Königstein (as) – Es war eines der Bilder, das nach einer für den DLV äußerst erfolgreichen Leichtathletik-Europameisterschaft ebenfalls hängen blieb. Ein junger Sportler, der angetreten war, eine Medaille zu holen und dann nach seinem Lauf vor einem Millionenpublikum in der ARD aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. Die Rede ist von Owe Fischer-Breiholz, dem hochtalentierten 400-Meter-Hürdenläufer des Königsteiner LV nach seinem fünften Platz in 48,65 Sekunden. Er habe den schlechtesten Lauf der ganzen Saison erwischt, schon das Heranlaufen an die erste Hürde habe nicht gepasst, er sei nie mehr in den Rhythmus gekommen und letztlich über sein Ergebnis in seinem ersten Meisterschaftsfinale bei den Aktiven zutiefst frustriert. Das über die Szene hinaus durchaus beachtete Interview zeigte den Anspruch des U23-Europameisters des Jahres 2025, auch bei den Männern sofort vorne mitzuspielen. „Ich habe die 47er Zeit drauf, aber sie will einfach nicht fallen“, so Fischer-Breiholz. Und weiter rätselnd: „Ich bin hier heute aufgewacht und wusste, das wird ein richtig guter Tag ...“
Vielleicht war der selbst gemachte Druck zu hoch, denn wenn der 22-Jährige nur im Ansatz an seine persönliche Bestleistung herangelaufen wäre (48,01), hätte er die Bronzemedaille mitgenommen, die so der Türke Ismail Nazir in 48,35 ergatterte. Immerhin holte sein Frankfurter Trainingskollege Emil Aygekum Silber hinter dem norwegischen Dominator Karsten Warholm.
Bestleistung von Jana Becker
Erwartungsgemäß keine Finalchance hatte Jana Becker über die 800 Meter, aber das Halbfinale hatte sich die U20-Europameisterin, die ebenfalls ihre Premiere bei den Aktiven feierte, schon als Ziel gesetzt. Doch die Vorläufe waren dafür einfach zu schnell. Marie Becker lief trotzdem ein prächtiges Rennen, in 1:59,08 Minuten (Platz fünf) sogar eine persönliche Bestleistung. Mehr kann man bei einer Meisterschaft nicht verlangen, zum Weiterkommen fehlte ein Platz, aber doch noch 56 Hundertstel Sekunden.
„Solide“ kann man den Auftritt von Vanessa Grimm im Siebenkampf nennen, den die mit Abstand erfahrenste Königsteinerin auf Platz 14 mit 6.119 Punkten abschloss. Das galt insbesondere für den ersten Tag, an dem nur der Hochsprung mit 1,71 Metern nicht nach Wunsch lief. Stark war sie vor allem im Kugelstoßen mit 14,94 Metern. Am zweiten Tag ging es noch etwas nach hinten, speziell der Weitsprung mit 5,84 Metern blieb unter den Erwartungen – eine Verbesserung der eigenen persönlichen Bestleistung von 6.381 Punkten, erst in diesem Jahr in Götzis aufgestellt, war so nicht mehr in Reichweite.
Wie hoch die Trauben international hängen, musste auch Piet Hoyer bei der U20-Weltmeisterschaft in Eugene/USA erkennen. Er fand über 1.500 Meter nicht gut ins Rennen, musste oft nach außen ausweichen, Extrameter machen. Auf den letzten 250 Metern wurde er im schnellsten aller Vorläufe abgehängt und kam in 3:45,20 Minuten als Achter ins Ziel. Drei Plätze und drei Sekunden fehlten zum Weiterkommen, aber auch für das jüngste Toptalent im Königsteiner Team blieb die wichtige Erfahrung in einem internationalen Rennen.
Daran sind die Königsteiner Leichtathleten bisher immer gewachsen ... so wie Weitspringerin Maryse Luzolo, die auf eine starke Bestleistung von 6,84 Metern kam und bei Olympia 2021 und einer Weltmeisterschaft teilnahm. In dieser Woche hat die 31-Jährige ihre Karriere offiziell beendet, beim Abschied am Olympiastützpunkt in Frankfurt war auch ihre langjährige weggefährtin Malaika Mihambo dabei.
