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Bauprojekt „Zum Adler“ – Im Gewölbekeller lässt es sich schon jetzt gut feiern

Mal eine andere Perspektive auf die Bauarbeiten am Gasthaus „Zum Adler“. Fotos: privat

Kronberg (mw) – Es ist eine große Herausforderung, der sich die zwei Familien aus Kronberg, Röder und Schulte-Hillen mit dem Umbau des Gasthauses „Zum Adler“, vor allem aber der Restaurierung des neben dem „Neuen Bau“ ältesten Gasthauses, das bis vor einigen Jahren noch in Betrieb war, gestellt haben. „Ei, ob die das wirklich gemeinsam packen“, munkelte der eine oder andere Kronberger denn auch hinter vorgehaltener Hand, nachdem bereits der Voreigentümer sich an dem Großbauprojekt Adler verhoben hatte und deutlich war, dass die Baugenehmigung auf sich warten ließ. Doch trotz täglicher Überraschungen an dem Gebäude, das erstmalig im Brandkataster 1726 als Haus, welches nicht durch das Feuer zerstört wurde, Erwähnung findet, haben die beiden Familien das „Projekt Adler“ zu keiner Zeit „verflucht“, wie sie betonen. Beide Familien hatten am Montag zum zweiten Mal gemeinsam die Mitglieder des Altstadtkreises und alle Interessierten in das denkmalgeschütze Gasthaus eingeladen, um über die Fortschritte am Bau zu berichten. Arm in Arm mit einem entspannten Lächeln auf den Gesichtern demonstrierten die Hausherren Peter Röder und Sven Schulte-Hillen, dass sie nach wie vor Spaß an ihrem „Baby“ haben. Auch wenn sie bei ihrem Bauprojekt, das mit der Übernahme des Hauses im Mai 2011 begann – die Baugenehmigung erfolgte im September 2012 – die Aufgaben klar unter sich aufgeteilt haben, inzwischen kennen beide so gut wie jeden Balken in dem alten Fachwerkhaus, das früher eine große Einfahrt zierte, sodass die Kutsche direkt in die Scheune unter das Haus gefahren werden konnte. Tatsächlich hatte es den beiden Herren vor allem der geräumige Gewölbekeller des vermutlich um 1680 erbauten Hauses angetan. Und schon war die Entscheidung gefallen, zu zweit das Haus an zentraler Stelle in der Kronberger Altstadt im Ganzen sorgfältig zu restaurieren und zu sanieren, damit es möglichst noch einmal so lange erhalten bleibt. Somit war am Montagabend für die beiden Familien bereits ein Meilenstein in der Haussanierung gelegt, denn der Gewölbekeller als persönliches „Herz“ des Gasthaus zum Adler ist, nachdem dort 1.350 Kubikmeter Boden herausgebaggert wurden (der Pressluft-Bagger wurde dafür eigens in dem Keller zusammengebaut) und neben dem nun ein Meter tiefer liegendem Boden rundherum eine Stützmauer gezogen wurde, fertiggestellt. Gut 90 Bürger waren der Einladung des Altstadtkreises gefolgt und fühlten sich im Gewölbekeller bei Bier, Wurst und Suppe gleich in Feierlaune, genauso wie es sich die Gastgeber vorgestellt hatten. Schon ein paar Mal mussten sie den Terminplan bis zur Fertigstellung verschieben, jede Wand, die weggenommen wurde, barg eine neue Überraschung. „Es waren nicht nur schlechte Überraschungen“, zeigt Sven Schulten-Hillen beim Rundgang durch das große Gebäude. An keiner Stelle im Haus wurde in den alten Eichenbalken beispielsweise der gefährliche „Hausschwamm“ entdeckt. Statt dessen konnte mitten im Hausinneren ein dickes Eichenfachwerk freigelegt werden mit wunderschönen alten und ausgesprochen gut erhaltenen Eichenbalken, das sich über drei Stockwerke hoch spannt. Der mit der Bauleitung beauftragte Architekt, Marcus Kistner, ist als gelernter Zimmermann fasziniert, welche altehrwürdigen Schätze das alte Gasthaus verbirgt. „Wir haben oben einen zehn Meter langen Baumstamm entdeckt. Es ist kaum vorstellbar, dass wir hier über Hölzer aus dem 18. Jahrhundert sprechen. Die haben doch tatsächlich einen ganzen Baum hierhergeschleppt und eingebaut.“ Auch viele weitere Details beeindrucken nicht nur die Bauherren an diesem Abend. Was außen an den Fenstern wie angenagelte Holzfensterbänke daherkommt, stellt sich ebenfalls als ganzes Holzelement heraus, das von außen bis nach innen durch gelegt wurde und aus dem eine Fensterbank heraus modelliert wurde. „Der Aufwand, der hier betrieben wurde, ist für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar“, so Kistner. Doch die Wände bargen ebenso genügend böse Überraschungen: Brandschutzwände zum Nachbarhaus in der Friedrich-Ebert-Straße gab es gar nicht und an Stellen, wo tragende Balken vermutet wurden, klafften große Löcher. „Keine Ahnung, wie das an einigen Stellen noch zusammengehalten hat“, meint Schulte-Hillen kopfschüttelnd und zeigt Eichenbalken, die aufgrund fehlender Belüftung einfach weggefault sind und in der Hand zu feinstem Staub zerbröseln. Doch die Zeit der klaffenden Löcher und auch der ständigen Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde scheint vorüber. „Wir haben alles aufgemacht, analysiert und begutachtet“, erläutert Schulte-Hillen. Damit sei die größte Hürde genommen. „Wir haben weiterhin die Kosten im Griff und wir haben gemeinsam nach wie vor viel Spaß an dem Projekt“, fügt er hinzu. Schwierig werde es wirklich erst, wenn das „Projekt Adler“ plötzlich fertig ist, meinte Peter Röder augenzwinkernd. Doch noch gibt es in dem Gasthaus zum Adler, in dem in Zeiten der Kronberger Malerkolonie die Künstler ein und aus gingen (und teilweise dort auch logierten oder sogar ihr Atelier hatten, wie Jacob Fürchtegott Dielmann), genügend Arbeit . Was steht, sind die Grundmauern und der gesamte Neubau entlang der Adlerstraße. Im Gewölbekeller planen die beiden Herren einen Weinkeller einzurichten, ein eigener Raum ist für die Weinlagerung vorgesehen. In dem neu betonierten Keller befinden sich auch die sanitären Anlagen, die Heizung und ein gekühlter Müllraum. „Wir wollten die Toiletten einfach gerne aus dem Erdgeschoss verbannen“, so Schulte-Hillen.

Gastraum und Bar im Erdgeschoss, wo noch die Grundmauern der Hofreite, in der die Kutsche parkte, zu erkennen sind, werden Platz für 75 Personen bieten. „Uns schwebt eine gute deutsche Küche oder auch eine italienische vor“, verrät Schulte-Hillen, der es wichtig findet, dass man dort auch einen „ganz normalen Handkäs bekommen kann“. Im ersten Stock geht es weiter mit den Serviceräumen, der Lüftungsanlage und den Kühlräumen. Im Neubau und in den weiteren Stockwerken verteilt entstehen fünf Wohnungen. Besonders schön wirkt auch schon heute das Dachgeschoss mit all seinen freigestellten Balken. Der Dachgiebel musste komplett neu gebaut werden. Alles Hölzer, die ersetzt werden mussten (außer dem Dachstuhl) sind dem Haus entsprechend historische Eichenhölzer. „Auch jeden Stein, den wir hier zunächst abgetragen haben, um für stabile Grundmauern, die das Haus auch tragen, zu sorgen, haben wir an anderer Stelle wieder sorgsam zu einer Mauer aufgeschichtet“, zeigt er. Nach neuesten Berechnungen planen die beiden Familien nun, das „Projekt Adler“, so dass die Wohnungen einzugsbereit sind und ein entsprechender Restaurantpächter loslegen kann, im Juni abzuschließen. Montag jedenfalls gab es schon einmal einen langen Zwischenapplaus für die vollbrachten und sichtbaren Leistungen in dem alten Gebäude, das nach dem Umbau rund 1.300 Quadratmeter Nutzfläche haben wird. „Wir können stolz sein, dass es solche Bauherren hier gibt“, darüber waren sich Rathauschef Klaus Temmen und der Vorsitzende des Altstadtkreises, Hans-Willi Schmidt, die beide die große Gästeschar begrüßten, einig. Die stellvertretende Vorsitzende des Altstadtkreises, Cornelia Temmen, nutzte denn auch die gemütliche Runde, um den Familien mit einer symbolischen Laterne, in der hoffentlich nie das Licht ausgeht, für ihr Engagement an solch zentraler Stelle, in Kronberg zu danken. Im Einvernehmen mit der Stadt hatten die Bauherren in den vergangenen Wochen auch die nötigen unterirdischen Kabel durch den Recepturplatz legen können und der Stadt bei der Gelegenheit als Dankeschön gleich zwei Elektroverteiler installiert. 10.000 Euro hat der Altstadtkreis in seinem 20. Bestehensjahr selbst nun gespendet, um daran mitzuwirken, dass die Kronberger Altstadt für die Kronberger noch schöner wird. Hans-Willi Schmidt erläuterte noch einmal, dass das Geld für die Beleuchtung auf dem Recepturplatz verwendet werden wird und dankte den zahlreichen tatkräftigen Helfern, die dort unter anderem die Pflastersteine abgetragen hatten (wir berichteten). Klaus Temmen ließ die vielen Aktionen des Altstadtkreises Revue passieren und dankte für den Einsatz.

Der Altstadtkreis hatte noch eine Überraschung zu diesem Stammtischtreffen zu Gast im Adler parat: Uwe Wittstock vom Burgverein durfte sich über eine 200-Euro-Spende für die Restaurierung des Wappensaals der Burg freuen. Nach all diesen Überraschungen kamen auch die Geschichtsinteressierten auf ihre Kosten: Hans Robert Philippi wusste aus dem Stegreif einige Anekdoten aus der langen Geschichte des Hauses zu berichten. Danach gab es Videoaufnahmen, die im Zeitraffer vier Monate der Baumaßnahmen auf dem Grundstück dokumentierten. Doch der Überraschungen noch nicht genug: Neben den sichtbar gewordenen Schätzen im Hausinneren haben die beiden Familien noch weitere Schätze geborgen. Wie sie verrieten, haben sie neben dem alten Wandgemälde, das abgetragen wurde und beim Restaurator ist, vierzehn weitere Bilder aus Privatbesitz zurückgekauft, die ehemals im Gasthaus zum Adler, als die Künstler dort ein und aus gingen, ihren Platz hatten. „Wir wollen, dass einige von ihnen dort auch wieder einen Platz finden“, erklären sie. Aber auch das Museum Kronberger Malerkolonie soll in den Genuss kommen, sie in ihren Sammlungen temporär zeigen zu können.

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