Königstein (as/sma) – Es war ein Abend, der zeigte, wie viel Kraft im jungen Ehrenamt steckt. Zum dritten Mal hat der Lions Club Königstein in der vergangenen Woche den Jugend-Ehrenamtspreis des Hochtaunuskreises verliehen – und damit in vier Projekten junge Menschen ausgezeichnet, die sich mit bemerkenswerter Ausdauer, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein für andere einsetzen. „Ich bin froh, dass es Jugendliche gibt, die über sich hinauswachsen. Und wir sind froh, dass wir es präsentieren und damit andere animieren können“, sagte der amtierende Clubpräsident Florian Künne in seiner Begrüßung zur Preisverleihung im Falkenstein Grand.
Landrat Ulrich Krebs, Schirmherr des Preises und Mitglied der Jury, brachte in seinem Grußwort die Bedeutung des Abends auf den Punkt: Gerade in einer Zeit, in der häufig über „die Jugend“ geklagt werde, zeigten die Preisträger eindrucksvoll, dass Gemeinsinn, Verantwortung und persönlicher Einsatz lebendig seien. „Normal ist ja, dass bei Preisverleihungen Menschen für ihr Lebenswerk gewürdigt werden. Aber jedes Lebenswerk hat bei jungen Leuten irgendwann mal angefangen.“ Der Lions Club Königstein habe mit dem Preis eine Plattform geschaffen, die solches Engagement – auch für moderne Themen – sichtbar mache.
Genau darum geht es dem Lions Club Königstein: junge Menschen nicht nur zu loben, sondern ihnen öffentliche Anerkennung, Rückenwind und konkrete Unterstützung zu geben. Präsident Florian Künne und Jugendbeauftragter Kai Waldmann als Initiator der Idee machten deutlich, dass Ehrenamt keine Selbstverständlichkeit ist. Wer sich neben Schule, Studium oder Ausbildung dauerhaft für andere einsetzt, übernimmt Verantwortung – und wird damit zum Vorbild für Gleichaltrige ebenso wie für Erwachsene.
„Mit dem Jugend-Ehrenamtspreis wollen wir junge Menschen sichtbar machen, die nicht fragen, was andere tun, sondern selbst Verantwortung übernehmen“, betonten Präsident Künne und Jugendbeauftragter Waldmann. „Ihr Engagement verdient Anerkennung – und es soll andere ermutigen, ebenfalls mitzumachen.“
Der Jury gehörten in diesem Jahr neben Krebs, Künne und Waldmann auch Esther Fuchs, freie Journalistin, sowie Julius Seifert, Sekretär des Lions Club Königstein, an.
Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr vier Preisträgerinnen und Preisträger beziehungsweise Gruppen. Alle Sieger erhielten jeweils ein Preisgeld von 625 Euro. Die Jury hatte keine Wertung innerhalb der Preisträger vornehmen wollen, zu unterschiedlich sind die Ansätze und Wirkungskreise der Preisträger. Nur eines war wichtig zu betonen: Man muss die Geehrten nicht mehr selbst suchen wie im ersten Jahr, sie kommen von sich aus, werden zahlreicher und müssen – eine Bewerbung kam aus Köln – auch mal kategorisch abgelehnt werden. Denn es ist ein Preis für den Hochtaunuskreis, auch wenn die Grenzen nicht immer ganz streng eingehalten werden.
In diesem Jahr hatten die Preisträger zudem erstmals die Möglichkeit, selbst von ihrem Projekt zu berichten und mittels Power Point zu präsentieren, was für einen lebhaften Abend im Saal sorgte und vor allem auch „hautnah“ vermittelte, wie sehr die Jugendlichen ihr Ehrenamt leben.
Katarzyna „Kasia“ Jarzebowska-Nielsen
Die Schülerin engagiert sich am Taunusgymnasium Königstein in der Amguri AG, die Teil des Königsteiner Childaid Network ist und benachteiligte Kinder in Indien unterstützt. Mit Spendenaktionen wie „Spend deinen Cent“, Kuchenverkäufen, Weihnachtsmarktaktionen, Patenschaften und im Rahmen der Spendenwanderung von Childaid zum Feldberg zeigt sie, wie aus vielen kleinen Beiträgen große Wirkung entstehen kann. Zugleich setzt sie sich auch für Umweltprojekte ein, etwa bei Clean-Taunusgymnasium-Aktionen und Bücherrettungsinitiativen. So konnte verhindert werden, dass der Inhalt der Lehrerbibliothek der aufgelösten Friedrich-Stoltze-Schule im Container landete. Das Preisgeld und weiteres Geld aus ihren Projekten möchte sie nutzen, um finanziell benachteiligten Kindern am Taunusgymnasium Nachhilfe zu ermöglichen – ein Projekt, das Bildungsgerechtigkeit fördern und jungen Menschen ein stärkeres „Ich kann das“-Gefühl vermitteln soll. Das werde wohl für zwei Schüler und ein Schulhalbjahr reichen, glaubt Kaisa. „Wenn das Projekt ein halbes Jahr läuft und die Mittel für das zweite Halbjahr fehlen, reden wir nochmal“, versprach Landrat Krebs direkt am Abend.
Kreisschülerrat des Hochtaunuskreises
Der Kreisschülerrat vertreten durch Marie Degenkolb, Moritz Weiß und Luise Greiner, wurde für seine engagierte Arbeit in der Schülervertretung ausgezeichnet. Der Kreisschülerrat vernetzt Schülerinnen und Schüler aus allen 19 weiterführenden Schulen – seit zwei Jahren auch der Grundschulen – aus dem gesamten Hochtaunuskreis, organisiert Ausschüsse, setzt Themen wie Demokratiebildung, Medienbildung, finanzielle Bildung und Öffentlichkeitsarbeit auf die Agenda und bringt die Perspektive junger Menschen in schulische und gesellschaftliche Debatten ein. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag dazu, dass Jugendliche nicht nur über Politik und Gesellschaft sprechen, sondern sie aktiv mitgestalten. „Die Verwendung des Preisgelds soll ganz demokratisch am 18. Juni in der Vollversammlung besprochen werden“, kündigte Moritz Weiß bei der Preisverleihung an.
Sonja Marschall
Sonja Marschall, wegen einer parallelen Preisverleihung in Berlin vertreten durch Felix Krause, wurde für ihr Projekt „Sternenräume“ geehrt. Die Initiative, die die früher TGK-Abiturientin zusammen mit Krause und Alexander Baron im Herbst 2025 gegründet hat, will Familien begleiten, die ein Kind verlieren oder verloren haben. In einem ersten Schritt geht es darum, eine Piloteinrichtung im Raum Frankfurt zu finanzieren – ein „Abschiedshaus“, in dem sich Familien in Ruhe auch über mehrere Tage hinweg von ihrem tot geborenen oder verstorbenen Kind verabschieden können. Denn hier bestehe eine große Lücke, so Krause. Wie heute ein totes Kind entzogen und häufig nur noch in dem Kühlraum des Leichenhauses kurz gezeigt werde, sorge nicht selten für schwere Traumata bei den Betroffenen.
Sonja Marschall hat ein Thema adressiert, über das oft geschwiegen wird: Abschied, Trauer und die Frage, wie Familien in solchen Momenten würdevoll begleitet werden können. „Sternenräume“ soll Raum für Abschied schaffen – mit stationärer Begleitung, Frühbegleitung, Nachsorge, Bildungs- und Aufklärungsarbeit sowie Forschung. Unterstützt wird sie dabei von einem Gründungsteam und einem wachsenden Netzwerk engagierter Menschen von der Hebamme, über Ärzte und Psychologen bis hin zu Kirchen. „Das sind genau die Themen, warum wir diesen Preis vergeben. Sachen, die es nicht gibt und für die es Bedarf gibt“, lobte Waldmann die Initiative.
Lukas Reichert
Lukas Reichert aus Friedrichsdorf engagiert sich für wohnungslose Menschen in Bad Homburg. Begonnen hatte der Einsatz des Abiturienten mit „Mitleid“, Resten von einem Buffet und einer Weihnachtsaktion im Jahr 2019 zu Gunsten der Bahnhofsmission in Frankfurt. Damals war er erst zwölf Jahre alt. Daraus ist ein dauerhaftes Engagement entstanden. Der 18-Jährige unterstützt unter anderem Angebote der Caritas-Wohnungslosenhilfe, darunter das Tagesheim in der Baierstraße und das Haus Mühlberg. Finanziert hat er seine Aktionen mit Taschengeld, privaten Spenden, Unterstützung aus Geschäften – und durch sein Geigenspiel auf der Louisenstraße. Mit Plätzchen, Adventskränzen, Weihnachtsgeschenken, Adventskuchen, Weihnachtsessen und direkter Klientenunterstützung bringt er Menschen Hilfe, Wärme und Aufmerksamkeit, die im Alltag häufig übersehen werden. Sein Preisgeld will er einbringen, um Umzugshilfen sowie iPads – und damit Zugang zum Internet – für die Bedürftigen finanzieren zu helfen.
Am Ende der Preisverleihung gab Lukas Reichert noch eine Kostprobe seines Könnens auf der Geige – ein berührender Schlusspunkt eines Abends, an dem Musik und Menschlichkeit zusammenfanden.
Mehr als Freizeitbeschäftigung
Der Jugend-Ehrenamtspreis macht deutlich: Ehrenamt ist mehr als Freizeitbeschäftigung. Es ist gelebte Verantwortung. Es verbindet Generationen, stärkt das Gemeinwohl und zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht abstrakt entsteht, sondern durch Menschen, die handeln.
Der Lions Club Königstein setzt mit diesem Preis ein starkes Zeichen. Er würdigt nicht nur einzelne Projekte, sondern eine Haltung: hinsehen, anpacken, Verantwortung übernehmen. Dass der Club bereits die Ausschreibung für 2027 angekündigt hat, zeigt, dass der Jugend-Ehrenamtspreis längst mehr ist als eine einzelne Preisverleihung. Er ist zu einem festen Impuls für junges Engagement im Hochtaunuskreis geworden. Und es liegen bereits jetzt Bewerbungen vor – zunächst mal jene, die in diesem Jahr die Frist verpasst haben, aber natürlich eine zweite Chance erhalten werden, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch eine verdiente Öffentlichkeit dafür zu erhalten.

