Königstein (as) – Es dämmert gerade so um 16.30 Uhr am vergangenen Freitag, der Königsteiner Weihnachtsmarkt hat gerade geöffnet. Und schon dreht sich das Karussell gut besetzt auf dem Kapuzinerplatz, nebenan sind die Schiffschaukeln in Betrieb gegangen und über allem strahlt der Weihnachtsbaum, den Königsteiner Kinder sechs Tage zuvor so schön geschmückt haben. Da stört es auch niemanden, dass erneut die Nebelsuppe über dem Ort hängt. Kinder, Familien, viele junge Leute und die alteingesessenen Königsteiner sind am ersten von drei Markttagen schon unterwegs, ziehen weiter in den Kurpark und zu den Ständen vor der Villa Borgnis. „Da geht es ja immer noch weiter“, sagt ein Marktbesucher – der 2024 offensichtlich nicht da war –, als er den mit Buden gesäumten Weg in Richtung Rathausvorplatz entdeckt, wo die Veranstaltungsbühne steht.
Ja, der Königsteiner Markt zieht wieder und er leuchtet wieder, seit die Weihnachtsmarkt-Kommission 2024 das Konzept gründlich überarbeitet hat. Seit der Platz vor dem Rathaus mit seinen so herrlich weihnachtlich verzierten Fenstern und ein Bühnenprogramm für Live-Musikauftritte hinzugenommen sind, die Standmieten reduziert und so die Zahl der Buden fast verdoppelt worden ist. Von 35 auf bereits 57 im Vorjahr auf jetzt 60 – der Weihnachtsmarkt ist ausverkauft, – ohne dass er an irgendeiner Stelle überfüllt wirkt. „Viel mehr kriegen wir nicht unter, es soll ja noch genug Platz sein, sich den Markt anzusehen“, sagt Erster Stadtrat Jörg Pöschl, der Leiter der Kommission, der neben Magistratsmitgliedern auch vier Vereinsvertreter angehören und die das Ereignis fast ein Jahr lang vorbereitet haben, bei seiner Begrüßung während der Eröffnung um 18 Uhr.
Einen Platz ergattert hat vor der Rathaus-Front „The Eppstein Project“, das mit seinem „Verkaufsstand“, einem VW Bulli, sofort auffällt. Hinter dem Projekt stehen die Betreiber des Campingplatzes in Niederjosbach. Sie verkaufen unter anderem authentisch schmeckenden Apfelsaft in heißer und kalter Form, die Äpfel kommen von den Obstbäumen des Campinggeländes. Auch Äppler, der allerdings aus Oberjosbach stammt, und Weine sind im Angebot.
„Für uns ist das ein Hobby, mehr als zwei Märkte schaffen wir nicht“, sagt Inhaber Ralf Bröske. Der Eppsteiner Markt ist gesetzt am dritten Adventswochenende, in Königstein ist „The Eppstein Project“ das erste Mal mit seinem Bulli und regionalen Produkten dabei.
„Wir waren letztes Jahr zu Besuch. Die Atmosphäre hat uns so gut gefallen, dass wir uns beworben haben“, sagt Daniela Heinz von „The Eppstein Project“. Ein schöneres Lob von extern kann es kaum geben. Und mit der Bewerbung hat es auch geklappt. So lange habe man gar nicht warten müssen auf eine Zusage, erzählt Bröske. Womöglich habe der VW Bulli geholfen, welchen ein vorbeikommender Auto-Experte sofort als ein Modell (Baujahr 1974) aus dem Werk in Brasilien erkennt, wo der Kultbus am längsten, bis 1975, gebaut wurde. Ja, ein solcher Stand ist schon ein Hingucker!
Aber auch die anderen Stände sind interessant, bieten eine gute Mischung, sodass es sich an vielen Stellen zu verweilen lohnt – auch am Samstag und Sonntag, als der Nieselregen den trüben Himmel noch ergänzt. Es sind mehr Kunsthandwerker dabei als im Vorjahr, regionale Produzenten etwa von Wurstwaren und Honig, eine schöne Mischung an stark „belagerten“ Essensständen – von Flammkuchen, über gegrillten Saibling, Spätzlepfannen, diverse Bratwurststände – an gleich zwei legen die Plaschis Original-Thüringer aus Magdala auf den Grill – und ganz viele Stände der Königsteiner Vereine, an denen Glühwein, Punsch, Waffeln und selbst gebackene Plätzchen die Favoriten sind. Oft wird mit hohem Engagement nicht nur für die Vereinskasse, sondern auch für einen guten Zweck verkauft, ob bei den verschiedenen Fördervereinen, bei „Herzen für eine Neue Welt“, bei den Oberurseler Werkstätten oder auch am „One World“-Stand der katholischen Pfarrei St. Marien.
Das greift auch Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko am Freitag auf der Bühne auf, nachdem die musikalische Eröffnung mit Weihnachtsliedern von einer Abordnung des Fanfarencorps verklungen ist: „Es gibt nichts Schöneres, als am Tag des Ehrenamts diesen wunderschönen Markt zu eröffnen.“ Sie dankte allen Freiwilligen, „die diesen Markt ermöglicht haben“, neben den Professionellen vom städtischen Veranstaltungsmanagement, vom Betriebshof, der alle Buden gestellt hat und auch wieder abbaut, und eben der Weihnachtsmarkt-Kommission.
Neu ist auch, dass das Bühnenprogramm auch zu den Ständen der Villa Borgnis übertragen wird. Jeder darf ruhig mitbekommen, wenn oben vor dem Rathaus gute Musik gemacht wird! Nach der Eröffnung übernehmen Königsteins Kult-Musiker Mangold mit Stimmungs- und Feel-Good-Liedern die Bühne, an den weiteren Tagen folgen Auftritte der Grundschulen Schneidhain, Mammolshain und das Kids Camp. Das Weihnachtssingen der Musikschule Königstein und die Band „Evas Apfel“ sind am Samstag zu Gast und am Sonntag beschließen die Jagdhornbläser aus Ober-Erlenbach das Programm.
Da ist für jeden etwas dabei, ein Weihnachtsmarkt mit Atmosphäre eben – auch bei bescheidenem Wetter. Denn atmosphärisch kann es auch sein, dicht gedrängt, die Hände wärmend um die Glühweintasse gelegt, unter den Vordächern der Stände zu stehen und einfach gute Gespräche zu führen.
Was fast untergeht, wenn alles gut gegangen ist: Auch an die Sicherheit hat die Stadt gedacht. Am Freitag wird der Zentrale Busbahnhof um 18 Uhr dicht gemacht – ok, zwei Stunden nach Marktöffnung, aber früher geht es vom Busaufkommen nicht. Ab dann versperren zwei Radlader die Straßen, wo man theoretisch mit Schwung ins Marktgelände hineinfahren könnte, an anderen Stellen werden Wassertanks hingestellt. Keine Auflage im Rahmen eines Sicherheitskonzepts, sagt Veranstaltungsmanager Ron Wolf, denn es gibt keine entsprechenden Auflagen für Events mit weniger als 5.000 Besuchern.
„Wir machen es freiwillig“, sagt Wolf. Damit alle gerne zum Weihnachtsmarkt nach Königstein kommen, auch wenn dieses kleine Extra an Sicherheit vermutlich den wenigsten aufgefallen ist. Und gerne wiederkommen. Man kann schon gespannt sein, was sich die Stadt und ihre Weihnachtsmarkt-Kommission noch so alles einfallen lassen. Manche munkeln ja sogar von einem Riesenrad …
Bildunterschriften (s.u.)
Beim Lions Club Königstein verkauften Heinrich Alter, Dr. Martin Kasper und Martin Pauly Traditionelles und Neues: selbst gebackene Plätzchen der Grundschüler, Weihnachtskugeln aus dem Vogtland und erstmals eigenen Honig. Die Plätzchen kamen erstmals von den Eltern der Grundschulkinder aller Königsteiner Schulen, während die Kinder tagsüber selbst den Verkauf ankurbelten.
Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, Erster Stadtrat Jörg Pöschl (li.) und viele Besucher lauschen den Weihnachtsmelodien der MuShoBa vor der offiziellen Eröffnung des Weihnachtsmarkts.
Für Familien mit Kindern beginnt der Weihnachtsmarkt gewiss auf dem Kapuzinerplatz: Von hier zog sich am vergangenen Wochenende die leuchtende Meile des Königsteiner Weihnachtsmarkts mit 60 Ständen durch den Kurpark bis zum Rathausvorplatz. Foto: Schramm
Waffeln in verschiedenen Feuerwehrdesigns gab es bei den Königsteiner Brandschützern Rosa, Jugendwartin Sabrina Aniolek, Julius, Wehrführer Marc Jacobs und Carina, die auch am Stand des Abikomitees des Taunusgymnasiums zu tun hatte.
Der Maronenofen von Jens Hohmann ist seit Jahren ein besonderer Anziehungspunkt auf dem Königsteiner Weihnachtsmarkt. „Es sind die besten, sie lassen sich super schälen“, sagt Hohmann. Finden auch Mutter Katharina und Sohn Nicolai Maloney mit Au-pair Stecy, die aus Madagaskar stammt.
Rohesser und Schmalzbrote erinnerten bei den Rittern von Königstein, Michel Süßbrich, Thomas Wickerath und Claudia Müller an die Kost der früheren Zeiten – bei Preisen, die heute auch nicht mehr üblich sind. „Wir wollen hier keine großem Gewinne, sondern Teil des Weihnachtsmarkts sein“, so Wickerath. Auch eine Form der Nächstenliebe!
Kleine alkoholische Appetizer genossen am Stand von Königstein – Faringdon (v.l.) Christoph Scharr, Patricia Peveling, Gabriela Terhorst und Friedrich Klein. Es handelt sich um Armarula-Shots in vier Farben im geteilten Gläschen, die es auf gemischten 8er-Brettern gab. Echte Herzenswärmer! Zu dem original BBC-Rezept gesellte sich Pumpkin Soup – Kürbis passt auch zur Jahreszeit.
Immer gut anzuhören, zu jeder Jahreszeit, an jedem Ort. Mangold mit Leadsänger Henrik Mangold (Mitte) gestaltete den ersten Abend nach der Eröffnung des Weihnachtsmarkts auf der Hauptbühne.
Der beleuchtete Bulli von „The Eppstein Project“ war ein Hingucker vor dem Rathaus. Ralf Bröske, Daniela Heinz und Anne Mohr schenken erstmals auf dem Königsteiner Weihnachtsmarkt aus und loben die Atmosphäre in der Zwei-Burgen-Stadt.
Für besondere kulinarische Auswahl sorgen nicht zuletzt die Partnerschaftsvereine. Am Stand von Königstein-Kórnik gibt es Bigos, einen würzigen Sauerkrauteintopf. Das Original mit Fleisch kam direkt aus Polen, für die ebenfalls sehr leckere vegetarische Variante zeichnete Iwona Rybak aus dem Beirat verantwortlich. Am Stand waren immer genug Vorstandsmitglieder und Freunde im Einsatz, allein am Freitagabend drängten sich v.l. Daniel Georgi, Jessica Eichhorn, Iwona Rybak, Ania Eichhorn, Celestyna Orzechowska, August Orzechowsky und Gerhard Orzechowsky. Kein Wunder, wenn es Bigos gibt.
Noch eine Premiere auf dem Weihnachtsmarkt: ein Fan-Shop von Eintracht Frankfurt an der Hauptstraße am Übergang in den Kurpark. Es gibt auch Weihnachtskugeln in SGE-Farben. Für kalte Temperaturen hätten Florian Filbry und Andreas Kuhn auch Mützen und Schals im Angebot gehabt, am Samstag erfreute vor allem der Sonderrabatt auf Trikots. Ob der Absatz nach dem Abpfiff in Leipzig einbrach, ist nicht bekannt, allerdings ist nach dem 0:6 die Vorfreude auf das Champions League Spiel in Barcelona, für das es in Königstein bereits den Spieltagsschal zu erwerben gab, ein wenig eingetrübt. Die beiden Mitarbeiter der EF Fußball-AG kommen viel rum mit der Eintracht, „aber Königstein ist ein wunderschönes Fleckchen Erde“, lobte Andreas Kuhn.
Da gondeln sie wieder, die Schiffe.











