Königstein (kw) – IWährend hier bei uns die ersten Kerzen angezündet werden, Plätzchenduft durch die Küchen zieht und die Städte im Lichterglanz erstrahlen, erleben acht junge Menschen dieses Jahr ein ganz anderes Weihnachtsfest. Im August begann für sie eine aufregende Reise: Jordis, Anton, Anneke, Ellen, Veronica, Alice, Laura und Leela haben sich auf den Weg gemacht – weit weg von Heimat, Familie und dem typisch deutschen Winter. Nun verbringen sie Weihnachten im Andenhochland Perus, auf rund 3.000 Metern Höhe, umgeben von Sonne, Bergen und einer völlig neuen Art von weihnachtlicher Vorfreude.
Hinter dieser Reise steht der Verein „Herzen für eine Neue Welt“, der sich seit über 27 Jahren für Kinder und Familien im heiligen Tal der Inka engagiert. Ein Großteil dieser Arbeit ist der Freiwilligendienst, bei dem jedes Jahr junge Menschen aus Deutschland nach Peru reisen, um dort ein Jahr lang zu leben, mitzuhelfen und wertvolle Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.
Für die Freiwilligen sind die Adventszeit und das erste Weihnachten fern der Heimat eine besondere Herausforderung. Ihr neues Zuhause, das der Verein gemeinsam mit dem Partnerverein vor Ort führt, ist das Kinderdorf Munaychay. Dort sollen sie nicht nur Einblicke in den Alltag der peruanischen Kinder und Jugendlichen erhalten, sondern auch in ihre Bräuche und Traditionen eintauchen.
Während man in der nahegelegenen Stadt Urubamba kaum einen Hinweis auf Weihnachten findet, wird im Kinderdorf Munaychay liebevoll dekoriert. „In den Häusern werden die Weihnachtsbäume aufgestellt und ein bisschen geschmückt“, berichten die Freiwilligen. Zudem seien die Kinder bereits wegen des alljährlichen Krippenwettbewerbs aufgeregt: Bis zum 17. Dezember soll jedes Haus eine Krippe gestalten – ein gemeinsames Ereignis zwischen Kindern und Erwachsenen.
Trotz dieser Aktivitäten sei die vertraute Weihnachtsstimmung für die jungen Menschen noch schwer greifbar: „Wir freuen uns sehr auf Weihnachten und sind gespannt, wie es hier wird. Aber bisher sind wir noch nicht richtig in Weihnachtsstimmung.“Kein Wunder – bei sommerlichen Temperaturen und ohne vertraute Winterbilder fehlt etwas. Deshalb hat die Gruppe beschlossen, ein wenig heimische Tradition einziehen zu lassen: Es soll einen Adventskranz geben, für die Kinder im Projekt plane die Gruppe kleine Weihnachtsaktionen und es sollen Plätzchen gebacken werden. Beim Backen müssen die Freiwilligen kreativ sein, denn nicht alle Zutaten sind leicht erhältlich. „Vanille oder Puderzucker bekommt man nicht so leicht – aber das können wir selbst herstellen. Lebkuchengewürz gibt es gar nicht. Wir haben aber eine eigene Mischung gemacht, die gut funktioniert.“
Besonders beliebt ist ihr selbst gestalteter Adventskalender, bei dem jede Person drei Türchen für andere befüllt hat. So gibt es im Dezember für jeden drei kleine Momente der Überraschung und Verbundenheit. Auch für die Kinder im Kinderdorf sollen die Freiwilligen Adventskalender planen, um ein Stück ihrer Tradition weiterzugeben. So entsteht trotz mancher Sehnsucht nach Lichterglanz und Kälte im Kinderdorf Munaychay Schritt für Schritt eine neue Art von Weihnachtsgefühl – eines, das aus Gemeinschaft, Kreativität und Zusammenhalt wächst. Eine ganz neue Erfahrung, die die Freiwilligen miteinander teilen. Weihnachten in Peru ist anders. Vielleicht gerade deshalb aber besonders.
Damit diese Arbeit weiterhin möglich bleibt, ist das Kinderdorf Munaychay auf Unterstützung angewiesen. Unterkunft, Schulmaterial, Versorgung der Kinder – all dies lasse sich nur durch Spenden nachhaltig sichern. Wer die Arbeit des Vereins mithilfe einer Spende unterstützen möchte, findet im Internet unter https://www.herzenhelfen.de/kind.php alle nötigen Informationen.
