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Im Dienste der Menschlichkeit Anneliese Kreß und Sieglinde Theiss

Die angehenden Frauenpreisträgerinnen Anneliese Kreß und Sieglinde Theiss (rechts).

Fotos: We stenberger

Kronberg (mw) – Viel Raum für sich beanspruchen, im Mittelpunkt stehen und auf sich aufmerksam machen, mit dem, was sie tun, das ist ihr beider Ding nicht: Die Rede ist von Sieglinde Theiss und Anneliese Kreß. Die Arbeitsgemeinschaft Kronberger Frauenverbände hat dem Magistrat ganz im Sinne der Ökumene diese zwei Frauen vorgeschlagen, die sich seit vielen Jahren in den Gemeinden engagieren: Anneliese Kreß in der katholischen Gemeinde St. Vitus Oberhöchstadt und Sieglinde Theiss in der evangelischen Gemeinde St. Johann in Kronberg. Am Mittwoch 8. März um 19 Uhr in der Stadthalle wird ihnen für ihr mehrere Jahrzehnte dauerndes Engagement der Frauenpreis verliehen.

Den beiden ist auch gemeinsam, dass sie über eine stark christlich geprägte Familie zu ihrem Wirken in den Kirchengemeinden gefunden haben. Beide haben begonnen, den Kindergottesdienst in ihrer Gemeinde mitzugestalten. Für die 57-jährige geborene Kelkheimerin Sieglinde Theiss war der in ihrer eigenen Kindheit schon etwas ganz Besonderes. „Da durfte ich sonntags alleine hingehen. Das fand ich einfach toll!“ Anneliese Kreß, die in Gelsenkirchen aufgewachsen ist und deren Elternhaus streng katholisch war, hatte es da nicht so leicht. „Das war bei uns nicht denkbar. Ich war ein behütetes Einzelkind.“ Dazu die Großstadt, wo man nicht einfach draußen spielen konnte. Und: was sie auch immer wieder gespürt und wohl auch geprägt hat: „Man war einfach ein Mädchen.“ Ein Junge sei bei ihr damals in der Familie viel wichtiger gewesen. So wuchs Anneliese Kreß damit auf, um ihre Person kein großes Aufsehen zu machen und hat sich als junge Erwachsene und angehende Erzieherin erst einmal neu mit dem Glauben auseinandergesetzt und auch mit den Gegebenheiten in der katholischen Kirche, in der Frauen bis zum zweiten vatikanischen Konzil wenig Möglichkeiten hatten sich zu verwirklichen. Und doch fand sie letztendlich in der katholischen St. Vitusgemeinde, dort im Kirchenchor, in dem sie mitsingt, in der Kolpingfamilie und als Mitglied des Gemeinderates – heute Ortsausschuss – dessen Vorsitzende sie zwölf Jahre lang war, eine zweite Heimat. „In meiner Jugend durfte man nicht einmal Ministrantin sein“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder und stolze Oma zweier Enkelkinder bedauernd. Als Lektorin und Kommunionshelferin und mit ihrer Aufgabe, Kinder auf die Erstkommunion und die Firmung vorzubereiten, fühlte sie sich in der Gemeinde jedoch dann als Frau durchaus gewertschätzt und angenommen. „Zwar können Frauen noch immer keine Priesterinnen werden, aber das wollte ich ja auch nicht“, so die 69-Jährige, der, so ruhig wie sie im ersten Moment wirkt, der Schalk im Nacken sitzt. Seit 2000 ist sie auch Gottesdienstbeauftragte, das heißt sie darf „Wort-Gottes-Feiern“ selbstständig abhalten. Diese hält sie im Altkönig-Stift und im Hohenwald Seniorenstift. Sie besucht ferner alte und kranke Gemeindemitglieder und bringt ihnen die Heilige Kommunion.

Anneliese Kreß hatte und hat damit neben der Kindererziehung, die ihr sehr wichtig war, ein eigenes Betätigungsfeld gefunden, aber auch einen Ruheraum, in dem sie als Bürgermeistergattin (18 Jahre lang war ihr Mann ,Wilhem Kreß Bürgermeister von Kronberg) ohne, dass sie irgendwo in die Querelen, die es in der Politik ja immer gebe, hineingezogen wurde, selbst wirken konnte. „Ich habe immer gesagt, mein Mann macht Politik und ich mache Kirche“, erzählt sie lachend. „Es war ein guter Ausgleich und es hat mir Freude gemacht“, sagt sie. Ob sie all die Kinder damals mit den richtigen Worten erreicht hat – denn viele von ihnen sähe man heute in der Gemeinde nicht mehr – das müssten andere beurteilen, so Kreß, die sich, solange sie die Kraft und Gesundheit hat, weiterhin in den Dienst der Kirche und der Menschen stellen will. „Dienen, nicht selbstverwirklichen“, das ist ihr Credo. So ist sie in ihrer Kindheit geprägt worden und so ist sie auch zufrieden. „Vielleicht ist ja der Fensterplatz im Himmel dafür mein Lohn, das fände ich toll“, sagt sie schmunzelnd. Heute liegt ihr Schwerpunkt eher bei der Betreuung der Senioren. Wichtig sei, zuzuhören, sich Zeit zu nehmen für die Menschen. Ob sie immer die richtigen Worte findet, das weiß sie nicht. „Aber ich versuche es.“ Und sie hilft da, wo sie eben gebraucht wird, hat viele Jahre auch im Jugendausschuss und im Ausschuss „Eine Welt“ mitgeholfen und ist heute noch im Ausschuss „Liturgie“ tätig.

Sieglinde Theiss sieht das ähnlich: „Es geht darum, da zu sein, wenn jemand Probleme hat.“ Beide betonen, dass sie natürlich nicht alleine ihren Dienst am Nächsten tun. Viele weitere Ehrenamtliche sind da und packen mit an, so wie Sieglinde Theiss sich beispielsweise darum kümmert, dass die Einladungen zu den zahlreichen Konzerten in St. Johann verschickt werden oder die Kirche und das Pfarramt in der Adventszeit mit schönen Adventskränzen geschmückt ist (die bindet sie alle selbst.) Kreatives liegt ihr, „meine Mutter hatte schon einen grünen Daumen“, verrät die Kelkheimerin, die mit ihrem rumänischen Mann drei Kinder hatte, von denen sie eines durch einen tragischen Unfall verlor: Ihr damals zweijähriger Sohn ertrank im Gartenteich einer Nachbarin.

Auch der frühe Tod ihres Mannes, der sich vor zwanzig Jahren das Leben nahm, war von einschneidender Bedeutung für ihr weiteres Leben. Fortan war sie alleinerziehende Mutter. Obgleich die Kinder noch klein waren, hat die Bauzeichnerin, die seit 40 Jahren bei HOCHTIEF arbeitet, hat sie immer nebenher gearbeitet. Nach diesen schweren Schicksalsschlägen fand sie in ihrem Glauben Halt und engagierte sich fortan in ihrer Kirchengemeinde St. Johann in Kronberg. „Zu den regelmäßigen sonntäglichen Kirchgängern gehört sie deshalb nicht, in die Kirche rennt sie dennoch öfters, um den Altarraum mit Blumen zu schmücken, die Blumen zu gießen oder Verwelktes wieder abzuräumen. Der Schwerpunkt ihres Engagements liegt bis heute in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit: Der Kindergottesdienst wird von ihr zusammen mit anderen im Team gestaltet. Zusammen mit Pfarrer Hans-Joachim Hackel führt sie einmal im Jahr die Konfirmandenfreizeit durch, vertritt ihn jedoch auch im Konfirmandenunterricht. Die Arbeit mit den pubertierenden 13- bis 14-jährigen Jugendlichen macht ihr Spaß und sie könnte Anekdoten aus den Freizeiten erzählen – die manchmal nur im Rückblick lustig sind – denn die Heranwachsenen sind nicht immer einfach zu lenken. Bei der Sommer-Freizeit der Jugend in Südfrankreich fährt sie vorab mit anderen Helfern nach Frankreich, um die Zelte für die Jugendlichen aufzubauen, die sie während der Freizeit betreut.

Außerdem ist sie bei der Ski-Freizeit stets einige Tage dabei. Apropos, auch den Skibasar an der Altkönigschule organisiert sie gemeinsam mit einer Bekannten seit vielen Jahren und durch ihre Kinder, die sie damals wegen der Möglichkeit der Hortbetreuung in den katholischen Kindergarten St. Peter und Paul in Kronberg geschickt hat, lebt sie ein Stück weit Ökumene. „Seit Jahren batike ich Kerzen für den Weihnachtsmarktstand von St. Peter und Paul“, verrät sie. Der quirligen Dame fällt alle fünf Minuten noch etwas ein, wo sie, ähnlich wie Anneliese Kreß einfach zur Stelle ist, wenn sie gebraucht wird. „Ich helfe beispielsweise auch beim Secondhand-Basar im Hartmutsaal mit.“ In der Gemeinde fühlt sie sich aufgehoben, gute Freunde zu haben ist wichtig und toll.“ Durch sie sei sie immer aufgefangen worden. „So viel mache ich ja gar nicht“, sagt sie bescheiden. Ihre Tochter sieht das wohl anders: „Was Du machst ist schon viel, würde sie mir wohl sagen.“

Für die anstehende Ehrung, die beide zunächst am liebsten abgelehnt hätten (oder haben), ist ihnen am wichtigsten zu erwähnen, dass diese stellvertretend für die vielen anderen ehrenamtlich Helfenden in der Gemeinde entgegennehmen.

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