Königstein (as) – Was für ein lauschiger, stimmungsvoller Ort fernab des Innenstadtverkehrs. Hohe Bäume, der plätschernde Reichenbach und zudem geradezu perfektes, nicht mehr zu heißes Sommerwetter. Der Auftakt zum Königsteiner Event-Sommer 2026 am neuen Veranstaltungsort in der Hubert-Faßbender-Anlage am vergangenen Freitagabend hat bei den Gästen und Veranstaltern durchweg für Begeisterung gesorgt. „Es ist hier heimeliger, ich finde es genial, und es ist super, dass die Anlage genutzt wird“, sagte etwa Wolfgang Riedel, der ehemalige Vorsitzende des Förderkreises der Städtepartnerschaft. Auch Robert Bielefeld, Ortsvorsteher in Mammolshain, fand den neuen Platz, der sonst kaum beachtete werde, „für Veranstaltungen in dieser Größenordnung ideal“. Und Almut Boller, die Vorsitzende der Kulturgesellschaft Königstein und Co-Gastgeberin am Eröffnungsabend, sagte: „Ich habe nicht erwartet, dass es eine derart tolle Atmosphäre ist“; sie zeigte sich „sehr zufrieden“ mit der Resonanz der Königsteinerinnen und Königsteiner sowie aller Gäste.
Rund 300 Menschen erlebten die Premiere, es wurden Picknick-Decken ausgerollt, die Kinder tollten mit und ohne Ball über die Wiesen und staksten sogar durch den – in diesem Fall zum Glück – wasserarmen Reichenbach. Keine Spur von Abschiedsschmerz also von der Konrad-Adenauer-Anlage, die nach den Baumfällungen und inzwischen durch die hinter dem Bauzaun begonnenen Arbeiten in diesem – und im nächsten – Jahr unpässlich für das Kulturprogramm des Event-Sommers ist.
Ideal passend zu der Lounge-Atmosphäre war auch die Band zum Auftakt. Die Kulturgesellschaft präsentierte das Sextett Jazz for Friends – auch als Dank für die Unterstützung, die die Gesellschaft von der Stadt Königstein das ganze Jahr über erfahre. Die lockere Combo um Macher und E-Pianist Dieter Wierz und Sängerin Nicola Piesch kommt zu besonderen Anlässen immer wieder zusammen, einige Mitglieder spielen auch in anderen Gruppen. Der bekannteste Einzelmusiker, quasi ein Vollprofi, ist Saxophonist Sven Hack, der sonst für die Barrelhouse Jazzband spielt.
In Königstein haben sich Jazz for Friends durch ihre Auftritte bei „Jazz in der Werkstatt“ und beim letztjährigen Event-Sommer schon eine Fangemeinde erarbeitet. Rainer Kowald hat jedenfalls beste Kontakte zum Karbener Dieter Wierz, und der schwärmte ebenfalls von einem „schöneren Ambiente“ und dem „tollen Blick zur Burg“. Dass die Burg von der Bühne selbst nicht zu sehen war, wischte Wierz gekonnt beiseite: „Wir haben diesen Blick aufgesogen, bevor die Töne kommen.“ Und die kamen sehr entspannt und harmonisch rüber, Nicola Piesch überzeugte mit angenehmer Stimme. Gleich der erste Titel „Bourbon-Street“ entführte nach New Orleans zur Wiege des Jazz. Später waren auch Dixieland und Swing und die Musik Chicagos und New Yorks zu hören, ebenso karibische Klänge und Latin.
Proben müssen die Profis und Semi-Profis, zu denen noch Oliver Zimmer (Trompete), Rudi Bläsing (Bass) und Willi Schwerdhöfer (Schlagzeug) zählen, übrigens nicht mehr gemeinsam – die Erfahrung und das im Jazz ein Stück weit übliche freie Spiel lassen Raum für Interpretation und Improvisation. „Wir haben die Titel und die Tonart abgestimmt und sind genauso gespannt auf die Soli wie das Publikum“, sagte Nicola Piesch vor dem Konzert. Der Zwischenapplaus zeigte ein ums andere Mal, dass die Solo-Passagen gut ankamen – genauso wie das gesamte Programm, das zu keiner Zeit zu kopflastig oder schrill wirkte. Egal, ob bei „Summertime“, „Petite Fleur“, „Blueberry Hill“ oder auch beim deutschsprachigen, freilich aus den USA importierten Jazz-Hit der Comedian Harmonists „Wochenend und Sonnenschein“ – die Musik war ein Volltreffer!
Bühne verdeckt Denkmal
Dass die Bühne für den Event-Sommer, anders als ursprünglich geplant, nicht mittig in der Grünanlage aufgebaut wurde, sondern auf dem geschotterten Platz vor dem Ehrenmal für die Weltkriegsopfer, stieß nur auf sehr vereinzelte Kritik. Praktische Erwägungen, dass sich in der Mulde in der Parkmitte bei Regen schnell Wasser sammeln könnte und dass auch der Auf- und Abbau der Bestuhlung mit Rollwagen über die Wiese schwierig bis unmöglich werden würde für das städtische Eventteam, hatten die Stadt in Person von Baufachbereichsleiter Gerd Böhmig dazu bewogen, auf den festen Platz zu wechseln.
Erster Vorteil: Bei den Abendveranstaltungen ab 19 Uhr liegt der Platz bereits im Schatten. Auch Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko würdigte in ihrer kurzen Begrüßung die Platzwahl: „Ich freue mich sehr, dass die Bühne hier so gut reinpasst zwischen den Bäumen.“ Und ganz nebenbei: Das Denkmal, das „backstage“ verschwindet, ist dadurch geschützt und wird während der Veranstaltungen nicht zum Kletterturm umfunktioniert.
Zweiter Vorteil: Jene, die sich auf die Musik konzentrieren möchten, können gezielt vor der Bühne zusammenrücken und werden kaum durch Nebengeräusche gestört. Und diejenigen, die die Musik eher als Hintergrund mögen, nehmen auf der anderen Seite des Reichenbachs Platz und haben immer noch die Hauptwiese als Relax- und Spielfläche für sich.
Einziger Wermutstropfen zum Auftakt war, dass die Imbissbude neben der Oechsle-Weinbar aus Krankheitsgründen verschlossen blieb. Für den zweiten Veranstaltungstag am Samstag wurde dann Ersatzpersonal organisiert. Die Körnerstangen der Kulturgesellschaft waren somit die einzige feste Verpflegung am Auftaktabend in der Anlage, was aber zumindest die Gastronomen um die Ecke freute. So gab es zum Auftakt statt Grillwurst und Pommes vor allem Flammkuchen und Döner. Zumindest die elsässische Spezialität korrespondierte ideal mit den Weinen und dem Lounge-Charakter, der die Anlage bei den Klängen von „Jazz for Friends“ ausfüllte ....




