Die Kurharmonix singen „tralala“: Sie sind nun 30 Lenze da

Nehmen nach 30 Jahren den Mund immer noch gerne recht voll: Die Kurharmonix feierten ihren runden Geburtstag mit vielen Gästen und Chören im Haus der Begegnung. Foto: Sura

Königstein (aks) – Die älteste A-Cappella „Boy-Group“ aus Königstein sang sich am Samstagabend in die Herzen ihrer Fans im voll besetzten Haus der Begegnung an liebevoll dekorierten Tischen, der Eintritt war frei. Wein und belegte Brote, kredenzt von der Königsteiner Singgemeinschaft, waren im Saal ausdrücklich erlaubt und erwünscht.

Es war eine Punktlandung zum 30. Jubiläum nicht nur mit dem Evergreen der Comedian Harmonists „Veronika, der Lenz ist da“, wo der Spargel wächst und alles singt. Vergnügt und unter wohlwollendem Applaus sangen die leicht ergrauten, aber bestens aufgelegten Herren in immer höheren Tonlagen vom kleinen Balkonglück mit „grünem Kaktus“ und vom „Onkel Bumba“. Sie mimten die Toreros bei „Isabella von Kastilien“ und der anschließende Männerchor „MännerPur“ – mit Sängern der „Kurharmonix“ besetzt – schwang grinsend die Hüften beim Bikini-Lied. Es folgte begeistertes Mitklatschen zu Jürgen Marcus: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, das wirklich jeder kannte, auch die Jüngeren, die an diesem Abend allerdings in der Minderheit waren. Viele im Publikum waren „so glücklich wie noch nie“! Ja, so sind sie die „Männer in den besten Jahren“ und das liege nicht am Wetter.

Damals und heute

Kurt Nachtsheim freute sich über die zahlreichen Gäste von nah und fern, dieser Erfolg gebe ihm recht, als er vor 30 Jahren aus dem Gesangsverein ausgetreten sei, weil er und seine Mitstreiter „mal was anderes machen wollten“. Damals hätte die Chorlandschaft noch anders ausgesehen, heute sei ein großer Schwund vor allem der reinen Männerchöre zu verzeichnen, was er persönlich sehr bedauere. Von 81 Chören seien nur noch neun reine Männerchöre aktiv, von denen drei an diesem Abend in Königstein auftraten. Viele Gesangsvereine wollten weg von „der deutschen Eiche“, wie Nachtsheim erwähnte und so klingt aktuelle Chormusik nicht mehr wie gestern sondern wie heute. „Wir haben alles erreicht“, und alle freuten sich an diesem besonderen Jubiläum mit ihm von Herzen.

Dass das, was so locker vom Hocker klingt, wegen der anspruchsvollen Arrangements auch viel Einsatz bedeutet und unendlich viele Proben, können sich die Herren von „Kurharmonix“ und „Männer Pur“ auf ihre Fahnen schreiben – allen voran die Klavierbegleiter Stefan Hofmann und Wolfgang Gatscher: „Die kennen ihre Chöre“.

Chöre gratulieren musikalisch

Dann eroberte der deutlich jüngere gemischte Chor „SingTonics“ GV Gonzenheim in Rot-Beige-Weiß die Bühne und begeisterte mit „I’m in heaven“ und „Cheek to cheek“ und rührten das Publikum mit ihrer Interpretation von „That’s what friends are for“ von Kurt Bacharach, vielen noch in Erinnerung in der Coverversion von Dionne Warwick, die mit namhaften Künstlern ihrer Zeit diesen Song 1986 für die AIDS-Hilfe einspielte und zum beliebtesten Song in den USA machte (und Millionen einspielte) sowie 1990 für den gleichen guten Zweck von Whitney Houston „& friends“. Die gut ausgebildeten Stimmen in allen Tonlagen garantierten Hörgenuss vom Feinsten.

Heiß ersehnt waren „die Koreanerinnen“, die schon im Saal mit ihren knallbunten traditionellen Seidenkleidern alle Blicke auf sich zogen. Auf der Bühne glänzten sie nicht nur optisch, sondern jede einzelne Stimme der zehn Sängerinnen besaß Opernqualität und ging unter die Haut. Die traditionelle Musik war sehr eingängig, ein Ohrenschmaus mit Gänsehautfaktor. Auch „Moon River“, die wunderschöne „Frühstück bei Tiffany“-Musik von Henry Mancini brachten sie zu Gehör. Jedes Lied war präzise einstudiert von Chorleiter Byung Ik Jung, der selbst professioneller Bariton ist, und solo eine Tschaikowsky-Romanze sang, am Klavier begleitet von Frau Jung Kyu Park.

Programm ließ keine Wünsche offen

Es gab in den vier Stunden dieses „Geburtstags-Chorfestivals“ viele, viele Gratulanten, die kamen, um den Kurharmonix ihre Aufwartung zu machen – und zu singen. Kurzfristig absagen musste der Chor „Sing mit Swing“ aus Königstein, wegen zahlreicher erkrankter Sängerinnen. Der Männerchor „MännerSache“ aus Weißkirchen, der schon 140 Jahre alt ist, machte mit 25 adretten Herren in weißen Hemden auch gesangstechnisch Eindruck mit Liedern von Franz Schubert und Mendelssohn Bartholdy ebenso wie mit hessischen Volksliedern und Pop A-Cappella unter Leitung von Peer-Martin Sturm.

Auch 30 Jahre alt ist der Männer- und Frauen-Chor „Terzschlag“ aus Niedernhausen, ehemals Gospifo, der gemeinsam mit Chorleiter Andreas Wollner – der die meisten Stücke selbst arrangiert – ein aktuelles Programm bot mit dem Hit „Get lucky“, aber auch deutschen Hymnen wie „Ist da jemand?“.

Die „MusiTanten“ aus Nieder-/Oberrod, ein reiner Frauenchor – bestens angeleitet von Enikö Szendrey – boten ein reiches Repertoire von Volksliedern und klassischen Gesängen mit souligen, jazzigen Songs bis hin zu modernen Stücken. Es war alles drin!

Last but not least traten die bekannten Eschbach-Singers aus Bad Homburg-Eschbach in knalligem Orange auf unter der Leitung von Christine Danner, die mit „Tears in heaven“ und als Finale „Mamma Mia“ das umfangreiche Programm wunderbar ergänzten. Jeder Chor klang anders: alle waren gut aufeinander eingespielte Teams mit einem ganz eigenen Stil, eigenen Arrangements und vor allem bester Laune, gepaart mit Sangesfreude und Gesangskunst.

Singen ist wie lachen

Wie sagte Klaus Semmler, der Vizepräsident des Hessischen Sängerbunds aus Oberursel, so treffend: „Singen ist eine andere Form des Lachens“. Gute Laune inbegriffen. Oh ja, „Sänger sind glückliche Menschen, wir lachen gern“ – und ihre Fans auch.

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