Landschafts- und Denkmalpflege mit Biss – in und um Burg Königstein sind wieder die Ziegen los

Sabine Wagner vom Talhof in Usingen-Wernborn schaut jeden Tag nach ihren thüringischen Waldziegen-Böcken, die zurzeit entlang eines Ziehweges unterhalb der Burg Königstein die Waldflächen und die Außenmauern der historischen Festungsanlage von Sträuchern, Gehölzen und kleinen Bäumen befreien. Die Ziegenbeweidung rund um die Burg wird in den kommenden Wochen weiter fortgeführt.
Fotos: dw

Königstein (dw) – Sie sind zwischenzeitlich so etwas wie die heimlichen Stars auf der Burg Königstein; und das gilt vor allem im Sommer. Sie – das sind die thüringischen Waldziegen, die nunmehr im dritten Jahr in Folge die Grünflächen in und um das historische Gemäuer beweiden und sich dabei nicht nur Gräser und kleine Pflanzen einverleiben, sondern auch ganze Sträucher, Gebüsche und Gehölze zu ihren Lieblings-Leckerli zählen. Den Paarhufern liegt das an einigen Stellen steile und für einen Menschen nur mit hohem Aufwand zugängliche Gelände entlang eines Ziehwegs, der um die, gegen Ende des 17. Jahrhunderts zur Festung aus- und umgebauten Burg führt.

„Hier sind sie in ihrem Element, das ist ihr Metier“, erklärt Sabine Wagner. Die aparte Frau muss es wissen, bewirtschaftet sie doch gemeinsam mit ihrem Ehemann den bei Usingen gelegenen Talhof, von dem die Ziegenböcke kommen und wo allein 80 ihrer Artgenossen für die hofeigene Milch- und Käseproduktion ihren Job versehen. Ihre Schützlinge hat Sabine Wagner voll im Griff. Kaum, dass sie über eines der Absperrgatter geklettert ist und aus ihrem Korb mehrere Salzstücke hervorgezaubert hat, kommen die Paarhufer wie auf Kommando angetrabt, um sich über den mineralhaltigen Imbiss herzumachen. „Die lieben Salz“, erzählt Sabine Wagner, während um sie herum ein heilloses Durcheinander ausbricht und mit zunehmender Dauer immer mehr Gestalt annimmt. Ziege reiht sich an Ziege; die Tiere sind wie „jeck“ nach dem Salz, doch kaum dass sie ihren Anteil ergattert haben, widmen sie sich auch schon wieder ihrem Auftrag – nämlich die Fläche links und die steil nach oben ansteigende Burgmauer rechts von wuchernden Sträuchern, Gehölzen und Pflanzen zu befreien.

Der Einsatz der 15 Ziegenböcke, die unterschiedlichen Alters zu sein scheinen, worauf sich angesichts ihrer verschiedenen Größen schließen lässt, ist kein Füllmaterial für das gerade von Medienleuten viel zitierte Sommerloch; dahinter steckt vielmehr ein hoch wissenschaftliches Projekt, dessen Kosten bis zu 42 Prozent von der Stiftung Flughafen Frankfurt mit fünfstelligen Beträgen im Jahr gefördert wird. Der Löwenanteil der Finanzierung der Maßnahme, an der auch die Stadt Königstein beteiligt ist, ist damit gesichert. Darüber hinaus darf sich die Kommune nicht nur über ein nachhaltig gereinigtes und gesäubertes Terrain auf und in der Burg freuen, sondern ebenso – zumindest langfristig – ein Kleinklima rund um die Festungsanlage, welches dem historischen Gemäuer durch die Reduzierung des Bewuchses weitaus weniger zusetzt als es bisher der Fall ist. Die Ziegenbeweidung ist der Stadt zufolge auch ohne Fördermittel die kostengünstigere Alternative, das Abholzen des wuchernden und dem Mauerwerk zusetzenden Bewuchses würde weitaus teurer kommen. Die Königsteiner können somit davon ausgehen, dass die nicht unumstrittene Landschafts- und Denkmalpflege mit Biss in den Sommern der kommenden Jahre weiter geht und die vierbeinigen tierischen Mäher wieder die Flächen in und um die Burg in Besitz nehmen werden.

Übrigens: Bei den Ziegen handelt es sich um eine besondere Rasse: die thüringische Waldziege. Diese ist als Nutztier vom Aussterben bedroht und steht sogar auf der sogenannten roten Liste.

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