Tanz in den Mai: mit Abstand, Maske und Sperrstunde zuhause :)So geht es leider gar nicht – aber es wird wiederkommen! Impression vom „Tanz in den Mai“ anno 2019.Foto: Scholl

Falkenstein
(gs) – Eigentlich geht in der Nacht vor dem 1. Mai im sonst eher beschaulichen Falkenstein alljährlich die Post ab – Groß und Klein, Alt und Jung, arm und reich pilgerten dann gewöhnlich erwartungsfroh in Richtung Bürgerhaus, um an DEM Partyevent des Ortes teilzunehmen: dem Tanz in den Mai. In den letzten Jahren (genauer: bis 2019) richteten die Falkensteiner Vereine in dieser stets denkwürdigen Nacht die Halle im Bürgerhaus her und verwandelten diese in einem unglaublichen, organisatorischen Kraftakt dekomäßig in einen mittelgroßen Eventparcours, in dem ortstypische Traditionen unter Einsatz von vielen Hektolitern Bier (Herren) und irrwitzigen Mengen an Sekt (Damen) und Wein (alle) liebevoll gepflegt wurden. Wenn hier alljährlich die einen mit dem Luftgewehr auf Spatzen (pardon – Zielscheiben) schossen und die anderen beim Bierkrugschieben wünschten, sie hätten Zielwasser statt „Jägermeister on Ice“ getrunken, dann tobte der Bär in Falkenstein lauter, als die Hexen auf dem Brocken kreischen konnten – denn Walpurgisnacht musste schließlich auch gefeiert werden und galt in Hexenkreisen als durchaus würdige Konkurrenzveranstaltung, weshalb einige Damen beim Tanz in den Mai auch fehlten!

In diesem Jahr ist natürlich alles anders – ganz Deutschland befindet sich im Lockdown mit angeschlossener Ausgangssperre, gefeiert wird nicht und schon gar nicht der Tanz in den Mai, bei dem Tuchfühlung und menschliche Nähe grundsätzlich Programm sind. Irgendwie fehlt natürlich etwas, das feierfreudige Völkchen will sich bewegen, weshalb entsprechende Clips im Internet, wo Tanzbegeisterte mumienartig in Ganzkörperanzügen etwas steif zur Musik zappeln, viele Klicks haben, denn irgendwo müssen die Ideen für Alternativen ja auch herkommen. Eigentlich muss man sich das Vergnügen auch nicht verbieten lassen, man muss sich einfach nur an die Gegebenheiten anpassen – Einfach mal die Dinge nehmen, wie sie sind und ein bisschen kreativ werden!

Man kann natürlich „Tanz in den Mai“ feiern, wenn man als Paar unter sich bleibt. Stimmungsmäßig ist da vielleicht nicht viel zu erwarten, aber man kann natürlich nicht alles haben – ein schönes Essen (kann man liefern lassen) und schmissige Tanzmusik, Möbel beiseite räumen und los geht’s! Da braucht man nicht einmal eine Maske, kann sich tief in die Augen schauen und vielleicht wird es darüber hinaus auch ein ganz amüsanter Abend – wer weiß…

Der eigene Haushalt plus eine fremde Person – damit kann man auch schon mal arbeiten. Mit Kindern im Haus (aktuell gerne alle Altersklassen – bei Muttern ist es auch für Studenten wieder attraktiv) ist eine gewisse Gruppendynamik zu erwarten und Kinder brauchen ständig Geld, weshalb sie unter Umständen auch zum Tanzen zu bewegen sind. Schwierig wird es für Singles, die maximal zu zweit Party machen können, allerdings nur bis 22 Uhr, denn dann müssen momentan alle wieder zuhause sein, weil dann halt niemand mehr auf der Straße sein darf – es ist Corona! So dürfte jedem maianfänglichen Tanztreffen ein Spaziergang in den Kurpark Königstein vorausgehen, um dem Testcenter einen Besuch abzustatten – frische Luft ist grundsätzlich gut, allerdings nur bis 22 Uhr, weil dann das Virus wohl draußen unterwegs ist. Außerdem müssen ganz andere Überlegungen angestrengt werden: Wie formuliere ich eine entsprechende Partnersuche in Parship? Wie funktionieren eigentlich Tinder-Dates – und tanzen wir dann mit der schicken OP-Maske? Wie nahe darf ich dem (Tanz)-Partner kommen? Ist ein schicker weißer Ganzkörperanzug vielleicht eine Alternative? Was passiert um 22 Uhr – und viel interessanter: Was passiert nach 22 Uhr? Die wahre Herausforderung wird darin liegen, herauszufinden, ob man NUR bis zur „Sperrstunde“ ein Paar ist oder danach auch noch eins sein möchte, denn dann muss der Partner ja bis 5 Uhr morgens bleiben, weil er/sie nach 22 Uhr nicht mehr raus darf! Eine verzwickte Sache, die auch im Hinblick auf zukünftige Treffen gut überlegt sein will.

Alkohol in den eigenen vier Wänden ist übrigens auch nicht verboten – wer träumt da nicht von einer kühlen Caipi, begleitet von Sambaklängen und einem kühnen Hüftschwung im heimischen Wohnzimmer – zwischen Stilmöbeln und Strohblumen?

Der „Tanz in den Mai“ wird in diesem Jahr ein anderer sein – aber was soll‘s?

Ein bisschen Kreativität und Mut zu Verrücktem, nicht über die Stränge schlagen, aber trotzdem Spaß haben und nicht vergessen: LÄCHELN! Eines steht fest: Wenn das hier vorbei ist, dann können wir alle wieder feiern – sowas von ….!!



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