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Flüchtlinge benötigen dringend Wohnraum, Arbeit und Paten

Kronberg (pu) – Der Magistrat der Stadt, die Flüchtlingshilfe Kronberg und der Verein „Integration.Flüchtlinge.Kronberg“ haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Öffentlichkeit über den aktuellen Sachstand der Entwicklung der Flüchtlingssituation in der Burgstadt auf dem Laufenden zu halten, um mit Transparenz für den Abbau von eventuell herrschenden Ängsten und Missverständnissen zu sorgen sowie zusätzlich darüber zu informieren, wo noch unterstützende Hilfe vonnöten ist. Die bereits regelmäßig stattfindenden Informationsveranstaltungen sollen, so Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos), künftig durch jeweils vierteljährlich aktualisierte Informationen auf der städtischen Homepage ergänzt werden. Fast auf den Tag zwei Jahre nach der Gründungsveranstaltung des Arbeitskreises „Flüchtlingshilfe Kronberg“ am 16. Juli 2014, in deren Verlauf zahlreiche Kronberger spontan ihre ehrenamtliche Hilfe anboten, um ihren Teil zu leisten beim vereinten Stemmen der großen Herausforderungen, im Kontrast dazu jedoch auch teilweise großes Misstrauen herrschte ob der Ankunft und Folgen der in die Kommune schwappenden Flüchtlingswelle, ist das Interesse der Bevölkerung an Informationsaustausch und Dialog weiterhin hoch. Anlässlich der jüngsten Informationsveranstaltung im gut besetzten Festsaal der Stadthalle hatten auf dem Podium Rathauschef Temmen, Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos), Andreas Feldmann (Leiter des Fachbereichs Verwaltungssteuerung), Marion Bohn-Eltzholtz (Leiterin des Fachbereichs 3, Soziales, Integration, Kultur und Bildung), in deren Zuständigkeitsbereich dieses Thema nach einer Neuorganisation seit 1. Februar fällt und der seit 1. Juni als Integrations-Dezernent fungierende Stadtrat Hans Willi Schmidt als Nachfolger Hans Robert Philippis, Platz genommen.

Lage im Hochtaunuskreis

Als Grundlage für die anschließende Diskussion lieferten die Podiumsteilnehmer zunächst aktuelle Fakten. Nach Aussage von Bürgermeister Klaus Temmen hat der Hochtaunuskreis in den letzten beiden Jahren bisher insgesamt 2.900 Flüchtlinge aufgenommen und untergebracht. Infolge der gesunkenen Zahlen von Flüchtlingen, die es aufgrund der neuen Rahmenbedingungen noch nach Deutschland schaffen, seien momentan nur noch 20 bis 30 Neuankömmlinge wöchentlich im Kreis zu verzeichnen. Während die Kapazitäten bei den Gemeinschaftsunterkünften gegenwärtig ausreichten, fehle es überall an Wohnraum. Demnach sind mehrere hundert anerkannte Flüchtlinge im Hochtaunuskreis auf Wohnungssuche. In Kronberg leben, wie bereits berichtet, zurzeit von 66 anerkannten Flüchtlingen noch 33 in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie nach herrschender Gesetzeslage drei Monate nach Anerkennung den Platz in der Gemeinschaftsunterkunft frei machen müssten. Das Gebot der Stunde sei sowohl in der Burgstadt selbst als nach einem Richtungswechsel mittlerweile auch an übergeordneten Stellen, die Forcierung von Schaffung neuen Wohnraums. „Auch der Hochtaunuskreis trifft inzwischen nur noch Vereinbarungen für Unterkünfte mit Nachnutzungsmöglichkeiten“, brachte Temmen es auf den Punkt. Nicht aus den Augen verlieren dürfe man dabei außerdem neben den nicht absehbaren künftigen Flüchtlingszahlen den Familiennachzug. „Nach einer Hochrechnung werden bis zu 500.000 Menschen als Familiennachzug in Deutschland erwartet.“

Zahlen für Kronberg

Aktuell (Stand Ende Juni) leben nach Angaben von Marion Bohn Eltzholtz in den Gemeinschaftsunterkünften und einigen Wohnungen insgesamt 159 Flüchtlinge (109 Männer, 50 Frauen und 37 Kinder) größtenteils aus Syrien, Eritrea und Pakistan zuzüglich 184 Menschen in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HAEA) und 29 unbegleitete Minderjährige in der DRK-Einrichtung. Durch Wegzug, Abschiebung und Ähnliches veränderten sich die Zahlen ständig.

HEAE

Zur Situation in der seit 24. Juni in den Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Gießen gewechselten HEAE berichtete Andreas Feldmann. „Dort ist das Leben eingekehrt!“ Auf den ersten Blick erkennbar sei dies nicht nur durch die neuerdings infolge von Gartenbauprojekten gepflegten Außenanlagen, sondern durch zahlreiche weitere Integrationsprogramme wie unter anderem „Fit für den Rechtsstaat“, Informationsveranstaltungen zu kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Regeln und Rahmenbedingungen in Deutschland, Sprachkurse, Exkursionen, Musikveranstaltungen und vieles mehr. Der Betrieb laufe daher abgesehen von kleineren Konflikten, die bisher allerdings ohne Polizeieinsätze gelöst werden konnten, „relativ rund“ und auch von einem „überhöhten Verkehrsaufkommen“ könne mitnichten die Rede sein. Kurzzeitig wird sich das allerdings ändern, denn Feldmann informierte über die bevorstehende notwendige „Ertüchtigung eines Weges für Brandschutzmaßnahmen“.

Nachhaltige Wohnraum-Schaffung

Breiten Raum nahm an diesem Abend die Vorstellung der geplanten Baumaßnahme auf einem städtischen Grundstück im „Grünen Weg“ als unkomplizierteste Option der bisher drei parallel durchgespielten Standorte, ein. Wie bereits berichtet käme bei Option zwei „Im Tries“ nach bisherigem Stand der Dinge lediglich eine mobile Einrichtung für drei Jahre in Frage, in der „Feldbergstraße“ als dritter Möglichkeit sind eine Reihe Fragen offen und darüber hinaus ließ die „Bürgerinitiative Feldbergstraße“ auch während des jüngsten Informationsabends durchblicken, den bisherigen Widerstand auch bei nachjustierten Plänen unvermindert aufrecht erhalten zu wollen.

Umso schneller, sofern alles wie geplant verläuft, dürfte es nach vorliegendem positiven unbefristeten Bauvorbescheid nunmehr im „Grünen Weg“ gehen. Dort könnten bis Frühjahr nächsten Jahres drei solitäre Gebäude nach einem Entwurf des Darmstädter Architekts Florian Krieger (jeweils zwei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss) in Holztafelbauweise mit Platz für insgesamt 88 Flüchtlinge, Internationales Café und Kleiderkammer und Büroräumen für Betreuungspersonal entstehen. Kostenpunkt für die nachhaltige Maßnahme, die, sofern nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft benötigt, den Mindestrichtlinien des Hochtaunuskreises für Wohnungsgrößen entsprechend Wohnraum für 48 Personen bieten würde: 2,3 Millionen Euro. Das dadurch frei werdende Notquartier „Villa Winter“ soll danach bekanntlich zum „Kulturhaus Kronberg“ umgebaut werden.

Sozialarbeiter, Sprache, Arbeit und Paten

Seit 1. April verstärkt Sozialarbeiterin Iris Hammerstein die Stadtverwaltung, am 1. Juli stieß Sven Krieger für den administrativen Bereich dazu. Die beiden Arbeitsplätze für den Bereich Integration werden allerdings, so Feldmann bei den letzten Haushaltsberatungen, „überwiegend über Drittmittel finanziert“. Dringender Handlungsbedarf besteht laut Bohn-Eltzholtz in Sachen Kindertagesstätten-Plätze, da von 30 Flüchtlingskindern dieser Altersgruppe gerade einmal sieben einen Betreuungsplatz haben. Relativ zufrieden ist man dagegen mit der Beteiligung an den Sprachkursen. Momentan unterrichteten die ehrenamtlichen Helfer 72 Teilnehmer. Viel Luft nach oben sei dagegen noch bei der Arbeitsvermittlung. Bis Mai hätten elf Arbeitsgelegenheiten, zwei abgeschlossene Praktika und drei weitere Beschäftigungen vermittelt werden können, wobei noch nicht alle Daten statistisch erfasst seien. Zwecks optimierender Integration wird nach wie vor dringend Verstärkung für das aktuell 39 Paten umfassende Team gesucht. Weitere Informationen dazu gibt es unter patenschaften[at]fluechtlingshilfe-kronberg[dot]de. Weitere Details zur Flüchtlingshilfe Kronberg und Ansprechpartnern unter www.fluechtlingshilfe-kronberg.de.

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