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Volkstrauertag in St. Johann – Kraft der Musik spendet Trost

Der Chor der Johanniskirche unter der Leitung von Bernhard Zosel und Tenor Daniel Sans spendeten Trost mit der Musik von Franz Schubert. Foto: privat

Kronberg (aks) – Der „Actus Tragicus“ des 22-jährigen Bach mit leisen Flötenklängen ist ein besonderer Auftakt des Konzerts in St. Johann zum Volkstrauertag. Diese Trauermusik, die als „Geniewerk“ gilt, entstand 1707. „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“, kündet nicht von Todesfurcht, sondern von der Hoffnung auf eine andere, bessere Welt, ganz im Sinne des lutherischen Glaubens. Tenor (Daniel Sans) und Bass (Christoph Kögel) mahnen zur Besinnung („Herr, lehre uns bedenken“ und „Bestelle dein Haus“) während der Chor an den Tod erinnert: „Du musst sterben!“ Sopran (Gabriele Hierdeis) und Alt (Birgit Schmickler) huldigen Jesus und dem ewigen Gottvertrauen auch und gerade im Angesicht des Todes („Herr Jesu komm“ und „In deine Hände befehle ich meinen Geist“). Die Stimmen sind klar und deutlich und rühren mit der einfühlsam gesungenen Botschaft, die uns das Paradies verspricht. Wenn Gottes Zeit auch unsere Zeit ist, brauchen wir keine Angst vor dem Ende zu haben. Denn dass der Tod zum Leben gehört und unserem Leben erst Sinn gibt, wissen nicht nur gläubige Christen, sondern alle Menschen. Bachs Musik, diesmal eher verhalten, ohne Pauken und Trompeten, ist durchzogen von feinen Tönen, die eher zum Glauben verführen als dazu ermahnen.

Die geistlichen Lieder des 21-jährigen Hugo Wolf (1881) „Einklang“ und „Letzte Bitte“ a cappella von allen vier Sängern in zu Herzen gehender Harmonie vorgetragen, unterbrechen zunächst die feierliche Kirchenstimmung. Dur-Klänge schmeicheln den Texten von Joseph von Eichendorff, der als meist vertonter Dichter des 19. Jahrhunderts die Sehnsucht als romantisches Thema, die hier als Todessehnsucht gedeutet werden kann, lyrisch umsetzte. Es folgen „Resignation“ und „Ergebung“: Die stille Welt des Todes eher ein Trost und sollte uns keine Angst machen: Verdunkelt schweigt das Land, Im Zug der Wetter sehe ich schauernd deine Hand.

O mit uns Sündern gehe erbarmend ins Gericht! Ich beug‘ im tiefsten Wehe zum Staub mein Angesicht. Dein Wille, Herr, geschehe!“

Franz Schuberts romantisch geprägte Kirchenmusik, die er, bereits todkrank, mit knapp dreißig Jahren komponiert hat, erklingt wie aus anderen Sphären. Der Tenor bittet beseelt um göttliches Gehör „Intende voci“, allerdings ohne Verzweiflung, wie es der Text vermuten lässt („Vernimm mein lautes Schreien, ich flehe zu dir...), auch die Instrumente sind fein nuanciert, werden immer wieder ganz leise – Sänger und Chor gleiten ganz sacht zu neuen Ufern.

Das Requiem von Gabriel Fauré, uraufgeführt in der Madeleine in Paris 1888, stellt den glänzenden Höhepunkt des Abends dar. Es sei von „sanftem Charakter wie ich selbst“, so beschrieb es der Komponist.

Anmutig und zart wird die Ruhe der Toten und der Eingang ins Paradies in Dur und Moll thematisiert. Fauré verzichtet auf den „pompe funèbre“, den lauten Abgesang des prallen Lebens, und hat dafür alle furchteinflößenden Elemente wie „Dies Irae“ aber auch die letzte Posaune weggelassen. Das „Sanctus“ ist überraschend zart und verhalten, klangvoll vorgetragen von der Sopranistin Gabriele Hierdeis. Das Crescendo des Chores „Hosanna in excelsis“ ist mitreißend. Das „Pie Jesu“ als Sopran-Solo verbreitet die wohlige Wärme eines Wiegenlieds. „Libera me“ – und „in paradisum“ bilden das Finale einer Komposition, die stellenweise wie ein frischer Frühlingsmorgen aufleuchtet. Die Harfe verbreitet himmlische Klänge und ist wie ein Versprechen auf das Leben im Paradies.

Bernard Zosel leitet Orchester, Chor und Solisten souverän und mit der ihm eigenen Begeisterung durch diese sehr unterschiedlichen Musikstücke, die die Zuhörer sichtlich und hörbar begeistern. Glockenklang setzt beim Finale „in paradisum“ ein, als wäre das mit „ganz oben“ so abgesprochen. Die Wiederholung – diesmal ohne Glockengeläut – setzt für alle Kirchgänger einen fast heiteren Endpunkt am Volkstrauertag.

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