Zwei neue Fahrzeuge für die Königsteiner Wehr

Großes Empfangskomitee für den Minister: Roman Poseck, Hessischer Innenminister (5. v. l.) überreichte die Förderbescheide von zusammen gut 115.000 Euro an Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko. Hinten das zu ersetzende HLF 20. Foto: Schramm

Königstein (as) – 25 Jahre sind eine lange Zeit – sowohl in Sachen technischer Ausstattung als auch in Bezug auf die meist fordernden Einsatzfahrten beim Brandschutz. Bei der Freiwilligen Königsteiner Feuerwehr haben zwei Fahrzeuge jetzt ihr „Rentenalter“ erreicht und dürfen turnusgemäß ersetzt werden: ein HLF 20 Löschgruppenfahrzeug mit Hilfeleistungssatz für die Feuerwehr Königstein Mitte und ein Löschgruppenfahrzeug LF 10 für die Feuerwehr Schneidhain, welches das dortige LF 8 ersetzen wird.

„Große Feuerwehr“ herrschte am Dienstagmorgen auch vor dem HLT Königstein am Kaltenborn, denn die Übergabe der Förderbescheide über 67.760 (HLF 20) bzw. 48.400 Euro (LF 10) durch das Land Hessen wollte der Hessische Innenminister Dr. Roman Poseck höchstselbst vornehmen. Ehe er mit 20 Minuten Verspätung wegen eines ähnlichen Termins in Weilrod-Emmershausen und der anschließenden Fahrt durch das Weiltal und über das Rote Kreuz in seinem Fahrzeug samt Eskorte vorfuhr, wurde das in die Jahre gekommene HLF-20-Fahrzeug schon einmal im Hof geparkt. Volker Stroh, der fast 50 Jahre in der Einsatzabteilung aktiv war, erinnerte daran, wie dieses Fahrzeug – aktuell das älteste der Feuerwehr Mitte – vor 25 Jahren in den Dienst gestellt wurde, damals anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Stadtteilfeuerwehr. Die wird ja in diesem Jahr 150 Jahre alt und will am 14. und 15. August mit den Königsteinern groß feiern. Und auch vor 50 Jahren war Stroh als Mitglied der Jugendfeuerwehr schon dabei gewesen, als anlässlich des 100. Jubiläums der Hessische Feuerwehrtag in Königstein stattfand und gleich eine Serie von Fahrzeugen an die Feuerwehren des Kreises übergeben worden war.

Stadtbrandinspektor Stefan Freund und der stellvertretende Wehrführer der Feuerwehr Mitte, Peter Kiesow, berichteten derweil davon, dass das so elementar wichtige HLF 20 mit seiner fest eingebauten maschinellen Zugeinrichtung (einer Seilwinde) des Herstellers Magirus so langsam in die Knie gehe. Ersatzteile könne man kaum noch über den mehrfach verkauften Hersteller beziehen, man müsse sich über den internationalen Ersatzteilmarkt behelfen. Als zuletzt die defekte Kupplung für 8.000 Euro repariert werden musste, habe das Fahrzeug drei Wochen stillgestanden. Der bei Unfällen unverzichtbare Hilfeleistungssatz musste während dieser Zeit auf einen Pritschenwagen umgebaut werden. Aktuell würden eher Feuerwehrfahrzeuge von MAN oder Mercedes bevorzugt, so Freund, ohne der Ausschreibung vorgreifen zu wollen.

Die hat für das Fahrzeug für die Schneidhainer Wehr bereits begonnen, für Königstein wolle man sie jetzt zügig auf den Weg bringen, kündigte Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko an. Zwei bis drei Jahre werden sich die Königsteiner Feuerwehrleute auf jeden Fall noch gedulden – und den bestehenden Fuhrpark hegen und pflegen – müssen, ehe die beiden neuen Fahrzeuge in den jeweiligen Feuerwehrhäusern stehen werden.

Dass nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die Gebäude für die sogenannten Blaulichtorganisationen eine große finanzielle Belastung für jede Kommune sind, war dann auch gleich das erste Gesprächsthema mit Minister Roman Poseck, der am geteilten Standort des Hilfeleistungszentrums am Kaltenborn natürlich auch von Hauptkommissar Falk Bonfils empfangen wurde. Poseck bekam von der Bürgermeisterin zu hören, dass die Stadt auch ein neues HLZ vor Augen habe und dann kein „Cut“ gegenüber der Polizeistation gewollt sei. „Wir sind interessiert daran, diese Dreier-Konstellation mit Feuerwehr, Polizei und DRK zu halten“, so die Bürgermeisterin – wobei ihr Bonfils voll beipflichtete. Er sprach trotz der optisch in die Jahre gekommenen Außenfassade des Polizeigebäudes in Sachen Funktionalität und Parkplätzen sogar von „paradiesischen Zuständen“ am Standort. Sicher kein Fehler, dass diese Information auch beim Innenminister ankam, auch wenn das an diesem Morgen nur ein Nebenthema war.

Bei der anschließenden kleinen Begrüßung im Lehrsaal der Feuerwehr lobte Poseck die Leistungen und das Engagement der Königsteiner Freiwilligen Feuerwehren und explizit auch die aktive Jugendabteilung. „Ich komme gerne mit den Förderbescheiden, weil hier gute Arbeit geleistet wird.“

Königstein brauche einen leistungsfähigen Brandschutz ganz besonders durch die Bundesstraßen und seine Waldgebiete. Insofern sei die Förderung für das Land Hessen „gut investiertes Geld“, auch wenn er wisse, dass es sich „nur um eine Unterstützung“ handele und die Hauptlast von der Kommune zu tragen sei. Das Land bezuschusst die förderfähige Summe zu 20 Prozent, die aber nicht den realen Anschaffungskosten entspricht. Durch die Preisentwicklung auf dem Markt und die häufig noch vorzunehmenden Aufbauten auf den Fahrzeugen liege die Förderung am Ende eher bei zehn Prozent, so der Minister.

Poseck sprach aber auch davon, dass die Landesregierung durch den Abbau von bürokratischen Vorschriften auf dem Weg sei, die erforderlichen Standards und den technischen Prüfdienst „mit Augenmaß zu reduzieren“. Man wolle auch den Druck von den Kommunen nehmen, immer wieder neue Feuerwehrhäuser bauen zu müssen – auch wenn mit dem Musterfeuerwehrhaus, das bereits in der Pionierkommune Weilrod steht, mittlerweile ein günstiges Modell zur Verfügung steht, das den Städten helfen soll, ihre Planungskosten künftig deutlich zu reduzieren.

Von den anwesenden Feuerwehrvertretern und auch von der Stadt wurden – wo sie schon vom Innenminister dazu eingeladen worden waren – weitere Wünsche geäußert. Catherine Voigt, als Leiterin des Hauptamts bereits mit der Ausschreibung für das LF10 beschäftigt, sagte, dass sie dabei an gewisse Grenzen gekommen sei. Wenn die Größe des Wassertanks nicht dem Förderbescheid entspreche, weil er zum Beispiel 1.300 statt 1.200 Liter fasse, was ja durchaus von Vorteil sei, könne sie ein Fahrzeug nicht bestellen. Und Jörg Antkowiak, der ehemalige Wehrführer, stellte die Mindestlaufzeit von 25 Jahren in Frage. Er würde sich wünschen, defekte Fahrzeuge früher ersetzen zu können. Volker Stroh schlug hier vor, zumindest den Förderantrag um einige Jahre nach vorne ziehen zu können.

Poseck entgegnete zwar, dass es bei 2.400 Feuerwehren im Land Hessen diese Standards brauche, signalisierte aber auch die Bereitschaft, mit seinen Fachabteilungen über gewisse Flexibilisierungsmöglichkeiten diskutieren zu wollen.

Und auch das Thema Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ), die bei einigen Feuerwehrleuten durchaus kritisch gesehen wird, brachte die Bürgermeisterin kurz zur Sprache. Bei der Position des Gerätewarts, bei der Schlauchpflege und bei Wartungen wolle sie mit Kronberg über eine IKZ sprechen. „Ich komme gerne mit einem IKZ-Bescheid wieder“, entgegnete Roman Poseck und verwies auf die guten Erfahrungen aus Bad Camberg, wo ein Feuerwehr-Dienstleistungszentrum für den Raum Limburg-Weilburg entstanden ist.

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