Gekommen, um zu bleiben: Die Erfolgsgeschichten des Freundeskreises Asyl

Im i-punkt in der Königsteiner Hauptstraße geht es um die Vermittlung der deutschen Sprache, aber auch um Alltagshilfe und Gemeinschaft: Dorothea Stäbler (l.) vom Freundeskreis Asyl mit ihren Schützlingen Arina, Arslan, Ibrahim und Firuzeh. Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer (r.) ist eine der treibenden Kräfte des überkonfessionellen Freundeskreises.Foto: Schramm

Königstein (as) – Es sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien, sie stammen aus völlig verschiedenen Weltregionen. Verfolgung, Krieg, Hoffnungslosigkeit – diese Motive haben sie zur Flucht aus ihrer Heimat geradezu gezwungen, und mit Glück, Zufall oder auch durch persönliche Kontakte sind sie in Deutschland angekommen. In Königstein.

Da ist Firuzeh Atashgani aus dem Norden des Iran. Mit 16 wurde die Christin Mutter, 2018 floh die damals 36-Jährige mit ihren 19 und 7 Jahre alten Töchtern aus religiösen Gründen vor dem Mullah-Regime. Da sind die Geschwister, der 18-jährige Arslan und seine zwölfjährige Schwester Arina aus der Ukraine, deren Leben sich im Februar 2022 über Nacht änderte. Nach den ersten Kriegswochen, als ihr Wohngebiet in den Außenbezirken Kiews noch täglich zum Ziel der russischen Bomben zu werden drohte, als sie immer wieder in Luftschutzbunkern Zuflucht suchen mussten, konnten sie mit ihrer vom Vater getrennt lebenden Mutter Valentina über Lwiw ausreisen und über Krakau zu einer Bekannten der Mutter nach Frankfurt gelangen. Und da ist der 21-jährige Ibrahim Barry aus Guinea, einem Land, dessen Bürger keinen Schutzstatus in Deutschland besitzen und ständig eine Abschiebung befürchten müssen, so wie es vielen seiner Landsmänner bereits ergangen ist.

Sie alle versuchen, sich in Königstein eine neue Heimat aufzubauen, bemühen sich um Integration, um Sprachzertifikate, lassen sich von den Widerständen des Alltags und den mitunter komplizieren Vorgängen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht unterkriegen. Und sie alle verbindet, dass sie beim Freundeskreis Asyl und im i-punkt in der Hauptstraße eine Anlaufstation und kompetente Unterstützer gefunden haben. Die konfessions- und parteiübergreifende Gruppe kümmert sich seit 13 Jahren um Asylsuchende in Königstein, und zu den treibenden Kräften der Gruppe von rund 40 Ehrenamtlichen gehört neben Andrea Schlosshan und Dorothea Stäbler auch die evangelische Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer. Ein Engagement, das an Sichtbarkeit gewonnen hat: 2025 wurde dem Freundeskreis Asyl für seine breit gefächerte Arbeit bereits der Integrationspreis des Hochtaunuskreises verliehen. Der Freundeskreis kooperiert eng mit dem Sozialamt und dem Ausländerbeirat der Stadt Königstein, und durch die relativ hohe Zahl geflüchteter Ukrainer besteht ein enges Netzwerk mit der Ukrainehilfe Königstein um Stella Schönwiesner. Es ist ein echtes Gemeinschaftswerk entstanden, das Ankommende ohne klares Ziel, aber mit dem Willen, sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen, unterstützt.

Fachkraft im Kindergarten

Zurück zu den drei so unterschiedlichen „Kunden“ des Freundeskreises Asyl. Firuzeh Atashgani arbeitet inzwischen als Fachkraft zur Mitarbeit – die in Kitas die Pädagoginnen unterstützen – im evangelischen Kindergarten in Falkenstein. Dort hat man sich sehr gefreut, dass sie jeden Tag zur Arbeit antritt, weiß Pfarrerin Stoodt-Neuschäfer zu berichten. Die beiden Jugendlichen aus der Ukrainer gehen auf deutsche Schulen, Arina auf die Gesamtschule nach Fischbach, Arslan in die Oberstufe der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS). In einer sogenannten Schubklasse des Taunusgymnasiums Königstein habe es den entscheidenden „Stoß gegeben, der mich noch immer führt“, berichtet Arslan. Er ist ehrgeizig, könnte sich als Fachkraft auch eine Rückkehr in die Ukraine vorstellen, wenn der Krieg vorbei ist. „Das kann in einem oder in 100 Jahren sein“, sagt der junge Mann ohne große Illusionen. Derzeit ist seine Heimat Deutschland.

Seine Schwester Arina möchte dagegen nicht mehr zurück. „Hier ist alles besser“, sagt sie, „die Menschen sind so gechillt hier“, so das Mädchen. Mal ein ganz anderes Bild von den Deutschen als die früheren, oft überholten Stereotypen. Sogar der Umgang mit den Smartphones bei ihrer Generation sei hier besser. In der Heimat – und da war sie gerade erst acht Jahre alt – wurden im Unterricht Videos gemacht und direkt ins Netz gestellt, um andere Kinder zu mobben, erzählt sie. Arslan ergänzt: „Ich möchte allen freiwilligen Helfern danken, auch von der Caritas. Der i-Punkt ist der beste Platz bei allem, was sich um Integration dreht.“ Es klingt fast pflichtbewusst, aber es kommt von Herzen.

Und Ibrahim Barry, der als Fast-Analphabet vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland kam, die Sprache hauptsächlich in Youtube-Videos lernte (womit er bei dem Treffen verblüffte), macht im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Karosseriebauer in Oberursel, nachdem er zuvor ein Praktikum in einer anderen Werkstatt absolviert hat. „Es war schwierig“, sagt er, ist es zuweilen in der Berufsschule auch noch. Aber sein Ausbilder sei sehr zufrieden mit ihm, weiß Andrea Schlosshan, die ihn ein wenig unter ihre Fittiche genommen hat. Doch er besitzt nur einen Duldungsstatus, der jeweils um sechs Monate verlängert wird. Eine offizielle Ausbildungsduldung oder gar die Anerkennung fehlt ihm, was ihn frustriert, denn so hat er auch keine sichere Zukunftsperspektive. Ibrahim spricht in sehr gutem Deutsch von Clan-Strukturen in Guinea, es gebe 15 bis 20 Sprachgruppen, und wer nicht dazugehöre, würde vertrieben. Deutschland ist seine Chance, er ist gewillt, sich zu integrieren, spielt auch Fußball beim EFC Kronberg und sammelte bereits bei „Sauberhaftes Königstein“ Abfälle mit ein.

Abschiebung nach Frankreich

Das sind die Erfolgsgeschichten, auf die man beim Freundeskreis Asyl stolz sein kann, und die allen, die mithelfen, beweisen, dass sich jede Arbeit lohnt. Auch wenn sich bei den rund 80 Betreuten natürlich nicht nur Erfolge finden – wie auch so manche Erfolge erkämpft werden mussten. Am 13. Februar 2019 stand bei Firuzeh Atashgani um halb vier in der Nacht die Bundespolizei vor der Tür. Sie musste Koffer packen, da sie auf ihrer Flucht in der Türkei zunächst ein Visum für Frankreich bekommen hatte. Das Dublin-Abkommen, dass der Erstaufnahmestaat das Asylverfahren durchführen muss, war der jungen Frau nicht bekannt gewesen. Ihre große Tochter, die bereits anerkannt war in Deutschland, sei um 6 Uhr aufgeregt ins Pfarramt gekommen, danach begann die große Suche nach der Mutter und der jüngeren Tochter. Denn die französische Polizei, die die Frauen übernommen hatte, setzte sie zehn Kilometer hinter der Grenze ab mit dem Hinweis, sich bei der Polizeipräfektur in Metz zu melden. Über private Kontakte nach Metz und einige anwaltliche Kniffe gelang es, das Handy von Firazeh zu orten und sie am Bahnhof in Metz abzuholen. Nach drei Tagen war sie wieder zu Hause – in Königstein. „Ich bleibe hier“, sagt sie heute, längst legalisiert, mit fester Stimme, auch wenn Deutschland bzw. die europäische Gesetzgebung sie zunächst nicht wollten.

Stoodt-Neuschäfer könnte noch von so vielen Beispielen erzählen – von Menschen, denen sie Kirchenasyl in Königstein gewährte, und von der „Christenpflicht“, wegen der Religionszugehörigkeit verfolgten Menschen zu helfen. Und eines wird im Gespräch mit den Damen des Freundeskreises Asyl auch deutlich: Es handelt sich hier immer um Hilfe zur Selbsthilfe. Bei den Deutschkursen, für die der Freundeskreis Asyl immer freiwillige Unterstützer sucht, sollen alle Betreuten auf ein Sprachniveau gebracht werden, um mindestens das B1-Zertifikat erlangen, bei einigen geht es sogar hoch bis zu C1. Neben Deutsch-Lehrern sucht der Freundeskreis Asyl auch Lehrer für die MINT-Fächer, eigentlich „für alles“, wie Stoodt-Neuschäfer sagt. In den Herbstferien hat man einen BNS-Schüler zum Sozialpraktikum zu Gast im i-punkt, da besteht die Hoffnung, dass über diese Schiene wieder eine Verstärkung für Nachhilfeunterricht ins Team kommt.

„Wir brauchen Zuwanderer“

„Wir brauchen Zuwanderer, und es gibt eine Menge Menschen, die in ihrer Heimat keine Chance haben“, sagt Katharina Stoodt-Neuschäfer. Deswegen werde sie sich auch von den Kämpfen mit den Behörden „nicht kleinkriegen lassen“. Und Dorothea Stäbler ergänzt: „Es ist die Not der Menschen, mit der wir es hier zu tun haben. Es soll mir keiner sagen, das sind nur Wirtschaftsflüchtlinge. Ihr Ziel ist ein normales Leben.“

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