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Oberhöchstädter Sommer: Auftakt mit Dorfgeschichte

Ein netter Ort zum Verweilen, Lauschen und Plaudern: der Porto Recanati-Platz in Oberhöchstadt mit Gästen des „Oberhöchstädter Sommer“
Fotos: Westenberger

Oberhöchstadt (mw) – Passend zum anhaltenden Sommerwetter hatte der Verein Heckstadt-Freunde Oberhöchstadts zum zweiten Mal seinen „Oberhöchstädter Sommer“ eingeläutet, der alle Heimatverbundenen, Zuhausegebliebenen oder noch in Kronberg Verweilenden zum geselligen Zusammensein auf den vergangenes Jahr neu gestalteten Porto Recanati-Platz einlädt. Zum Auftakt wurden die Besucher, unter ihnen viele „Eingeplackte“, vom Oberhöchstädter Richard Schmidt in Oberhöchstadts Vergangenheit entführt. Zunächst aber begrüßte die Vorsitzende der „Heckstädter“, Gabriele Hildmann, die Gästeschar, die bereits von Unterhaltungsmusik quer durch Europa von Jürgen Lugert verwöhnt, mit Würstchen vom Grill und einem kühlen Äppler oder Bier erwartungsvoll an Tischen und Bänken Platz genommen hatte. „Wir sind wohl dieses Mal die Profiteure vom Ausscheiden der Deutschen Nationalelf“, sagte sie zur Begrüßung. Denn den einen oder anderen Freitag gegen die deutschen Fußballer anzuspielen, wäre sicherlich nicht so leicht geworden“, meinte sie augenzwinkernd. Nun aber gäbe es keinen Grund mehr, sich die noch folgenden drei Veranstaltungsabende entgehen zu lassen (nach diesem Eröffnungsabend und Volker Hummels Einführung ins Hessische vergangenen Dienstag). Am kommenden Freitag 6. Juli um 19.30 Uhr laden die „Heckstädter“ gemeinsam mit dem Partnerschaftsverein Porto Recanati zum „Italienischen Abend“ ein. Gemütliches Beisammensein mit italienischem Flair steht auf dem Programm. Die Bewirtung erfolgt durch die Brunnenschänke. Dienstag, 10. Juli gibt Vox Musicae auf den Porto Recanati-Platz ein Konzert. Der erfolgreiche Chor lädt die Zuhörer dazu ein, ihrer Interpretation von Pop-Highlights zu folgen. Die Veranstaltung wird etwa eine Stunde dauern und findet bei schlechtem Wetter im Dalles-Haus (Herbert Alsheimer-Saal) statt. Den Abschluss bildet Freitag, 13. Juli die Veranstaltung „Bier verbindet die Menschen“. Es gibt Wissenswertes zum Brauen und zum Bier, das natürlich auch getrunken werden kann. Darüber hinaus gibt es verschiedene Käse zum Verkosten und auch sonst wird für das leibliche Wohl gesorgt werden.

Oberhöchstädter Stuckateure in Rom und Florenz

Nach diesen weiteren Einladungen zum sich Kennenlernen und gemütlichen Zusammensein auf dem Porto Recanati Platz, entführte Richard Schmidt die Gäste endgültig in eine andere Zeit: Er berichtete von der Arbeit in Oberhöchstadt um die Jahrhundertwende, in der die Bevölkerung in dem hessischen Dorf überwiegend aus Handwerkern und Arbeitern bestand. Es gab gut ausgebildete Facharbeiter im Bau und Metallbereich, berichtete er. Richtig bekannt jedoch seien die „Oberhöchstädter Stuckateure“ gewesen, die in Rom und Florenz für anspruchsvolle Stuckarbeiten eingesetzt wurden. Für die einfachen Arbeiter, die sich als Tagelöhner verdienten, sei es äußerst schwierig gewesen, den Lebensunterhalt für die oftmals sechs- bis achtköpfige Familie zu verdienen. Viele mussten damals hungrig zu Bett gehen. Wer ein „Äckersche“, „ein Gorde“ oder „e Wiss“ hatte, die die Frau und Kinder bewirtschafteten, während der Vater zu Fuß oder mit dem Fahrrad (oftmals auch noch nach dem Eisenbahnbau, da das Ticket einfach zu teuer war) nach Frankfurt arbeiten ging, konnte sich glücklich schätzen.

„Strohschlabbe“

In der Nachkriegszeit seien nicht nur ausreichend Essen Mangelware gewesen, – die schlichte Ernährung hielt bis Anfang des 21. Jahrhunderts an – sondern es gab auch keine Schuhe, erinnerte Schmidt.

Einige Familien spezialisierten sich daraufhin auf die Herstellung von „Strohschlabbe“ und verkauften sie, um zu überleben. Hierbei wurde ausgewähltes Stroh gewässert und weich geklopft, um daraus anschließend Zöpfe zu flechten. Diese wurden dann mit Bindfäden an Schuhleisten zusammengenäht, die man sich vom Schuster auslieh. „Aus alten Lappen, Auto- und Fahrradschläuchen wurden passende Sohlen geschnitten, angenäht und getrocknet“, erzählte er seinem gespannt lauschenden Publikum, das sich mit den alten Bräuchen beziehungsweise Überlebensstrategien im damaligen Oberhöchstadt bestens auskannte. Ob bei den „Strohschlabbe“ oder bei den Ernährungsgepflogenheiten der Oberhöchstädter, beispielsweise der „Latwerge“ (haltbarer Brotaufstrich aus – einen ganzen Tag lang mit etwas Most – gekochten Zwetschgen), der Mehlsuppe aus Weizen- und Roggenkörnern vom Feld oder der „Quer durch den Garten-Suppe“, wenn Richard Schmidt nachfragte, wer die Gepflogenheiten noch kennen würde, gingen viele Arme hoch.

Und so verwundert es auch nicht, dass einige der anwesenden Oberhöchstädter gerne noch mehr Historie und Geschichten aus ihrem Ort gelauscht hätten.

Andererseits hatten sie natürlich selbst genügend Anekdoten aus guten alten Zeiten zu bieten – vielleicht war sogar die eine oder andere dabei, die sich für das Buch eignet, an dem Richard Schmidt mit den „Heckstädtern“ zusammenarbeitet, um die Erinnerungen an das Oberhöchstadt, das früher einmal war, für die folgenden Generationen zu bewahren.

Gabriele Hildmann begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, Richard Schmidt berichtete vom Oberhöchstadt

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