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Mammolshain feierte eine goldene Oktober-Kerb

Ohne Teamwork geht da gar nichts: Das Aufstellen eines Kerbebaums ist eine Kunst für sich, erst recht, wenn es auf engem Raum geschehen muss. In diesem Jahr wurde das bunte Bäumchen erst zum zweiten Mal auf dem Bornplatz „gehisst“, wo – unter einem Gullydeckel versteckt – schon frühzeitig bei der letzten Neugestaltung eine Halterung eingeplant worden war.
Fotos: Friedel/Igges

Mammolshain (hhf) – Oft genug mussten sich die „Schnaken“, wie man die Mammolshainer auch nennt, während ihrer Kerb in Sachen Gold auf den Topf verlassen, der angeblich am Ende des Regenbogens steht – und das könnte, wie einige schon beim Panoramablick auf Frankfurt festgestellt haben durchaus im Bankenviertel sein. Das Datum im Oktober ist wahrlich nicht mit einer Wettergarantie versehen, aber von unanfechtbarem Reglement vorgeschrieben, nämlich als Gedenkfeier an das Datum der Kirchweih gebunden.

Datum

Die Kirche St. Michael wurde am 3. Oktober 1948 eingeweiht, wie Ortsvorsteher Hans-Dieter Hartwich während dem Kerbebaumstellen erklärte, und so wird eben seither im Herbst die Kerb in Mammolshain gefeiert. Mit Ausnahmen freilich, es gab in früheren Zeiten schon mal personelle Engpässe – bis 1994 der Kerbeverein gegründet wurde, um die Tradition zu retten. Für die viele Arbeit seither dankte der Ortsvorsteher den Mitgliedern noch einmal ausdrücklich: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Vor allem nicht, wenn das Wetter nicht mitspielt.

War man in den letzten Jahren oft froh, wenn der Regen wenigstens ab und zu nachließ, so hätte es in diesem Jahr nur gefehlt, dass irgendjemand sich über Sonnenbrand beklagt haben würde, immerhin waren in den Reihen der Kerbeburschen und –bürschinnen etliche Sonnenbrillen auszumachen. Gleißender Sonnenschein, darin funkelnder Apfelwein und rotbraun leuchtende Esskastanienbäume – so könnte glatt das Wappen von Mammolshain aussehen und so präsentierte sich das Edelkastaniendorf zur diesjährigen Kerb im goldenen Oktober.

Gesang

Nur mit dem Schweigen, das gegenüber dem Reden bekanntlich Gold ist, hatte man an diesem Wochenende keinen Vertrag geschlossen, obwohl die Kehlen der Kerbeburschen und -mädels am Freitagabend bloß die Silbermedaille holen konnten. „Die Schneidhainer waren gestern Abend wohl etwas lauter“ spielte Bernd Reimann, der das Zeremoniell des Kerbebaumstellens moderierte, auf den sängerischen Wettstreit der jungen Gastgeber an. Dennoch sind die Mammolshainer gerade darauf stolz, dass sie von Neuenhain bis Liederbach viele Kerbevereine der Umgegend zu Besuch hatten, eine Wertschätzung, die man sich über das Jahr durch Gegenbesuche verdient.

Konzept

„Das neue Kerbekonzept geht auf, gerade dieses Jahr ist es rundum gelungen“, erzählt Martin Igges, aus seinem Stolz darauf macht der Beisitzer und Pressesprecher des Kerbevereins keinen Hehl.

Vor beinahe zwei Jahren hatte man einen radikalen Schnitt gewagt und den Kerbebaum samstags auf den Bornplatz gestellt, während der Kerbeplatz in und vor der Halle des Getränkehandels Elzenheimer in der Schwalbacher Straße blieb.

Dort installierte man auch ein Oktoberfest am Freitagabend, das ohne Baum genaugenommen noch vor der Kerb liegt.

Die großen Veränderungen und etliche weitere Ideen wurden gut angenommen, trotzdem entwickelt sich das Konzept beständig weiter. In diesem Jahr hatte man zum Beispiel den Fanfarenzug Kronberg gebeten, den kaum 300 Meter langen Umzug der Kerbeburschen mit dem Baum zum Bornplatz und dessen Aufstellung musikalisch zu begleiten, ein Glücksgriff, der künftig zur Tradition werden soll.

Freitag

Mit dem Oktoberfest am Freitagabend hatte die Kerb einen fulminanten Start hingelegt, ab 20 Uhr füllten die „Original Rosekippler“ die Festhalle (eigentlich das Lager von Getränke-Elzenheimer) mit „Oberkrainer-Sound“ und animierten die Gäste, die sich in und vor der Halle drängten, schnell zum Mitsingen.

„Es war richtig voll, auch draußen“, freute sich Kerbevereins-Vorsitzender Michael Schiffmann auch über das Wetterglück. Und noch ein Umstand war äußerst glücklich, denn erstmalig in der Geschichte der Kerb gingen den Veranstaltern kurzfristig die Gläser aus – kein wirkliches Problem, wenn man auf dem Gelände eines Getränkehändlers feiert, sondern nur ein paar Gänge um die Ecke, wo auch noch genug Vorräte an Festbier zu finden waren.

Samstag

Das „Maigrün“ passt zum Oktoberfest genauso gut wie zur Kerbefeier, also musste die Halle nicht wesentlich umdekoriert werden, nur die Putztruppe hatte einen schweren Stand, aber wenigstens genug Zeit. Währenddessen kümmerten sich die Kerbeburschen unter Anleitung von Baumspezialist Daniel Schießer mit Axt und Krepppapier um den Kerbebaum. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus wurde in einem kleinen Verkehrschaos noch der Schlagges befestigt, die Musiker trafen ein und man war pünktlich bereit zur Abreise.

Am Bornplatz hatten sich ab 17.30 mehr und mehr Zuschauer eingefunden, die dem Akt des Kerbebaum-Aufstellens beiwohnen wollten und es sicher auch auf ein Glas Apfelwein danach abgesehen hatten. Bernd Reimann moderierte die Aktion mit tontechnischer Unterstützung von Thilo Maier. Um 17.45 Uhr signalisierte ferne Musik, dass der Kerbeumzug sich näherte, dann erschien der Traktor mit Kerbebaum und Gefolge malerisch an der Seite des Bornplatzes, die von der Kirche überragt wird. Ein kurzer Anmarsch zwar, aber mit Grandezza und reichlich Applaus.

Baum

Langsam verdrängte der Kerbebaum die Zuschauer vom Bornplatz, die erst einmal einen Sicherheitsabstand einhalten mussten, dann kündigten Trommelwirbel an, dass es ernst wurde. In mehreren Stufen, zunächst gestützt mit Tischen und Stangen stieg der Schlagges dem Himmel entgegen. Nadeln und bunte Bänder rieselten aus dem Baum, als er im Bodenloch einrastete – und sogar ein „Maronenigel“, Mammolshain ist eben ohne Esskastanien nicht denkbar.

„Mehr nach links“ lotste Bernd Reimann mit Fernblick über Mikrofon beim Fixieren im Loch, ein paar wuchtige Schläge, noch eine herzhafte Rüttelprobe, dann stand der Kerbebaum sicher. Eine Maßanfertigung für den kleinen Platz in der Dorfmitte, nicht zu hoch, aber auf einer Linie mit dem Frankfurter Fernsehturm. „Er ist bestimmt einen Meter höher als der Spargel“ wurde selbstbewusst gemutmaßt, doch muss die Redaktion hier enttäuschen: Die Spitze des Turmes liegt bei nicht exakt gegoogelter Bodenhöhe von Bockenheim etwa 437 Meter über dem Meeresspiegel, der Bornplatz laut Wanderkarte nur rund 280 Meter.

Apfelwein

Nichtsdestotrotz wurde der Platz nun unter Gesang und Fahnenschwenken der von ihrer Last befreiten Baumträger wieder freigegeben, Bernd Reimann stellte die 14 Kerbeburschen und vier Jungkerbeburschen – ein Sammelbegriff, es sind je etwa zur Hälfte Kerbemädels – unter kräftigem Applaus namentlich vor und dankte Daniel Schießer noch einmal ausdrücklich, der den Kerbebaum seit Jahrzehnten fachlich betreut.

Hans-Dieter Hartwich appellierte, beim feiern dabei zu sein, aber auch am Sonntag in der Kirche – das lohne sich alleine schon wegen der Gesichter der Kerbeburschen.

„Der Schlagges sieht aus wie ein Kerbebursche am Sonntag“ vertiefte Bernd Reimann diesen Gedanken noch, während der Ortsvorsteher, assistiert vom Ersten Stadtrat Walter Krimmel den vom Kerbeverein spendierten Apfelwein anzapfte. Zwei Schläge brauchte er für den Hahn, dann etwa acht weitere mit langem Arm, um den Pfropfen aus dem Spundloch zu entfernen. „Du stehst gut, wenn was kommt“, warnte der Moderator noch, dann kam es und der Mann mit dem Mikrofon warnte: „Zigaretten aus“, das Stöffche ist schließlich selbst gemacht und da weiß man nie so recht.

Nach Umtrunk und Kuchen verlagerten die Akteure mit ihrem Publikum das Geschehen allmählich in die Festhalle, wo der Kerbetanz mit den „Diamonds“ nach mehreren Zugaben für die Letzten erst gegen 4 Uhr morgens endete.

Sonntag

Schon um 9.30 Uhr traf man sich zum Gottesdienst in St. Michael wieder, den die Musikschule mit munteren Klängen umrahmte, dann begaben sich die Mammolshainer gemeinsam zum Frühschoppen, der nahtlos in den nachmittäglichen Kerbeausklang überging. Für reichlich Stimmung sorgte diesmal Musikant Werner Erker, der auch schon einmal mit der Trompete eine Runde durch die Halle drehte. Richtig gute Laune machte auch das Mittagessen, Rotkohl und Knödel, die in der Halle frisch gekocht wurden.

Auf dem Platz davor konnte man sich im Schießen oder Pfeilwerfen messen und die Hüpfburg war stets gut besucht – mit den drei Stationen und einigen Sitzgarnituren nebst Toilettenwagen war der kleine Kerbeplatz dann auch schon voll. Die Krönung des Tages stellte sicherlich die Gewinnverteilung der Tombola dar, eine Aktion, die die Kerbeburschen ohne erwachsene Hilfe organisiert hatten.

Ende

Um 10 Uhr begann am Montag der Abbau, ein weiterer Härtetest, den die Kerbeburschen aber auch bravourös bestanden. Um 16 Uhr war alles erledigt und es gab noch einmal ein Extralob vom Pressesprecher: „Die Kerbeburschen und -mädels sind nämlich die eigentlichen Ausrichter der Kirchweihfeierlichkeiten“ erinnerte er, der Verein unterstütze sie nur bei ihrer Arbeit.

Und die ist noch nicht ganz vorbei: Christiane Brendel ersteigerte den Kerbebaum. Sie wohnt – Zufall oder Berechnung – gegenüber des Kerbeplatzes, doch wurde ihr der Baum nicht etwa passgenau vor die Tür gefällt. Vielmehr setzen die Kerbeburschen ihre Ehre dahinein, dass der Stamm (in Teilen) zunächst wieder abtransportiert wird und zu einem späteren Zeitpunkt dann als fertig gespaltenes Kaminholz seine Zustellung findet. Sogar das Aufsetzen der Scheiter gehört zum Geschäft, was im Gegenzug beinhaltet, dass die Lieferanten an diesem Tag anständig beköstigt werden.

Außerdem steht schon am nächsten Wochenende Thekendienst beim Apfel- und Kastanienmarkt des OGV an, die Vereine helfen sich traditionell gegenseitig. Vieles läuft gut, oft sogar ohne Absprache, denn die Termine und Dienste hat jeder im Kopf. Das könnte sich allerdings im nächsten Oktober ändern, denn 2019 feiert der Kerbeverein sein 25-jähriges Bestehen. Nach einigen schweren Jahren nun durch den Erfolg beflügelt und mit starker Mannschaft wollen sie dann etwas besonderes auf die Beine stellen. Sogar die Kasse dürfte nach diesem Wochenende für Extrawünsche gut genug gefüllt sein – und hoffentlich kommt am Weihnachtsmarkt noch etwas dazu. Er findet in Mammolshain übrigens am 3. Advent statt.

Ob die Kerbeburschen und -mädels –ähnlich wie die Gallier – wohl in ständiger Angst leben, dass ihnen der Bembel auf den Kopf fallen könnte? Beim Rundblick über die Kerbehalle am Sonntag hatten die zwei vorherigen Feier-Tage schon sichtbare Spuren hinterlassen.
Foto: Igges

Zum Anstechen des Apfelweins erhielt Ortsvorsteher Hans-Dieter Hartwich (links) kernstädtische Unterstützung vom Ersten Stadtrat Walter Krimmel.
Foto: Friedel

Selbst die Ziehung der Tombolagewinne erfolgte stilgerecht aus einem bembelähnlichen Gefäß, moderiert und geleitet von Kerbemädel Sabrina (links).
Foto: Igges

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