Königstein (nd) – Im Rahmen des Königsteiner Event-Sommers fand am vergangenen Samstag wieder der „Battle of the Bands“ statt. Das kleine Live-Konzert ist sozusagen die Aufwärmparty für „Rock auf der Burg“. Drei Bands traten gegeneinander an, um sich den begehrten ersten Platz zu holen. Denn der Sieger des Wettkampfs darf das Festival am Samstag, 1. August, eröffnen. Da die Konrad-Adenauer-Anlage zurzeit nicht nutzbar ist, ist der Event-Sommer in diesem Jahr in die Hubert-Faßbender-Anlage umgezogen (s. S. 1) – was auch am Samstag bei vielen Besuchern gut ankam. Auf die Oechsle-Weinbar müssen die Gäste auch am neuen Ort nicht verzichten. Für die kulinarische Ergänzung sorgt Schreibi’s Imbissbude. Bei Bratwurst und Aperol Spritz ließen es sich die Besucher gutgehen, während Soundtechniker Nick Sonnleitner am Mischpult alles im Griff hatte.
Stimmabgabe per Wahlzettel
Im vergangenen Jahr konnte beim „Battle of the Bands“ per QR-Code abgestimmt werden. Das Konzept wurde inzwischen überarbeitet – zu groß war die Gefahr der mehrfachen Abgabe von Stimmen. Um die Fairness zu gewährleisten, konnte sich jeder Besucher einen Stimmzettel abholen; zur Absicherung bekam man einen Stempel auf die Hand. Zusätzlich gab eine fünfköpfige Jury ihr Votum ab. Die Qualifikation der Jurymitglieder ergab sich aus ihrer engen Verbundenheit mit der Musikszene. Nina Kaufmann sammelte bereits in jungen Jahren Bühnenerfahrungen und ist für die Eventagentur „Rolling Dice Events“ tätig. Stefanie Schmidt ist im Team des „Music Forge Festivals“ aktiv. Vanessa Arboles Porte ist Mitglied der Rock-AG und Sängerin zweier Big Bands. Tim Kremer (Gitarrist) und Svenja Rohmann (Sängerin) sind beide Mitglieder der beliebten Frankfurter Powermetal-Band Fatal Fire. „Wir freuen uns auf die Bands“, waren sich die Jurymitglieder einig.
Santa Jaws mit Post-Hardcore
Den Anfang machte die vierköpfige Band Santa Jaws aus Frankfurt. Mit ihrem Mix aus Post-Hardcore und Easycore schlugen sie die härtesten Töne des Abends an. Gegründet wurde die Band mit wechselnder Besetzung im Jahr 2015. Der Name „Santa Jaws“ ergab sich aus einer gemeinsamen Vorliebe der Musiker für Trash-Filme. „Wenn wir uns getroffen haben, haben wir schlechte Filme zusammen geschaut und Pizza bestellt“, erklärte Sänger, Shouter und Bassist Dylan Mato Schröder. Das Alien aus der Tiefe und alle sechs Teile Sharknado sind nur einige der filmerischen Stilblüten, die man sich an solchen Abenden zu Gemüte führte. Zeichnerisch verewigt wurden die Heimkinoerlebnisse auf ihrer CD „Rabunkenparty“. Ebenfalls darauf abgebildet ist die damalige Schlagzeugerin der Band, die heute durch ihre musikalische Tätigkeit rund 1,4 Millionen Follower auf Instagram hat.
Aus der Vorliebe für Haifisch-B-Movies entstand schließlich der Bandname. Die Filmreihe „Der weiße Hai“ trägt im Englischen den Titel „Jaws“. Wie es der Zufall will, gibt es inzwischen tatsächlich einen weiteren Trash-Film, bei dem es ebenfalls um die Meeresraubfische geht. Der Name des Films ist „Santa Jaws“; die Band hieß zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange so.
Die „Jaws“, wie sich Sänger Dylan Mato Schröder, Gitarrist und Sänger Steven Payne, Gitarrist Neo Dornberger und Schlagzeuger Martin Hockenjos, selbst nennen, gaben Vollgas auf der Bühne. Das Publikum musste zwar erstmal ein wenig in Stimmung kommen, aber die harten Riffs und Breakdowns lockerten die Atmosphäre schnell auf. Das zusätzlich verteilte Eis am Stil und zwei große aufblasbare Haifische, die durch die Menge gereicht wurden, taten ihr Übriges.
Oldschool-Rock mit Thruxtone
Die Musiker der zweiten Band Thruxtone stammen ebenfalls aus Frankfurt. Ihr Stil ist an den Hardrock der 80er Jahre angelehnt. Als Vorbilder nennen die Bandmitglieder Van Halen, Extreme, Dio und Toto. Direkt festlegen wollen sie sich allerdings nicht. „Wir probieren viel aus und sind offen für viele Musikstile“, so Gitarrist Adrian Ullmann. Beim Publikum kam das Konzert von Sänger Luca Hübner, Bassistin Julia Falkenstein, Gitarrist Ullmann und Schlagzeuger Yannick Breiter sehr gut an – ebenso wie der Austragungsort des Battles.
„Es sind weniger Leute hier, wahrscheinlich weil man nicht zufällig darüber stolpert“, sagte Besucher Mika Henkel. Im Gegensatz zu Veranstaltungen in der Konrad-Adenauer-Anlage müsse man schon wissen, dass in der Hubert-Faßbender-Anlage etwas stattfindet. „Wir mögen die Location; es ist ein bisschen privater und fühlt sich intimer an – unser Favorit ist Thruxtone. Die sind schön oldschool“, ergänzte seine Begleiterin Sina Zimmermann.
Der Name der Formation erinnert nicht zufällig an ein beliebtes Gefährt. „Vicent und ich fahren wahnsinnig gerne Motorrad“, so Adrian Ullmann. So war es für die Musiker naheliegend, ihre Formation in Anlehnung an das Zweirad Thruxton von Triumph zu benennen.
Leon for Murs singen auf Deutsch
Als letzte Teilnehmer des Wettbewerbs traten Leon for Murs aus Eschborn an. Als einzige Band an diesem Abend interpretierten sie ihre Kunst auf Deutsch. Ihre Texte handeln häufig von der Liebe – auch von der gescheiterten. Die Tiefe, die sie ausdrücken wollen, käme auf Deutsch einfach besser rüber. Der Stil von Sänger Leon Badenhop, Gitarrist Lenny Hacker, Schlagzeuger Luca von Peschke und Bassist Maurice „Mo“ Zander ist im Pop-Punk und Indie-Rock zu verorten. Als Vorbilder nennen sie die Sex Pistols und Rio Reiser. Für die vier Musiker wäre es eine große Ehre, bei dem Festival auf der Burgruine Königstein zu spielen. „Wir setzen uns für die Kultur vor Ort ein und sind eng mit Rock auf der Burg verbunden“, erklärte Leon Badenhop. Doch Glück wünscht er allen Teilnehmern. „Wir kennen die anderen Acts, und wenn wir nicht gewinnen, kommen wir auf jeden Fall als Gäste“, so Badenhop. „Murs“ ist übrigens ein reiner Fantasiebegriff und stammt aus den Kindertagen eines der Musiker.
Firestorm springt ein
Bis die letzten Stimmzettel ausgezählt waren, sollte eigentlich die Band Damage Case für die Unterhaltung der Besucher sorgen. Im vergangenen Jahr hatten sie bereits im Hellen Bogen bei Rock auf der Burg gespielt. Allerdings mussten sie aufgrund der Erkrankung eines Bandmitglieds absagen. Ein kurzfristiger Ersatz musste her, und was war naheliegender, als dass die Rock-AG selbst einspringt? Kurzerhand spielten die Vorstandsmitglieder Marco Russo und Dominik Glienicke einfach mit ihrer Band Firestorm auf. Die Hard-&-Heavy-Formation erfreut sich in Hessen großer Beliebtheit, und so wurde vor der Bühne geheadbangt und lauthals mitgesungen. Für die Besucher war der Auftritt der vier spontanen Musiker ein willkommener Ersatz. Besonders freuten sich Sänger Marco Russo, Bassist Martin Landersheim und Schlagzeuger Dominik Glienicke, dass Anton Tsybulin für ihren verhinderten Gitarristen einsprang. Tsybulin ist schon seit Jahren nicht mehr Mitglied in der Band, doch auch ohne vorherige Probe saß jedes Riff.
Und der Gewinner ist ...
Natürlich blieben die Besucher, bis der Sieger des Battles bekannt gegeben wurde. Marco Russo verkündete zunächst den dritten und zweiten Platz. Bronze holten Leon for Murs, während sich Santa Jaws Silber sicherten. Den Triumph des ersten Platzes holten sich Thruxtone. Sie dürfen als 13. Band „Rock auf der Burg“ eröffnen. Das Festival wird mit Größen, wie Dead by April und Prospective härtere Klänge als jemals zuvor präsentieren. Da wird der „Oldschool-Rock“ von Thruxtone für manche eine willkommene Abwechslung sein.
Der Königsteiner Event-Sommer hat natürlich gerade erst begonnen. Am Freitag, 10. Juli, geht es mit Comedy von Roberto Capetoni weiter. Am Samstag folgt die Königsteiner Band Mangold, die ebenfalls eng mit der Rock-AG verbunden ist.




