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Weihnachtsausstellung: Von reitenden Pandabären, Buchdeckeln als Kunstwerk und eiskalten blauen Bergen

Detlef Pötzsch prüft sein Werk „Collage 1“

Kronberg (die) – Haben Sie schon einmal überlegt, was auf Pferden reitende Pandabären, Kronberger Burgen aus Ministeck und kunstvolle Bucheinbände, bei denen der Inhalt des Buches keine Rolle spielt, gemeinsam haben könnten? Wen diese Frage interessiert, der hat die Antwort am vergangenen ersten Adventssonntag in der Stadthalle Kronberg finden können. Auch in diesem Jahr fand eine feierliche Vernissage zur Eröffnung der 47. Kunstausstellung statt. Als der Kunstverein im Jahre 1968 gegründet wurde, war Ziel dieses Projekts, das kulturelle Leben von Kronberg zu fördern. Nachdem der Bereich klassische Musik mehr und mehr durch das Neue Orchester Kronberg und die Kronberg Academy übernommen wurde, bleibt mit der bildenden Kunst ein entscheidender Anteil des kulturellen Lebens in Kronberg in der Hand des Kulturvereins: „Dahinter brauchen wir uns nicht zu verstecken“, betonte Bürgermeister Temmen in seiner Eröffnungsrede. Und da kann er als Bürgermeister und Vorsitzender des Kulturvereins wohl mitreden. 112 Werke von 47 Künstlerinnen und Künstlern gilt es zu bewundern, zu bestaunen und zu erfahren. Und gegebenenfalls zu erwerben. Die Kunstwerke beinhalten auch den einen oder anderen Blickwinkel auf die Stadt Kronberg. Besondere Dankesworte richtete Temmen an Dorothée Arden, die als Geschäftsführerin des Kronberger Kulturvereins die Organisation und Hängung der Ausstellung übernommen hatte. Und das dürfte keine leichte Arbeit gewesen sein, weil von Fotografie über Patchwork, Ministeck, Aquarelle, Pastelle, Ölmalerei, Bronzearbeiten, Bucharbeiten verschiedenste Techniken, Motive und künstlerische Ideen zu koordinieren waren. Durch die Anordnung aber beispielsweise der Skulpturen an den Rändern der die Bilder tragenden Wände und der harmonischen Anordnung der Bilder selbst wurde einem die Orientierung in der Mannigfaltigkeit der Kunststile vereinfacht. Die Individualität der Künstler und ihrer Werke wurde damit dem Betrachter eindrucksvoll zugänglich gemacht.

Und viele der Künstler waren anwesend und konnten Rede und Antwort stehen. So zum Beispiel die Dame mit den Pandas, die Künstlerin Tatiana Tarabrina. Sie will mit ihrem Bild, auf dem niedliche Pandabären zu sehen sind, die auf Pferden reiten und ein Rennen absolvieren, ganz im Sinne des Dadaismus provozieren, sie will, wie sie sagt „Quatsch“ machen. „Manche mögen es genial, manche komisch finden“, führt Tarabrina aus. Hauptsache, die Verbindung von Personen, Tieren und Gegenständen haben nichts miteinander zu tun und erregen deshalb Aufsehen. „Ich möchte mit meinen Bildern gute Laune machen“, erklärt sie fröhlich.

Oder man nehme Herrn Detlef Pötzsch. Er erzählt, er habe mal etwas anderes machen wollen. Dafür habe er ein von ihm gemaltes Aquarell-Bild mit Tuschestift halbiert und auf zwei Buchdeckel aufgebracht. Er habe es seiner Frau gezeigt, weil deren Kritik und Anregung für ihn sehr wichtig seien. Daraufhin habe er 15 Motive zur Auswahl erstellt. Die Wahl der antiquarischen Bücher sei dagegen völlig willkürlich erfolgt. Die Kunstwerke stehen zwar auf einer Säule, können aber auch aufgehängt werden. Auch das hat der Künstler so vorgesehen.

Ein weiteres Geheimnis zu einem Bild gibt die Malerin Karin Gönner preis. Sie habe einen Türkis-Tick. Und sie liebe das Matterhorn. Zwar sei sie selbst noch nie dort gewesen. Sie kennt das Matterhorn aber seit ihrer Kindheit, als es die Waldbaur-Schokolade mit dem Motiv des Matterhorns gab. Aus diesen Gründen habe sie das Matterhorn in eisigem Türkis gemalt. Seit 44 Jahren ist sie mit ihrem Mann Uwe Gönner alljährlich bei der Weihnachtsausstellung präsent.

Beide haben an der Kunstschule Westend in Frankfurt studiert, Herr Gönner unterrichtet auch an der Kronberger Kunstschule in der Receptur. Die Werke von Uwe Gönner, Habichtsadler und Steinadler, sind eindrucksvoll und führen als Aquarelle zu einem weiteren Kunstwerk, einem Pastell von Dolores Saul, das mit den Adlern eine wunderschöne Nachbarschaft in der Ausstellung bildet. „MBali“, so heißt das Bild mit dem Löwen. Sein reales Ebenbild mit gleichem Namen lebt im Baseler Zoo. Dolores Saul, mehrfache Preisträgerin von Wettbewerben der Pastel Guild of Europe, arbeitet mit einem Tierfotografen aus Basel zusammen. Sie geht mit ihrer Kunst immer von einer Fotografie aus, um gleichbleibende Lichtverhältnisse zu haben. „Ich arbeite fast nur mit Fingern auf sandrauhem Papier“, führt die Künstlerin aus. Mit Pastellstiften werden die feinen Linien sodann gezeichnet. Und feine Linien hat die Mähne Mbalis wahrlich genug.

Die Ausstellung ist übrigens eine Verkaufsausstellung und gleichzeitig eine Wechselausstellung. Wenn nämlich ein Werk verkauft ist, bekommt der Künstler oder die Künstlerin einen Anruf und darf ein neues Bild „nachschießen“, so Dorothée Arden. So verwandelt sich die Ausstellung ständig und wer interessiert ist, der mag auch über mehrere Besuche nachdenken.

Zu sehen ist das Ganze bis zum 11. Dezember in der Stadthalle Kronberg, Montag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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