bühnenbrettern erhalten kann.

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