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Königsgucker

Da staunt der Königsgucker ja schon, und zwar seit längerem, wenn er brav zu Fuß zur Redaktion läuft. Genaugenommen staunt der ehemalige LKW-Fernfahrer mit Speziallizenzen ja schon lange über die Verhaltensmuster im heutigen Straßenverkehr (und weiß, warum er diesen Beruf nicht mehr ausübt), doch spielten sich in der Baustelle Klosterstraße seit der Öffnung für Anlieger von oben her ganz besondere Szenen ab. Zunächst bestaunenswert: Trotz früherer Bürgerproteste gegen die wirklich sehr starke Temposchwelle plumpsen nun permanent Fahrzeuge in die Baustelle, die den Bodenverhältnissen nicht gewachsen sind, da halblegale Abkürzung lockt. Klarer formuliert: Diejenigen Fahrer/innen, die sich mit ihrem SUV nicht in die Tiefgarage der Supermärkte oberhalb trauen, merken hier, was bei ihrem Kompromissvehikel der Unterschied zur Bodenfreiheit eines Traktors ist und die Kleinwagenfahrer/innen schalten offenbar ihr Spargehirn völlig aus.

Doch das Gerumpel unter dem Unterboden scheint wenig zu stören, wenn die Route nur persönliche Vorteile verspricht. Dabei fehlt allerdings zunehmend der nötige Weitblick (auf rund 300 Meter), denn schon vor drei Wochen wurde das erste Fahrzeug registriert, das inmitten einer Baustelle hupend versuchte, dem Baggerfahrer zu signalisieren, dass er doch mal Pause machen solle, um den Schleichverkehr durchzulassen.

Noch schlimmer die Situation Mitte November: Nach zwei, drei Tagen der freien Durchfahrt (nach illegaler Entfernung der Absperrungen durch unbekannte Frevler) hatte die Baufirma doch noch einmal ein Loch am Ende der Baustelle ausheben müssen und zur Sicherheit den Bagger davor gestellt. Und das war, wie man in homosexuellen Kreisen gerne sagt, eben auch „gut so“, denn schon zur Feierabendbesprechung der Baufirma im Container fielen erste Kraftfahrerinnen auf, die per Hupe den unbeleuchteten, abgestellten Bagger zur Räumung ihres Verkehrsraumes auffordern wollten. Loch darunter egal, „was wollen Sie denn, da komme ich schon durch“, danke für diese Aussage, die Leasing-Firma wird es anders sehen...

Der Königsgucker wäre ja nun gerne schmollend seines Weges gezogen, doch ging dies erst einmal gar nicht, da der Fußgängerweg von einem wendenden Fahrzeug versperrt war, das seinen Plan nicht weiter umsetzen konnte, weil die nächsten Abkürzer nachgerückt waren, natürlich per Hornsignal signalisierend, dass sie ja nur schnell mal vorbei fahren wollten, wenn der Bagger endlich den Weg frei gäbe. Am oberen Ende der Baustelle hupten schließlich diejenigen, die erkannt hatten, dass sie schnellstmöglich rückwärts aus dieser Falle wieder herauskommen sollten die Linienbusse an, die auf dem Weg zu ihren Haltestellen im üblichen Stau standen. Es ging also eigentlich nix mehr, doch die Hupe dominierte – sicher zur Freude der Anwohner – das Geschehen und die Wendeversuche kosteten manch aufgeschütteten Erdwall und die dahinter liegenden Pflastersteine die frisch eroberte Position – wohl als Ausgleich für diese Schäden hatte jemand dafür einen halben Auspuff liegen gelassen, so war am nächsten Tag zu hören.

Liebe Leser und Mitbürger: Bitte schätzt doch Eure Chancen ab, bevor Ihr in die Falle geht. Der Königsgucker hat ja früher auch mit einem 40-Tonnen-Sattelzug abgekürzt, aber nur, wo es ging, und nicht, weil er sich den Weg über Löcher oder zu kleine Brückenbögen freihupen konnte. Wenn Stau ist, lasst lieber eine Rettungsgasse frei und fahrt nicht auch noch bei Rückstau in die verbotene Baustelle ein, denn die Reparatur der Schäden verlängert die Umleitungsphase. Und wenn Ihr dann deshalb noch öfter erkennen müsst, dass Bagger und Löcher nicht durch Hupen zu beseitigen sind, dann könnte Euer Ego doch ernsthaften Schaden nehmen, und das wollen wir bei den aktuellen Preisen der überbuchten Psychologen doch sicher alle nicht, oder?

(Gegenmeinungen zum Thema „Freie Fahrt für freie Bürger auch in Baustellen“ nimmt die KöWo gerne an, in der zweiten Ausgabe 2018 wäre traditionell genug Platz, um alle Leserbriefe abzudrucken, doch wir übernehmen für juristische Folgen dieser Meinungsäußerungen bekanntlich keine Haftung).

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