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Ehepaar Hermann stiftet Flügel für die Burg-Veranstaltungen

Aber bitte mit Schleife: Der neue Petrof-Flügel mit den Spendern Brigitta und Hans-Joachim Hermann neben Schatzmeister Uwe Wittstock (re). Foto: Diel

Kronberg (die) – „Einmal einen Petrof mit roter Schleife, bitte!“ Wer das sehen wollte, kam gerade recht am Montagabend in den Wappensaal der Burg. Da stand er in seiner ganzen Pracht: 2,40 Meter Klang pur, „verpackt“ mit einer großen roten Schleife. Gebaut und generalüberholt wurde er in Tschechien, bei einer Klavierspedition zwischengelagert, bis der Boden des Wappensaals frisch eingeölt war und dann im Wappensaal aufgestellt. Am Montagabend endlich wurde das gute Stück feierlich von Brigitta und Prof. Hans-Joachim Hermann mit Schenkungsurkunde an die Stiftung Burg Kronberg übergeben. Sie hatten die ganze Aktion durch ihre großzügige Spende ermöglicht. Die Spende, die nicht nur die Restaurierung der Burg als solche betraf, sondern die Einrichtung und im Falle des Petrof-Flügels ein Instrument für anspruchsvolle musikalische Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, war eine Herzensangelegenheit für Brigitta Hermann. „Sie sehen heute Abend einen glücklichen Schatzmeister!“, so die Begrüßungsworte von Uwe Wittstock, dem stellvertretenden Vorsitzenden und Schatzmeister der Stiftung Burg Kronberg. Erst habe die Stiftung eine Absage an den Flügel erteilen müssen, das Geld habe gefehlt. Da seien die Eheleute Hermann eingesprungen, so Wittstock. Nach Verlesung der Grußworte des terminlich verhinderten Bürgermeisters Temmen durch Hans-Jörg Niermann aus dem Magistrat und der Ansprache des scheidenden Vorsitzenden des Stiftungsrates, Gerold Dieke, kam auch der Schenker selbst, Prof. Hermann, zu Wort. Auf Anraten des mit Familie Hermann befreundeten Pianisten Zitterbach habe man sich für einen gebrauchten Flügel entschieden. Gerade ältere Instrumente zeichneten sich durch einen runden Klang aus und bieten sich in historischen Räumen wie dem Wappensaal an, so Prof. Hermann. Als der in Frankfurt lebende Pianist Christoph Ullrich von dieser Angelegenheit hörte, habe sich dieser spontan dazu bereit erklärt, das Konzert im Wappensaal zu spielen – ohne Gage! Nach einführenden und erläuternden Worten von Gerhard R. Koch, ehemals leitender Musikredakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zum Programm des Abends ging‘s dann los. Christoph Ullrich spielte nicht nur den Flügel für die Gäste, er moderierte auch zwischendrin. „Wenn man so als Pianist auf dem Weg in ein Konzert ist, fragt man sich immer, komm‘ ich mit dem Flügel klar“, so Ullrich. Und dass er „klar kam“, konnte das Publikum eindrucksvoll hören. Das Programm begann mit fünf von 555 einsätzigen Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757). „Scarlatti ist schwer für einen Pianisten zu spielen, es ist die Feinheit, die Durchsichtigkeit, die Schnelligkeit seiner Werke und man hofft immer, dass der Flügel das mitmacht!“, so Ullrich. Zu erleben war eine unglaubliche Bandbreite an Passagen, perlende Läufe und mannigfaltige barocke Verzierungen, und nach den Sonaten hatte man die Worte Ullrichs wirklich begriffen. Weiter ging es durch die Zeit zu Mozart, der Sonate F-Dur KV 332, 1. Satz: Allegro. Wie schon Koch ausgeführt hatte, war das Besondere an diesem Satz, dass Mozart hierdurch eine Art Opera Buffa geschaffen hatte, allerdings ohne Sänger. Die verschiedenen Charaktere konnte man sich selbst in der musikalischen Fantasie ausmalen. Das war ganz leicht, so wie Christoph Ullrich den Sonatensatz ausgespielt hatte. Nach dem 3. Satz Scherzo der Sonate B-Dur D 960 von Franz Schubert (1797-1828), der die Zeitreise in Richtung Romantik fortsetzte, bewies Christoph Ullrich zusammen mit der Mezzosopranistin Britta Jacobus, dass der neue Flügel im Wappensaal nicht nur „spielen“, sondern auch „singen“ kann. Die klangliche Vielseitigkeit wurde in den drei Liedern, „An die Musik“ von Franz Schubert, „Widmung“ von Robert Schumann (1810-1856) und „Zueignung“ von Richard Strauss (1864-1959) deutlich. Hier war es kein Gegeneinander zwischen Gesang und Begleitung, sondern ein Miteinander, das zu einem harmonisch verschmolzenen Klangbild führte, interessant und wichtig für die zukünftigen vielseitigen Veranstaltungen, die der Flügel meistern soll. Daraufhin wurde es modern und zum Heimspiel für den Flügel als tschechisches Meisterinstrument: Der am Prager Konservatorium ausgebildete Bohuslav Martinu (1890-1959) komponierte „Trois esquisses de danses modernes“ 1927 für Klavier mit „Tempo di Blues“, „Tempo di Tango“ sowie „Tempo di Charleston“. In dieser Zeit sei es große Mode gewesen, sich mit amerikanischer Musik zu beschäftigen und mit eigenen traditionellen und folkloristischen Elementen zu verbinden, so Ullrich in seiner Moderation. Und mit der gelungenen Darbietung der Kompositionen von Martinu konnte sich das Publikum davon überzeugen, dass der Flügel auch den Übergang in die zeitgenössische Musik mit Blues, Tango und Charleston schafft. Damit war der Kreis zu Scarlatti geschlossen, denn auch zur Zeit Scarlattis war die Musik eine Mixtur aus unterschiedlichen nationalen Richtungen. Verschiedene Zeiten, verschiedene Komponisten, verschiedene Besetzungen, verschiedene Rhythmen: Das alles zeigte, was im neuen Flügel des Wappensaals steckt: Ein viels(a)itiger Allrounder! So ist die Burg Kronberg bestens gewappnet für die musikalische Zukunft. Übrigens: Einen Staubwedel aus echten Federn gab‘s von der edlen Spenderin, Brigitta Hermann, an Wittstock noch dazu: „Mit Pflegeanleitung!“.

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