Königstein (kw) – Trotz Dauerregens und kühler Temperaturen folgten rund 60 interessierte Königsteinerinnen und Königsteiner der Einladung der ALK zum „wALK & tALK“ durch die Innenstadt. Treffpunkt war der Kapuzinerplatz. Dort gab der Spitzenkandidat und Bauexperte der ALK, Günther Ostermann, zunächst einen Überblick über das städtische Vorhaben zur Umgestaltung der Innenstadt im Rahmen der Bundesförderung zur Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel.
Der offizielle Förderzeitraum endet am 31. Dezember 2027 – bis dahin müssen alle Maßnahmen umgesetzt sein. Die Stadt hoffe auf eine Verlängerung, so Ostermann.
Fördermittel und Auflagen
Berthold Malter, Finanzexperte der ALK, informierte über den aktuellen Stand der Förderung. Nach Auskunft der Bürgermeisterin liege der Zuwendungsbescheid des Bundes bislang nicht vor. Malter erklärte hingegen, er habe als Bürger auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes Einsicht in den Bescheid der zuständigen Berliner Behörde erhalten. Demnach seien zahlreiche Auflagen zu erfüllen, damit Fördermittel tatsächlich ausgezahlt werden können.
Zudem müsse die Stadt zunächst sämtliche Maßnahmen vorfinanzieren, bevor eine Erstattung im Rahmen des Förderprogramms beantragt werden könne, ergänzte Ostermann. Ob der vom Bund reservierte Betrag schließlich in voller Höhe ausgezahlt werde, hänge von weiteren Prüfungen ab. Damit bleibe die Gesamtfinanzierung des Projekts mit Unsicherheiten behaftet.
Wasserkonzept als Schlüsselprojekt
Ein zentrales Element der geplanten Neugestaltung ist die Nutzung des Spülwassers des Kurbades zur Bewässerung des Kurparks und der Konrad-Adenauer-Anlage. Dieses Konzept sei maßgeblich für die Förderzusage gewesen, erläuterte Magistratsmitglied Hennes Leppin. Allerdings könnten durch neue technische Entwicklungen die bislang prognostizierten 400 Kubikmeter Spülwasser womöglich nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung stehen.
Sollte diese Grundlage entfallen, stünde das gesamte Wasserkonzept – und damit auch die Basis der Förderung – infrage.
Tiefgaragenzufahrt sorgt für Kritik
An der ersten Station, der geplanten Zufahrt zur neuen Tiefgarage, äußerten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihr Unverständnis. Die Zufahrt werde eine etwa acht Meter breite und rund vier Meter tiefe „Schlucht“ bilden. Wiederholt wurde darauf hingewiesen, dass bereits die zweite Ebene der bestehenden Tiefgarage der Stadtgalerie häufig leer stehe.
Für den Abtransport des Aushubs seien rund 1.000 Lkw-Fahrten erforderlich, so Malter. Dies stehe aus Sicht vieler Teilnehmender im Widerspruch zum Ziel, im Rahmen des Förderprogramms CO2 nachhaltig zu reduzieren. Auch die umfangreichen Betonarbeiten würden die Klimabilanz zusätzlich belasten.
Zukunft des Ellasprudels
Weiter ging es zum Ellasprudel. Nach den vorliegenden Planungen sollen dort künftig Spülwasser des Kurbades, Drainagewasser der B8 sowie Regenwasser von Dächern und Straßen mittels Ultrafiltration gereinigt werden. Anschließend soll das aufbereitete Wasser offen zur Hauptstraße fließen und in Zisternen unter der Tiefgaragenzufahrt (350 Kubikmeter) sowie im Kurpark (500 Kubikmeter) gespeichert werden.
Leppin stellte die Frage, ob aufbereitetes Wasser in Badewasserqualität nicht auch im Kurbad selbst wiederverwendet werden könne – ein Verfahren, das in anderen europäischen Bädern bereits üblich sei.
Andreas Colloseus erinnerte an die historische Bedeutung des Ellasprudels. Der aus heimischen kristallinen Natursteinen errichtete Brunnen, der noch vor dem Ersten Weltkrieg als Teil der Königsteiner Kuranlagen entstand, sei ein Wahrzeichen der Stadt. Sein sprudelndes Wasserspiel präge das Bild der Kurstadt. Die geplante Umgestaltung mit versetzt angeordneten Betonblöcken könne diese Wirkung kaum ersetzen – eine Einschätzung, die unter den Anwesenden breite Zustimmung fand.
Diskussion um Busbahnhof und Baumbestand
Im Rosengärtchen, dem künftigen Standort des Busbahnhofs, wurden Fragen zur Größe, Funktionalität und Verkehrsführung laut. Colloseus zitierte aus der Offenlage des Bebauungsplans, wonach der Verkehrsverbund die vorgesehene Fläche als zu klein bewertet und eine Erweiterung erwarte.
Besonders emotional wurde die Diskussion in der Konrad-Adenauer-Anlage. Dort sollen 45 Bäume gefällt werden; lediglich fünf Exemplare am Rand zur Klosterstraße hin sollen erhalten bleiben. Die Anlage würde vollständig gerodet. Da die Brut- und Setzzeit am 1. März 2026 beginnt, müssten Fällungen und Rodungen bis spätestens 28. Februar 2026 abgeschlossen sein. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer reagierten mit Entsetzen. Zweifel wurden an der bescheinigten mangelnden Vitalität der Bestandsbäume laut. Mehrfach wurde angeregt, nicht die gesamte Anlage „tabula rasa“ zu räumen, sondern nur tatsächlich kranke oder abgängige Bäume zu entfernen und gezielt zu ersetzen.
„Gibt es noch einen Hoffnungsschimmer?“
Im abschließenden Gespräch zeigte sich ein Großteil der Teilnehmenden bestürzt über den unmittelbar bevorstehenden Kahlschlag in der Konrad-Adenauer-Anlage. Immer wieder wurde die Frage gestellt, ob es noch Möglichkeiten gebe, die Planungen zu überdenken – und ob für die traditionsreiche Grünanlage doch noch ein Hoffnungsschimmer bestehe.