Erlebte Geschichte – Elisabeth Kurz blickt auf 90 Lebensjahre

Tina Blome, Ortsvereins-Schriftführerin Brigitte Oswald-Mazurek, Elisabeth Kurz und Magistratsmitglied Hartmut Paulsen Foto: privat

Königstein – Elisabeth Kurz, langjähriges Mitglied des SPD-Ortsvereins, feierte bereits am 22. Juli ihren 90. Geburtstag. Dieses besondere Ereignis nehmen die Sozialdemokraten nunmehr zum Anlass, das Wirken der engagierten Bürgerin stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

So vertrat die Jubilarin ihre Partei elf Jahre in der Stadtverordnetenversammlung. Darüber hinaus war sie Mitglied im Sozialausschuss, in der Kommission Ferienspiele und dem Partnerschaftsverein Le Cannet. Außerdem übte sie acht Jahre lang das Ehrenamt einer Schöffin am Amtsgericht Frankfurt aus.

Bei Kaffee und köstlichem selbstgebackenen Apfelkuchen erzählte sie einer kleinen Ortsvereinsdelegation jüngst ein wenig aus ihrem Leben.

Elisabeth, genannt Liesel, wurde 1945 aus der Schule entlassen. „Es gab einfach nichts, keine Arbeit, kein Essen, man fühlte sich wie in einem Vakuum“, blickt die Jubilarin zurück. Viele junge Menschen hätten damals mangels vorhandener Arbeitsstellen keine Ausbildung machen können. Liesel jedoch hatte Glück, sie trat in die Fußstapfen ihrer Mutter, einer Frankfurterin, und lernte Schneiderin.

Ihr aus der Nähe von Sigmaringen kommender Vater war Buchdrucker. Diese Branche gründete 1887 die erste Gewerkschaft. Dies prägte ihn. Er war sein Leben lang in der Gewerkschaft aktiv.

Hochzeit feierten Liesels Eltern 1927. Für ihren Vater Max Hermann Schmid, damals Ende Fünfzig, war es die zweite Ehe, ihre Mutter war gerade einmal Anfang Zwanzig. Ein Jahr später zog das Ehepaar nach Königstein. Im gleichen Jahr, 1928, war ihr Vater Mitbegründer der SPD Königstein in der festen Überzeugung, dass es an der Zeit für Veränderungen sei, weshalb sich eine Partei etablieren müsse, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt.

„Ich wurde 1931 als letztes und einziges Ergebnis aus der zweiten Ehe meines Vaters geboren“, berichtete Liesel. Man merkt an ihren Erinnerungen, wie nahe sie ihrem Vater stand. Er war für Liesel da, nachdem er vorzeitig in den Ruhestand gegangen war. „Mein Vater hat mit mir Pilze gesammelt“, erzählte sie mit leuchtenden Augen. Auch Pflanzenkunde sei ein Teil der Spaziergänge im Taunus mit ihrem Vater gewesen.

In dieser Zeit lebte die Familie Schmid in der Hauptstraße, heute Hausnummer 25 B. Dort versammelten sich viele Kinder im Innenhof, mit denen sie spielen konnte.

Nach 1933 war ihr Vater wegen seiner politischen Einstellung in Königstein vor der SS nicht mehr sicher. Die Familie zog nach Neu-Anspach. „Hier haben alle Bewohner“, wie Liesel zutreffend sagte, „die Klappe gehalten.“ Rückblickend meint sie, wenn mehr Bürger den Mut gehabt hätten, den Mund gegenüber der SS zu halten, wäre es für einige Nachbarn nicht so gekommen, wie es gekommen ist.

Die Familie sei jedenfalls froh und dankbar gewesen, dass sie in dieser Zeit in Neu-Anspach so eine Loyalität von den Nachbarn erfahren durfte.

Dort wurde das Mädchen auch eingeschult, einer ihrer Mitschüler war der langjährige Hessenparkchef Prof. Dr. Eugen Ernst, der ebenfalls im Juni seinen 90. Geburtstag feierte.

1939 zog die Familie wieder zurück nach Königstein, wo ihr Vater 1943 starb. Nach 1945 trat die Mutter in die Arbeiterwohlfahrt Königstein ein und übernahm dort später auch für viele Jahre den Vorsitz. Abgelöst in dieser Funktion wurde sie von Tochter Liesel, die die Geschicke der Arbeiterwohlfahrt für 28 Jahre leitete. Des Weiteren war ihre Mutter ebenfalls Mitglied bei den Sozialdemokraten. 1952 zogen Elisabeth und ihre Mutter zu Wilhelm Gemer in die Kirchstraße 12. Ihre Mutter führte den Haushalt bis 1964, bis die Gesundheit nicht mehr mitspielte.

1953 hatte Liesel ihren Mann geheiratet. Die Familie wohnte mit ihren zwei Kindern zunächst in Hofheim, bis sie sich 1964 zum Umzug nach Königstein entschloss. Im gleichem Jahr kaufte das Ehepaar das Gemmer-Haus und baute es um. Der ehemalige Eigentümer blühte noch einmal richtig auf, er war wie ein Großvater für ihre beiden Kinder und ein richtiges Familienmitglied bis zu seinem Tod im Jahr 1971.

Das politische Interesse wurde Elisabeth Kurz bereits in die Wiege gelegt, ihr Mann war ebenfalls SPDler, aber auch mit Herz und Seele Gewerkschafter, da ging es im Haushalt manchmal heftig zur Sache, aber das gehörte dazu, so Liesel. Es kam die Zeit der großen Demonstrationen in Frankfurt, da wäre sie gerne dabei gewesen, leider seien ihre Kinder damals zu klein gewesen. Zur damaligen Welle der Veränderung in der politische Szenerie, erklärt Liesel, „die ganzen Nazisäckel“ hätten bis dahin noch in Amt und Würden gesessen.

In puncto einer Demonstration gegen den Abriss der Häuser, die im Westend den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden hatten, vertrat sie die Auffassung, man sollte ein Stück Zeitgeschichte stehen lassen statt abzureißen. In dieser Zeit schwankte sie bezüglich der SPD, da deren Stadtverordnete ebenfalls für den Abriss stimmten. Auch das Café Laumer, das Traditionscafé im Frankfurter Westend, sollte nicht stehen bleiben. „In dieser Zeit war es ein Hadern im politischen Sinn mit mir selbst“, blickt sie zurück. Ein Wechsel zur CDU sei jedoch nicht in Frage gekommen, dazu sei sie zu bürgerlich und zu sehr von ihren Eltern politisch geprägt. Kritisch sah sie, dass die Sozialdemokraten an alten überholten Riten festhielten und nichts verändern wollten. Dann sei plötzlich eine Partei hervorgekommen, die in ihren Augen Randalierer waren, weil sie Häuser besetzten. Sie meinte damit die Grünen mit Joschka Fischer.

Elisabeth Kurz ist eine engagierte Bürgerin, für die es selbstverständlich ist, sich um das Gemeinwohl zu kümmern. Die Sozialdemokratische Partei Königstein dankt ihr für dieses langjährige Engagement. (pu)



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