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Peter Braunholz – Auf der Suche nach dem Wertvollen im Banalen

Gerade wurde die Fotoserie „Topophilia“, hier „Topophilia III, Spain 2016“, mit der Peter Braunholz Finalist der „LensCulture Awards San Francisco“ wurde, im Rahmen des „Rencontres Festivals“ vor der beeindruckenden Kulisse in Arles auf Großleinwand gezeigt.

Foto: Peter Braunholz

Kronberg (mw) – „Wenn Du nicht mehr beschreiben kannst, warum Du ein Bild gut findest, dann wird es interessant“, sinniert der Kronberger Fotograf Peter Braunholz. Galt er seit einigen Jahren in der Künstlerwelt bereits als interessanter Newcomer, so erhält der 54-Jährige inzwischen mit seiner Fotokunst weltweit Anerkennung. 2013 durfte er sich über ein Stipendium am Huantie Times Museum in Peking (wir berichteten) freuen. Er hat mehrere Galerien, die ihn vertreten, die Liste der seit 2014 erhaltenen internationalen Auszeichnungen – von London, Paris über New York und Los Angeles ist lang – und er ist in der Mezzanin-Stiftung für Kunst in Liechtenstein, einer der bedeutendsten Kunstsammlungen in Europa vertreten.

Welche seiner Fotografien hält er für herausragend? Welche ist die gelungenste? Eine Antwort darauf fällt ihm schwer. Braunholz ist und bleibt, daran ändert auch das wachsende Interesse an seiner Arbeit nichts, der Suchende nach Wirklichkeiten. Und die findet er auf seinen mitunter kräftezehrenden Reisen auf der Suche nach Bildmotiven auch immer wieder. Es sind nicht die viel geknipsten Bildmotive, der Eiffelturm oder der Sonnenuntergang über dem Meer, die ihn interessieren. „Es ist viel spannender, im Nichts etwas zu finden“, teilt er mit. Es sind die Alltagsbanalitäten, in denen sein Auge plötzlich eine bestimmte Poesie entdeckt. So entsteht 2016 die Serie „Topophilia“, mit der er Finalist bei den „LensCulture Awards“ wird. Die Serie lenkt den Blick auf menschenleere Straßenzüge mit trostlosen Hausensembles. Doch diese entwickeln ihre ganz eigene Identität und damit ihre Berechtigung als Motiv. Sie werden, je länger man sie betrachtet, schön und spannungsreich, und zwar in ihrer Melancholie und ihren Fragen, die sie aufwerfen, auch nach den Menschen, die dort wohnen, aber nie zu sehen sind. Bis zur Erschöpfung arbeitet Peter Braunholz. Nach genauer Planung seiner Reisen ist er oft wochenlang zwölf Stunden am Tag unterwegs, – ungeplant. Auf der Suche nach dem „Wertvollen im Banalen“, kann es ihm auch tagelang passieren, dass ihm kein Bild begegnet, das bei ihm etwas auszulösen vermag. Auf seinen Arbeitsreisen ist er immer allein, ob in Island, Norwegen, Frankreich oder Deutschland. „Ich muss mich total auf meine Arbeit einlassen, selbst ein stiller Begleiter wäre da schon zu viel“, erklärt er. Zurück in Kronberg, erholt er sich, kümmert sich um den ebenso wichtigen Teil seiner Arbeit, die Vermarktung, um Interviewanfragen, um die Teilnahme an den entsprechenden Messen, Fotofestivals, Treffen mit seinen Galeristen, etc. Allein im Herbst ist er auf zwei für ihn wichtigen Messen vertreten, der „Positions Berlin Kunstmesse“ und der „Kunst Zürich“, der internationalen Messe für zeitgenössische Kunst.

Große Freude bereitet Braunholz auch, seine inzwischen mehr als 15 Jahre Schaffenskraft als Fotograf in dem zweisprachigen Bildband „Fotografische Wirklichkeiten“, dokumentieren zu können: der gerade im Kehrer Verlag erschienen ist. Braunholz freut das in zweifacher Hinsicht: Es ist ein renommierter auf Fotokunst spezialisierter Verlag, dessen Programm, wie er sagt, von Fachleuten und Liebhabern gleichermaßen beachtet wird. Und er konnte den ausgewiesenen Fotokunst-Kenner Gérard Goodrow als Autor für den 139 Seiten starken Bildband gewinnen, der über Braunholz schreibt: „Peter Braunholz spricht hier von einer ,dritten Wirklichkeit‘. Hier geht es nicht um das Fantastische oder gar Surreale, wohl aber um einen gleichzeitig dokumentarischen wie auch abstrahierenden Blick auf die Dinge und ihr Wesen, ihre Essenz.“ Braunholz gelängen durch seine „besondere Sehkraft“ Momentaufnahmen, die „Einblicke in eine Vielzahl weiterer Parallelrealitäten ermöglichen“.

Eigentlich sind es die Eltern, die ihn in seiner Art, sich mit der Welt auseinanderzusetzen, stark geprägt und beeindruckt haben, stellt er rückblickend fest: Aufgewachsen ist Braunholz in einer echten Musikerfamilie, Mutter Karin Klavierlehrerin, Vater Bernhard Solocellist beim Opern- und Museumsorchester Frankfurt. „Wenn ich heute die klassischen Fotoaufnahmen meiner Mutter betrachte, sehe ich ihre Begabung.“ Als Mutter von drei Kindern hätte sie die damals eben nur nicht weiter verfolgt. Geprägt hat den Fotografen jedoch nicht nur die Musik. Während seines Studiums der Germanistik und der Filmwissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main arbeitete er als Live- und Studiomusiker (E-Bass, Gitarre, Keyboards) und hatte zahlreiche Auftritte, beispielsweise auch bei „Verstehen Sie Spaß“ mit Harald Schmidt, als Bassist von Patricia Kaas. Geprägt hat ihn bereits die Literaturauswahl seines Vaters. Es waren zwei Bücher, eines des Philosophen Karl Popper und „das Ich und sein Hirn“ des Hirnforschers John Eccler, erinnert er sich zurück. Diese Bücher bildeten für ihn einen „großartigen Einstieg“ in die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. „Was bin ich, was nehme ich wahr, und was gaukelt mir mein Gehirn so vor“. Diese Fragen begleiten den Fotografen bis heute und nichts scheint treffender als Zitat für seinen Bildband von Paul Watzlawick: „Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung.“

Braunholz kam erst nach vielen Jahren als Musiker, später auch als Arrangeur und Produzent über die Zusammenarbeit mit der Fotografin Abisag Tüllmann, mehr und mehr zur Fotografie, zunächst fertigte er Auftragsarbeiten für verschiedene Großunternehmen an. Er weiß noch wann Fotografie für ihn „Suchtcharakter“ entwickelte: Es war 1999 auf einer Neuseelandreise. Er fertigte kleine Bücher seiner freien Arbeiten an und schenkte sie seinen Kunden. Dass er sich jetzt schon viele Jahre ausschließlich der Fotokunst widmen kann, ist für ihn ein großer Gewinn. „Durch diese Konzentration ist bei mir eine Energie entstanden, die enorm förderlich war“, sagt er.

Gerade ist Braunholz vom „Rencontres Festivals“ in Arles zurückgekehrt, auf dem seine Reihe „Topophilia“ auf Großleinwand gezeigt wurde. Bereits 2015 wurde ein Teil seiner Arbeiten an zwei der bekanntesten Ausstellungsorten der Welt gezeigt: Im Musée du Louvre in Paris und im Arsenale die Venezia.

Man darf also mit Fug und Recht gespannt sein auf die nächsten Projekte von Peter Braunholz. Auch wenn er sie heute selbst noch nicht kennt. Auf seinem Weg, den er gefunden hat, wird er sie sicher noch entdecken. Genauso wie er die Haustüren in der Bauhaus-Siedlung von Ernst May in Frankfurt-Praunheim entdeckt hat und ihnen mit seinem sehenden Sinn eine völlig neue Identität gegeben hat. „Individualization“ heißt die Serie, die er ebenfalls in dem spannenden Bildband, in Englisch „Photographic Realities“, zeigt.

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