Stark und selbstbewusst – so sollen Kinder sein

Achtung, Ball kommt und jeder Treffer wird zum Erfolgserlebnis: Jürgen Pfeiffer und Michael Schidlauske zeigen Leo am Tischtennisautomaten des SC Glashütten die Grundbegriffe der schnellen, dynamischen Sportart. Fotos:Schramm

Königstein (as) – Starke Kinder spielen gerne mit dem Ball, sind beweglich, kreativ und wagen sich gerne auch mal an trickreiche Experimente heran, die ihren Geist herausfordern. Da das alles aber heute im Zeitalter der sozialen Medien und des digitalen Sich-Verlierens nicht mehr so selbstverständlich ist wie noch vor ein, zwei Generationen, braucht es manchmal einen besonderen Antrieb und Anlass für Kinder und Jugendliche, um zurückzufinden zu dem, was fast alle in diesem Alter gerne tun, aber häufig viel zu selten noch machen.

Das Sport- und Familienfest „Starke Kinder“, veranstaltet von der Königsteiner Carls Stiftung, bietet seit fast einem Jahrzehnt einen solchen Anlass. Am Sonntag waren während der fünf Stunden wieder fast 1.000 Kinder mit ihren Eltern auf dem pickepackevollen Parkplatz von Edeka Nolte in Königstein dabei. An den Ständen der 20 Partner – Sportvereine, Schulen, Initiativen – waren Geschicklichkeit, Konzentration, Ballgefühl und manchmal auch ein wenig Mut, mal etwas völlig Neues auszuprobieren, gefragt. Wer eine Station mehr oder minder erfolgreich bewältigte – hier galt das Olympische Motto –, erhielt einen Sticker für den Laufzettel. Und die 13 war an diesem Tag alles andere als eine Pechzahl, denn mit 13 gesammelten Stickern konnte man an der großen Tombola teilnehmen. Der perfekte Abschluss des Aktionstags jedes Jahr um 17 Uhr. Dort gab es noch mal tolle Gewinne von den Partnern, zum Teil, um weiter aktiv zu bleiben, auch die Bobby Cars der Carls Stiftung, die den ganzen Tag über mit Begeisterung über den Parcours bewegt worden waren. So fanden diese noch neue, stolze Besitzer.

„Sehr zufrieden“ zeigte sich auch Ulrike Soeffing, die Vorstandsvorsitzende der Carls Stiftung, mit dem Verlauf des Nachmittags. „Ich denke, wir haben es gut hinbekommen“, ging das Lob an das gesamte Orgateam, „den Platz haben wir noch nie so gut ausgenutzt.“ Auch mit den langjährigen und den vier neuen Partnern war Ulrike Soeffing glücklich. „An jeder Station ist liebevoll auf die Kinder eingegangenen worden.“

Und auch die vier neuen Partner, die Musikschule Königstein, die Grundschule Schneidhain, der SC Glashütten und „Bürger helfen Bürgern“, zudem war die Tanzschule Motsi Mabuse nach einem Jahr Pause in die Riege der Partner zurückgekehrt, zeigten sich happy und wollen wiederkommen.

Bei den „Bürgern“ gab es ein Memory-Spiel, aber mal anders, ein Hör-Memory. In je zwei Dosen befanden sich Mehl, Zucker, Reis und Nudeln – hier beim Schütteln die zwei gleichen zu erkennen, war schon ganz schön schwierig. Besonders zwischen Zucker und Reis gab es akustisch nur geringe Unterschiede. Zudem konnten sich die Kinder hier schminken lassen – das fehlte noch bei der Veranstaltung.

Die Musikschule hatte sich besonders kreative Beschäftigungen überlegt. Ein mit Weizenkörnern verziertes „Shaker-Ei“ in Form eines großen Überraschungseis konnte verziert werden und dann als kleine Rumbakugel oder als Rassel musikalisch verwendet werden. „Die waren sehr beliebt, aber sie waren zu früh aus. Wir hatten nur 250 Stück dabei, daraus lernen wir fürs nächste Mal“, sagte Musikschulleiterin Svea Bernhardt. Es gab aber auch noch ein Musikinstrumente-Suchbild und ein Suchsel-Rätsel für jene Kinder, die schon lesen können.

Beim SC Glashütten wurde natürlich wie im Normalbetrieb Handball und Tischtennis gespielt. Beim Werfen auf ein Mini-Trampolin ging es darum, den zurückprallenden Ball direkt wieder zu fangen. Noch mehr zog der Tischtennisautomat, der die Bälle in Sekundenschnelle ausspuckte. Für die Kinder, die zum Teil noch nie einen Schläger in der Hand hatten, ging es darum, den Ball zu treffen und halbwegs gezielt in ein Fangnetz zurückzuschlagen. Jürgen Pfeiffer aus dem Vorstand und Abteilungsleiter Michael Schidlauske erklärten den Griff und den Bewegungsablauf und entdeckten durchaus einige Talente, die man vielleicht an diesem Tag dazu animiert hatte, mit dem Tischtennis – egal ob in Königstein oder Glashütten – zu beginnen. „Aber man merkt, dass sich mehr Kinder schwertun mit Bewegung und Koordination“, sagte Jürgen Pfeiffer, der dem Sport seit mehr als 40 Jahren treu ist, auch deutlich. Er war nicht der Einzige, dem dies auffiel.

Um genau diese Fähigkeiten ging es auf der anderen Seite des Parkplatzes am Stand von „Fit for Women“. Einbeinig hüpfen, Balance halten auf einem weichen Gummikissen, kleine Stoffkissen in Kreise werfen und Ringe auf Hütchen – hier war der komplette junge „Sportler“ gefordert. Nebenan bei der Hospizgemeinschaft Arche Noah gab es wieder Spaß beim Lenken des Rollators über einen Parcours – über den ernsten Hintergrund der Gehhilfen müssen sich die Kinder zum Glück keine Gedanken machen. Aber sie merkten gleich:Auch hierfür braucht es Übung. Und beim SC Königstein wurde es richtig „tricky“ beim simulierten Orientierungslauf im Pylonenparcours. Wie bei den richtigen Läufen gab es eine Karte zur Hand, mit SI-Chips mussten die in der Karte angezeigten Pylonen in der richtigen Reihenfolge „markiert“ werden. Der Trick dabei ist, die Karte beim Laufen nicht zu drehen und sich immer anhand der Himmelsrichtung im Parcours zu orientieren. Einige Kinder wären hier so gut gewesen, dass sie gleich alle Kartenvarianten bewältigt hätten (während der Autor dieser Zeilen bei seinem Versuch scheiterte), erzählte Ingo Horst vom SC, der mit seinen Vereinskollegen die Faszination Orientierungslauf an diesem Tag gut vermitteln konnte.

Nicht fehlen durfte die Königsteiner Jugendfeuerwehr mit ihrem Zielspritzen auf kleine Flammensymbole, die aus den selbst gebauten zweidimensionalen Häuschen emporzüngeln und bei genug Wasserdruck nach hinten umkippen: Mission erfüllt – Feuer gelöscht. Am Essensstand der Feuerwehr ging es dagegen gewollt heiß her, mit Pommes und XXL-Bratwürsten, natürlich an diesem Ort gesponsert von Edeka Nolte. Die Hauptarbeit bei der Organisation hatte – übrigens wie schon am Tag der Feuerwehr vor zwei Wochen – Stadtjugendwartin Sabrina Aniolek geleistet. Aber auch der Eisstand war stark belagert, wo Kinder aktiv sind, kommt auch Hunger auf. Logisch!

Zu den Lieblingsstationen am Tag für „Starke Kinder“ gehören seit Jahren auch die Rollenrutsche und der Besuch bei Clown Heinrich, wo Kind mit Schaumstoffäxten auf Dosen oder mit Gummischweinchen in den Korb das Zielwerfen üben konnte. Und diesmal sogar mit einem gewissen Lerneffekt. Denn zum Spiel gehörte auch, die abgeräumten Dosen für den nächsten Teilnehmer wieder aufzubauen. Erst dann war die Aufgabe erledigt und der Sticker wurde ausgehändigt. Keiner kann das so nett, aber auch mit Autorität herüberbringen wie Clown Heinrich. „Es geht auch nicht immer darum, als Gewinner oder Bester aus einem Spiel herauszukommen. Alle haben hier einfach nur Spaß“, meinte Heinrich. Und so wurden an die 1.000 Kinder am Sonntag nicht nur motorisch und geistig, sondern auch im Sozialverhalten „stark“ gemacht.

Weitere Artikelbilder



X