St. Annaberg-Gedächtniswallfahrt in der Kollegskirche: „Wir loben dich, heilige Mutter Anna!“

Prof. Andrzej Anderwald, Domkapitular Krystian Burczek, Landrat Ulrich Krebs, WB Dr. Gerhard Pieschl, Kantor Matthias Riedel, Wallfahrtsleiterin Patricia Ehl, Pfr. Friedrich Glöckler, Bürgermeisterin Beatrice Schenk Motzko und Organistin Christa Pfaff-StenzelFotos: privat

Königstein (kw) – Der 31. August war zeitgleich der letzte Sonntag des Monats – das bedeutet für die Schlesier: Heute findet die 68. St. Annaberg-Gedächtniswallfahrt in Königstein statt.

Schon am frühen Morgen war ein emsiges Treiben auf dem Gelände der Bischof-Neumann-Schule festzustellen. Die letzten Vorbereitungen für die große Wallfahrt wurden getroffen. Das Küchenteam traf ein, um die Suppe zu kochen, Kuchen wurden geliefert und die Wege mit Fahnen geschmückt.

Bei schönem Wetter pilgerten kurz darauf mehr als 250 Gläubige zur Kollegskirche, die mit Sonnenblumen und weißen Gladiolen dekoriert war. Das Sakrament der Beichte wurde gespendet und zur Einstimmung in den Tag wurde das Rosenkranzgebet vorgetragen.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Organistin Christa Pfaff-Stenzel und dem Geiger Harald Schieferer begleitet, die zum Einzug das Lied „St. Anna voll der Gnade…“ anstimmten.

Würdevoll schritten die Messdiener, Prof. Dr. Andrzej Anderwald, Domkapitular Krystian Burczek, Pfarrer Friedrich Glöckler, Weihbischof Dr. Gerhard Pieschl, zusammen mit Landrat Ulrich Krebs, Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko und Wallfahrtsleiterin Patricia Ehl zum Altar, begleitet von der oberschlesischen Fahne und in der Tracht von Familie Ulfig.

Bevor die Heilige Messe begann, begrüßte Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko die Mitfeiernden. In ihrer Begrüßung ging sie auf die Schutzmantelmadonna ein, die 1952 geweiht wurde, und auf die Kollegskirche, die für die Heimatvertriebenen und deren Nachkommen ein Ort der Heimat geworden ist. Durch die jährlichen Wallfahrten werden Traditionen und das Gedenken an die Heimat gepflegt und aufrechterhalten.

Was für eine große Bedeutung diese Gedächtniswallfahrt hat, zeigte sich darin, dass Landrat Ulrich Krebs und Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko die Lesungen vortrugen und Dr. Bernhard Jungnitz, Vorsitzender des Heimatwerkes katholischer Schlesier, die Fürbitten las.

Botschafter und Zeuge des lebendigen Glaubens sein

In seiner Predigt setzte Hauptzelebrant Prof. Dr. Andrzej Anderwald aus Oppeln den Fokus ganz auf die Christen, die Zeugen des lebendigen Glaubens sind – Menschen, die sich für den lebendigen Gott entschieden haben und Glieder der Kirche sind. Wie können wir Salz der Erde und Licht der Welt sein? Es sind Christen, die bereit sind, in der heutigen Zeit mit Begeisterung an der Intensität des christlichen Lebens mitzuwirken – durch Beten und Hören auf Gottes Stimme und das Vertrauen, dass die Bitten und das Danken nicht ins Leere laufen. Genannt wurde auch die karitative Solidarität. Zeugen hierfür sind die Menschen, die unruhig sind, wenn es um Ungerechtigkeiten, Krieg und Armut geht, oder das Weinen über das Leid anderer. Glaubwürdige Zeugen sein, indem das Handeln und Reden etwas von Gott durchscheinen lässt. Glaubwürdige Zeugen sein, indem Christen selbstbewusst und mit klarer Position für den Glauben eintreten und zu ihm stehen.

Zum Schluss segnete Domkapitular Krystian Burczek die mitgebrachten christlichen Gegenstände und ein neues Priester-Messgewand, welches im nächsten Jahr bei der Wallfahrt getragen wird. Weiterhin bedankte sich Pfarrer Burczek bei den Wallfahrern für deren Treue und Verbundenheit zur Heimat. Einen großen Dank sprach er an Patricia Ehl aus für ihr Engagement, die St. Annaberg-Gedächtniswallfahrt jährlich auszuarbeiten und durchzuführen, damit das Bekenntnis zur Heimat nicht verloren geht.

Mit dem bischöflichen Segen von Weihbischof Pieschl endete das feierliche Hochamt.

Getragen von dem Lied „Über die Berge schallt…“ folgten die Pilger der Einladung in die Mensa der BNS. In fröhlicher Runde und bei vielen Gesprächen stärkten sich die Gäste bei Erbseneintopf, Kaffee und schlesischem Kuchen, bevor es zur Heimatstunde in die Kollegskirche ging. Ein Dank gebührte dabei dem Team in der Küche.

Heimatstunde

Unterstützt von einer PowerPoint-Präsentation sprach Referent Prof. Andrzej Anderwald über das Thema: Die Sorge der Kirche um die Würde der älteren Menschen aus der Sicht der Caritas der Diözese Oppeln.

Spricht man von „Waisen“, kommen uns meistens Kinder in den Sinn, die ihre Eltern verloren haben. Aber auch Erwachsene können zu „Waisen“ werden.

Ein Beispiel sei die demographische Entwicklung. Die Bevölkerung schrumpft seit Jahrzehnten, jedoch steigt der Anteil der älteren Menschen durch die höhere Lebenserwartung. Ein Problem aus Sicht von Prof. Anderwald ist, dass diese Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. Die Aufgabe aller sei es, dem etwas entgegenzusetzen.

Dazu gehören die vielfältigen karitativen Initiativen, ehrenamtliche Tätigkeiten in der häuslichen Pflege, der täglichen Betreuung und der Rehabilitation. Als Beispiel nannte er das „Sebastianeum Silesiacum“ in Groß Stein (Kamien Slaskie). Das Haus arbeitet auf Basis der Therapieansätze von Pfarrer Sebastian Kneipp und wurde Ende der 1980er Jahre vom damaligen Bischof Alfons Nossol angestoßen. Jeder Mensch ist wertvoll und verdiene in jeder Lebensphase Respekt – egal, in welcher Verfassung er ist..

Marienlob mit Aussetzung und Pilgersegen

Mit „Über die Berge schallt…“, begann das Marienlob, welches von Pfarrer Burczek vor der Schutzmantelmadonna gebetet wurde. Kantor Matthias Riedel sang die Grüssauer Marienrufe, anschließend erfolgte die Aussetzung „Sakrament der Liebe Gottes“, besser bekannt als „Tantum ergo“.

Mit dem Pilgersegen endete dieser Wallfahrtstag.

Zur Erinnerung durften sich die Teilnehmer eine Sonnenblume mitnehmen.

Am Schluss gab Patricia Ehl bekannt, dass auch im kommenden Jahr, am 30. August 2026, die St. Annaberg-Gedächtniswallfahrt wieder in der Kollegskirche stattfinden wird.

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