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Musikverein stimmt mit vielseitigem Konzert auf die Weihnachtszeit ein

Von links nach rechts hinten: Laura Kolz (12) mit Querflöte, Ann-Christin Ernst (spielt im großen Orchester bereits Pauke und Schlagzeug) spielt nun auch Klarinette, Tanja Rohde (18) spielt Querflöte, vorne: Trompeter Pascal Bender (9), Klarinettist Kasimir von Klitzing (12), Kaspar von Klitzing (11) spielt ebenfalls Trompete. Nur Eis essen ist schöner!

Fotos: Rinno

Kronberg (kr) – Das Adventskonzert des Musikvereins Kronberg gehört seit Jahren mit zur Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Am letzten Wochenende, am 28. und 29. November, bot das große Orchester sowie das „Beginner Orchester“ unter der Leitung von Jörg Senger ein abwechslungsreiches musikalisches Programm. Traditionsreich das Ereignis in der Stadthalle, immer neu die Darbietung des Musik-Vereins. Angelika Hartmann führte mit Informativem und Anekdötchen durch das Programm. Musikalisch wurde der Bogen von Tschaikowsky, Verdi, Rossini, Carl Wittstock, irischer Folk-Musik und einem bekannten englischen Weihnachtslied, das seinen Ursprung im 18. Jahrhundert hat, Musical- und Filmmelodien bis hin zu Happy X-mas (War is over) von John Lennon und Yoko Ono gespannt. Die Zuhörer traten gemeinsam mit dem Musikverein eine Reise durch Epochen, musikalische Genres, Länder und Kontinente an, auf der es in dem weihnachtlich geschmückten Saal der Stadthalle schwungvoll, festlich, besinnlich und auch nachdenklich zuging.

Für viele Gäste gehört dieses Konzert zum Auftakt der Weihnachtswochen wie der Rotkohl zur Gans. Fest eingeplant hat auch Bürgermeister Klaus Temmen diesen Termin weil es „ein kleiner Haltepunkt in dieser hektischen Zeit“ sei. „Auch ohne die klassischen Weihnachtslieder stimmt das Konzert so richtig auf die Advents- und Weihnachtszeit ein.“ Ja, die Stimmung war schon nach dem Finale aus der Overtüre 1812 von Tschaikowsky auf dem Höhepunkt: Begeisterte Rufe aus dem Publikum mischten sich unter den Applaus nach dem pompösen, heroischen Konzertauftakt. Würde der Musik-Verein die Zuhörer mit so guter Laune, großen Erwartungen und Begeisterung nach dem ersten Stück weiterhin mitreißen können? Diesem Enthusiasmus nach den ersten Minuten hätten andere Ensembles vielleicht nicht Stand gehalten. Doch der Musik-Verein hatte in seinem zweieinhalbstündigen Programm mannigfaltige Leckerbissen im Gepäck.

Ein weiterer Höhepunkt war sicher das Duett zwischen Don Carlos und dessen Freund Rodrigue aus Verdis „Don Carlos“, das Wolfgang Schmitt-Gauer für Gesang umgearbeitet hatte und nun gemeinsam mit Jörg Senger zum Besten gab. Der Schulterschluss der beiden Männer auf der Bühne wurde mit Bravo-Rufen aus den Reihen der Zuhörer gefeiert. Und Hartmann meinte: „Wenn das Verdi gehört hätte“. Doch nicht nur der Gesang, auch die Oboe wurde gepriesen. „Endlich wieder eine Oboe im Orchester“, freute sie sich. Martin Freise sei erst im Sommer zum Musikverein gekommen und schon nach der ersten Probe wusste er, dass er seine neue musikalische Heimat gefunden hatte. Ein großes Solo hielt der „Lord Tullamore“ von Carl Wittrock am Ende des Konzerts für ihn bereit. Wie gemacht für den gesamten Musikverein wiederum schien die von Franco Cesarini bearbeitete zweite Ouvertüre für Blasorchester zum „Barbier von Sevilla“. Vom Spanien des 18. Jahrhunderts wechselte das Orchester mit einem Arrangement aus den bekanntesten Melodien aus dem Musical „Les Misérables“ zu den Geknechteten und Ärmsten einer Gesellschaft. Doch hielt das Programm passend zur Weihnachtszeit auch Märchenhaftes bereit. „Der Zauberer von Oz“ stand Pate für ein Potpourri aus Liedern des weltberühmten Soundtracks der Musical-Verfilmung aus dem Jahre 1939. Ein unumstrittener Höhepunkt des Konzertes war die Premiere des Beginner Orchesters, das aus fünfeinhalb neuen jungen Ensemblemitgliedern bestand. Die Musikerinnen und Musiker an Querflöte, Klarinette und Trompete spielen ihre Instrumente erst seit zirka zwei Jahren. Einzig Ann-Christin Ernst ist schon etwas versierter, spielt sie doch im großen Orchester Pauke und Schlagzeug. Doch nun ist sie an der Klarinette ein Beginner. Das neue kleine Jugendorchester trat unterstützt von ein paar älteren Hasen an den Instrumenten Tuba, Schlagzeug und Klarinette zu ihrer Premiere an. Mit dem „Kleinen Festmarsch“ von Franz Watz, über Mozarts „Kleinen Tanz“ bis hin zu „Let’s Dance“ von Joe Grain zeigten die jungen Leute ihr Können. „Lustig, fröhlich, knackig sollt ihr spielen“, hatte Senger zu ihnen gesagt. Doch sie bestanden wohl erst auf Eis, wie Hartmann berichtete. Die Jugendleiter Nadja Pollmüller und Karsten Schmidt brachten dann welches mit und sagten: „Wir sind ganz stolz auf euch.“ Doch kein Eis ohne Zugabe! Beim „Mambo Cha Cha“ wippten die jungen Musiker tatsächlich sehr entspannt im Takt, auch das Publikum ging mit, während das Eis im Körbchen am Bühnenrand schmolz. Doch „Cha, Cha, Cha“ musste noch geschmettert werden, Senger brachte ein dunkles „Uh“ ein und dann jubelten die Zuhörer. Wirklich lustige Weihnachten!

Wem das alles zu bunt war, konnte bei anderen Stücken des Konzertes verweilen. So zum Beispiel im „Land of the Midnight Sun“ von Robert Buckley, in dem die Schönheit der Kälte, gar die Lyrik der fragilen Natur des hohen Nordens nachzuspüren war. Trompeten- und Flügelhorn-Solo unterstrichen diese Empfindung. Ein reicher Blechbläserchoral nahm die Stimmung auf, es folgte ein Holzbläserchor mit gedämpften Echos in den Blechinstrumenten bevor die Blechbläserakkorde die Feier des Lichts aufnahmen. Das Ende das Stückes wurde wieder leise lyrisch beschlossen. Mit diesem Stück wie auch mit „Oregon“, in dem Jacob de Haan die Weite und die Historie Oregons kompositorisch aufgenommen hat, oder im irischen Tullamore konnten die Zuhörer vom schwungvollen Takt bis hin zu melancholisch träumerischen Abschnitten ein wenig innehalten. Den Konzertabschluss bildete Happy X-mas von John Lennon und Yoko Ono. Natürlich wollte man am liebsten lauthals mitsingen, mindestens summen, sich umarmen, weinen und lachen. Es war ein gut gewählter Konzertabschluss.

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